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Wahlrechtsreform: Deutschlands schlummernde Staatskrise

exklusiv Merkels Koalition tut so, als habe sie bei der Wahlrechtsreform alle Zeit der Welt. Dabei hat das Verfassungsgericht klare Vorgaben gemacht. Die Grünen kritisieren das Zögern und skizzieren ein gefährliches Szenario.

Der Bundesadler im Plenarsaal des Bundestages in Berlin. Quelle: dpa
Der Bundesadler im Plenarsaal des Bundestages in Berlin. Quelle: dpa

DüsseldorfDeutschland könnte nach Ansicht der Grünen für den Fall, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch in dieser Wahlperiode die Vertrauensfrage stellen sollte, in eine Staatskrise schlittern. Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck begründete dieses Szenario im Gespräch mit Handelsblatt Online mit der immer noch fehlenden Einigung des Parlaments über die vom Verfassungsgericht geforderte Korrektur des Wahlrechts. „Wenn Merkel eine Vertrauensfrage verliert, haben wir den Salat. Wir steuern dann potentiell  auf eine Staatskrise zu“, sagte Beck.

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Der Grünen-Politiker machte die schwarz-gelbe Koalition für die ungeklärte Gesetzeslage verantwortlich, da sie zwar über die Mehrheit im Bundestag verfügt, sich aber bislang nicht auf eine Reform des Wahlrechts verständigt hat. „Wer in fast drei Jahren ein Urteil nicht umsetzt, blamiert sich als Gesetzgeber bis auf die Knochen. So gewinnt man kein Vertrauen“, sagte Beck.

Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zeigte sich ungehalten über den Stand der Wahlrecht-Novellierung. „Die Situation ist ärgerlich und zweifellos auch peinlich“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Indirekt nahm er damit vor allem Union und FDP in Haftung.

Niemand könne sich damit entschuldigen, man sei vom Handlungsbedarf überrascht worden, sagte der Bundestagspräsident mit Blick auf die von Karlsruhe eingeräumte dreijährige Frist für eine Korrektur. Diese läuft Ende Juni ab. Lammert räumte ein, dass dem Ansehen des Bundestags Schaden entstehe, wenn der Eindruck erweckt werde, das Parlament halte sich nicht an die Vorgaben des Verfassungsgerichts. Er wies zugleich Warnungen vor einer „Staatskrise“, wie sie die Grünen geäußert hatten, als „arg dramatisierend“ zurück.

Nach Vorgaben der Karlsruher Richter muss das Wahlrecht bis Ende Juni reformiert werden. Das Bundesverfassungsgericht hatte 2008 das negative Stimmgewicht für verfassungswidrig erklärt. Künftig muss verhindert werden, dass eine Partei bei Bundestagswahlen mehr Mandate dadurch bekommt, das sie in bestimmten Ländern weniger Zweitstimmen erhält.

Lammert versicherte, das Wahlrecht werde rechtzeitig vor den Kandidaten- und Listenaufstellungen für die Bundestagswahl 2013 reformiert. Es gebe keinen Grund zu der Annahme, irgendjemand wolle ernsthaft eine Korrektur verweigern. Alle Beteiligten, auch die Opposition, suchten nach Lösungen, die für die jeweils eigene Partei möglichst wenige Risiken berge. Dies erschwere zwar eine Konsensfindung. „Es wäre aber auch weltfremd zu glauben, dass solche Motive völlig außer Acht gelassen würden“, sagte Lammert.

  • 18.06.2011, 16:46 Uhrmargrit117888

    Das ist ein Irrtum.
    Der 2 plus 4 - Vertrag anläßlich des Mauerfalls stellt quasi einen Friedensvertrag dar.
    Deutschland ist seitdem wieder ein souveräner Staat
    Wir müssen die Siegermächte nichts mehr fragen.
    Lernen Sie im Studium der polit. Wissenschaften seit numehr 20 Jahren

  • 18.06.2011, 10:35 UhrW.Fischer

    Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident Lammert,
    Wie ihnen sicherlich bekannt sein dürfte, können die Parteien zu Berlin gar keine Änderung des Wahlrechtes in eigener Entscheidung treffen, ohne die Besatzungsmächte vor ab zu konsolidieren?
    Wurde dies mit den Siegermächten schon besprochen? Ihnen sind doch sicherlich die einschlägigen Paragrafen im 2+4 Vertrag bekannt oder nicht? Aber ihre Äußerungen reichen ihnen zur Ehre, nur ich denke, es kommt wieder etwas heraus dass den Bürger und Wähler in seiner freien Entscheidung einengt.
    Danke

  • 17.06.2011, 21:39 Uhrmargrit117888

    Also auch Herr Lammert muß begreifen, dass für die große Staatsratsvorsitzende das Bundesverf.-Gericht nicht zählt.
    Aus der DDR kennt sie sowas auch nicht

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