Wahlsieg in NRW würde Merkel weiter stützen
Stoiber will Entscheidung bei K-Frage

Noch konzentriert die CDU alle ihre Kräfte auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Die Diskussion über den Kanzlerkandidaten der Union war damit verstummt. Doch das könnte sich bald ändern. Ausgerechnet Edmund Stoiber hat es sich zur Aufgabe gemacht, der K-Frage neuen Schwung zu verleihen - und stützt sogar eine Kandidatur von Angela Merkel.

MÜNCHEN/BERLIN. Eigentlich soll die K-Frage derzeit in der Union nicht auf der Tagesordnung stehen. Gut zwei Wochen vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen wiederholt CDU-Generalsekretär Volker Kauder deshalb stereotyp die Formulierung: „Ende des Jahres wird die Frage über den Kandidaten entschieden.“

Ausgerechnet Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber hat jetzt die Debatte neu angestoßen. Überraschend signalisierte er in einer Münchner Journalistenrunde die Bereitschaft, das Zugpferd für die Bundestagswahl 2006 früher als geplant zu schirren. Fast beiläufig sagte er: „CDU und CSU werden das entscheiden, wenn sie den richtigen Zeitpunkt für gekommen sehen“ - also zu gut deutsch: möglicherweise auch deutlich früher.

Grund für den neuen Kurs: Obwohl die Unions-Oberen nicht so gern darüber reden, wissen sie doch, dass im Falle eines Wahlsiegs der CDU in NRW am 22. Mai die K-Frage sehr schnell Eigendynamik bekommen kann. „Viele Parteimitglieder wollen nicht eine Wiederholung der Dauerdiskussion wie bei der letzten Bundestagswahl“, sagt ein hochrangiges Fraktionsmitglied.

Nicht nur bei den Christdemokraten, auch bei der kleineren Schwesterpartei richtet man sich daher darauf ein, dass CDU-Chefin Angela Merkel früher auf den Schild gehoben wird als bisher erwartet. „Auf diesen fahrenden Zug wollte Stoiber noch aufspringen“, heißt es auch in der Fraktion.

Denn, dass es Angela Merkel wird, davon geht mittlerweile das Führungspersonal der Union geschlossen aus. Anfang Januar wackelte sie noch. Dann kam der überraschende Wahlsieg für die CDU in Schleswig-Holstein - ein Wahlsieg für den sich Merkel mit dem Rücken an der Wand besonders engagiert hatte. Seitdem ist ihr Anspruch in der CDU unumstritten und wird es auch bleiben, immer ein gutes Abschneiden der CDU in NRW vorausgesetzt.

Für die CSU sind die Gründe entfallen, die bisher gegen eine zu frühe Nominierung sprachen: Auch dem letzten Stoiber-Fan ist inzwischen klar, dass der Bayernregent nach seinem gescheiterten Anlauf 2002 nicht nochmals von der CDU als Kandidat akzeptiert würde - Stoiber selbst hat die Hoffnung nach Angaben von Vertrauten schon längst aufgegeben.

Für die CSU wird dann umso wichtiger, welche Pläne Stoiber hat. Vor allem in der CSU-Landesgruppe des Bundestags hoffen viele, dass er als eine Art informeller Kanzlerkandidat für Bayern die Spitzenposition auf der weißblauen Liste zur Bundestagswahl übernimmt. „Damit könnten wir die zwei, drei Prozent wieder ausgleichen, die uns durch eine Kandidatin Merkel in Bayern verloren gehen“, heißt es in der CSU mit Hinweis auf die Vorbehalte, die es in den eigenen Reihen gegen die Frau aus dem Osten immer noch gibt.

Stoiber selbst hält sich zu derlei Spekulationen bedeckt. Alles werde zu seiner Zeit entschieden, erklärt er in dem Pressegespräch. „Sie wissen, mit welcher Leidenschaft und Intensität ich Ministerpräsident bin.“

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