Wahlsonntag
Twitter: „So, Ihr Lieben: Jetzt geht mal alle wählen“

Politiker aller Parteien haben am „Super-Wahlsonntag“ den Kurznachrichtendienst Twitter genutzt, um bis zuletzt Wahlkampf zu machen und die Wähler zum Gang an die Wahlurnen zu motivieren. Unter den Appellen fand sich auch manch euphorisch-realitätsferner Tweet.

DÜSSELDORF. „Wahlbeteiligung in Sachsen bis 14 Uhr: 27,6 Prozent“, twittert die Sachsen-CDU. Im Jahr 2004 habe die Beteiligung zur gleichen Zeit bei 33,4 Prozent gelegen. „Da geht noch mehr, Leute!“, finden die sächsischen Christdemokraten und fordern: „Wählen gehen jetzt“. Bündnis 90/Die Grünen melden sich ebenfalls aus Sachsen über Twitter zu Wort: „Noch gute zwei Stunden habt ihr die Chance, über die Geschicke unseres Landes mitzubestimmen und die Nazis rauszukicken! Nutzt sie!“, twittert die Partei über den Kurznachrichtenkanal.

Ob die Landtagswahl im Saarland, in Sachsen, in Thüringen oder die Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen – in der ganzen Republik twittern am heutigen „Super-Wahlsonntag“ die Politiker. Mit ihren Kurzmitteilungen machen sie Wahlkampf bis zur letzten Minute und versuchen vor allem, die Wähler überhaupt zu motivieren, ihr Kreuzchen zu machen. Dafür nutzen sie den Internetdienst Twitter, über den Kurznachrichten, genannt Tweets, von maximal 140 Zeichen verschickt werden können. Dass Politiker gerne twittern, zeigte sich schon zur Bundespräsidentenwahl im Mai dieses Jahres, als das Ergebnis der Abstimmung noch vor seiner offiziellen Verkündung bereits auf Twitter erschien.

„So, Ihr Lieben: Jetzt geht mal alle wählen. Ich hab’s schon gemacht!“, twittert am heutigen Sonntag der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion im Saarland, Ulrich Commerçon. Nur wenig später schreibt er: „Jetzt den Wechsel wählen. Für ein faires, modernes Saarland mit Heiko Maas“. Der Kreistagsabgeordnete Karsten Schenk von der hessischen CDU orakelt indes: „Man kann nur hoffen, dass die höhere Wahlbeteiligung im Saarland und in Thüringen ein klares NEIN zu Rot-Rot bringt.“ Die SPD-Bundestagsabgeordnete Elke Ferner twittert: „An alle im Saarland, in Thüringen, Sachsen und NRW: jetzt aber hurtig ins Wahllokal und SPD wählen - keine Chance für schwarz-gelb!

In Sachsen bewegt vor allem das Abschneiden der NPD die twitternden Politiker. 2004 zog die rechtsextreme Partei mit 9,2 Prozent in den sächsischen Landtag ein. „Zeichen gegen Extremisten und Feinde der Demokratie setzen!“, schickt Henrik Bröckelmann von der NRW-CDU über den Kurznachrichtenkanal. Dann notiert er: „Interessant: Im Saarland und Thüringen, da wo es um was geht, scheint die Wahlbeteiligung höher, in Sachsen, wo wohl alles klar ist, niedriger zu sein.“ Zuletzt wird Bröckelmann kämpferisch: „Heute gilts: Dieter Althaus, Stanislaw Tillich und Peter Müller stärken! Jetzt CDU wählen!“. Auch Manuel Höferlin, Kandidat für die Bundestagswahl der rheinland-pfälzischen FDP, beschwört die Twittergemeinde: „Wählen gehen in Sachsen, Saarland und Thüringen! Den Extremen keine Chance geben!“ Der Grünen-Politiker Michael Schmelich aus Sachsen meldet: „So gerade wählen gewesen, jetzt kann nichts mehr passieren. LOS an die Urnen, damit die Totengräber der Demokratie keine Chance haben“. Die Piratenpartei Sachsen verweist über den Kurznachrichtendienst schon mal auf die Sondersendungen im MDR ab 17:45 Uhr zur den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen.

Doch unter all den Wahlappellen fanden sich auch herrlich groteske Tweets. Etwas pathetisch wird Torsten Rissmann von der FDP Rheinland-Pfalz: „Wählen gehen! In Sachsen und Thüringen war das noch vor 20 Jahren nicht möglich. Auf die Freiheit! FDP“, twittert er. Thorsten Schäfer-Gümbel, Vorsitzender der Hessen-SPD, twittert euphorisch-realitätsfern: „Wollen Umfragesieger-Besieger werden. Wenn uns in Sachsen, Thüringen, Saarland und NRW alle wählen, dann ist alles drin.“ Und Daniel Mack von den hessischen Grünen witzelt: „Mit Althaus sieht Thüringen alt aus!“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%