Wahlverhalten älterer Menschen: Konservative Senioren nicht in Sicht

Wahlverhalten älterer Menschen
Konservative Senioren nicht in Sicht

Erforscht und veröffentlicht sind die Fakten und Zahlen der alternden Bevölkerung längst: 24,8 Prozent der Deutschen sind heute älter als 60 Jahre, im Jahr 2020 werden es 29,5 Prozent sein, 2030 schon 35,4 Prozent. Das Durchschnittsalter steigt bis 2030 auf 51 Jahre. Doch wie sieht es mit dem Wahlverhalten älterer Menschen aus? Immerhin werden sie demnächst dank der zahlenmäßigen Überlegenheit großes politisches Gewicht und Einfluss auf das Wahlergebnis haben.

DÜSSELDORF. Lässt sich die populäre Vermutung wissenschaftlich beweisen, dass Wähler mit zunehmendem Alter immer stärker konservativ wählen? „Nein, das ist ein Mythos“, sagt Achim Goerres. Der Politikwissenschaftler, der nach der Promotion an der London School of Economics jetzt am Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung arbeitet, hat in Deutschland und Großbritannien das Wahlverhalten von Menschen, die über 60 sind, mit dem jüngerer Wähler verglichen. Goerres nahm für seine Analyse Umfragedaten aus Westdeutschland und Großbritannien, die sich über die Zeit von 1961 bis 2002 erstrecken, darunter Ergebnisse des Politbarometers.

Das Ergebnis ist eindeutig: „Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass Menschen, je älter sie werden, stärker CDU oder FDP wählen oder anders herum gesehen vermindert SPD oder Grüne“, erklärt der Wissenschaftler. Aus der Studie geht hervor, dass jemand, der heute 70 ist und damit zur Adenauer-Generation gehört, mit 14 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit CDU oder CSU wählt als jemand, der 30 Jahre alt ist. Demnächst kommt jedoch die „Brandt-Generation“ ins Seniorenalter, und somit werden SPD und Grüne bei den älteren Wählern zugewinnen.

Ein zweites erstaunliches Ergebnis hat die Studie: Die Unterschiede zwischen den Generationen werden immer kleiner. „In den 60er-Jahren konnte man, wenn man etwas über den sozialen Hintergrund eines Wählers wusste, ziemlich gut vorhersagen, wen die Person wählen würde. Das kann man heute nicht mehr“, sagt Goerres. Der soziale Hintergrund, die Klassenzugehörigkeit und der Bildungsstand sagen immer weniger darüber aus, welche Partei man wählt. Andere Kriterien werden wichtiger: Wie kommt der Spitzenkandidat an, wie war die Politik der vergangenen Jahre? In Großbritannien sei das Phänomen deutlicher, dort könne man über den sozialen Hintergrund gar nichts mehr erklären, so Goerres. Als Gründe nennt er Veränderungen der Gesellschaft wie die Zunahme an formeller Bildung und die Auflösung sozialer Milieus.

Parteienforschern und Wahlkampfstrategen dürfte die Studie Anlass zum Nachdenken geben: „Wenn der Trend weitergeht, werden die Unterschiede zwischen den Generationen künftig ganz verschwinden“, sagt Goerres, „dann spielt auch keine Rolle mehr, dass es viele ältere Wähler geben wird.“

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