Walther Leisler Kieps Memoiren: Der „Winkelried“ der CDU

Walther Leisler Kieps Memoiren
Der „Winkelried“ der CDU

Die Gäste bei der Buchpräsentation von Walther Leisler Kieps Autobiografie „Brücken meines Lebens“ lächeln verschämt unwissend. Gerade hat Altbundespräsident Richard von Weizsäcker seinen politischen Weggefährten mit Arnold Winkelried verglichen.

BERLIN. So richtig kann keiner etwas damit anfangen. Was von Weizsäcker eben nicht gesagt hat: Der Schweizer Winkelried ist eine mythische Figur. Er soll 1386 bei der Schlacht von Sempach ein Bündel Lanzen der Habsburgischen Ritter gepackt und sich selbst aufspießend den Eidgenossen eine Bresche geöffnet haben. Doch so schlimm kam es für Kiep nicht. Mehr als 600 Jahre später fallen die Schicksale deutscher Politiker wesentlich milder aus.

Der 80-jährige CDU-Politiker sieht immer noch blendend aus. Wie aus dem Ei gepellt präsentiert sich der einstige Gentleman der Union im Nadelstreifenanzug, mit Einstecktuch und gekämmtem Scheitel. Weltläufiger und eleganter als die Partei Helmut Kohls je war. Bestimmt auch ein Grund, warum der liberal denkende Manager nie hessischer Ministerpräsident oder Kanzlerkandidat wurde.

Als früherer „Schattenaußenminister“ des Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß widmet sich Kiep an diesem Vormittag zunächst der Ostpolitik Willy Brandts. Für die warb er Anfang der 70er Jahre trotz heftiger Widerstände leidenschaftlich in der CDU. Daran schließt sich ein Plädoyer für die Freundschaft mit den USA. Fast 20 Jahre leitete Kiep die „Atlantik-Brücke“, einen elitären deutsch-amerikanischen Club für Spitzenleute aus Politik, Wirtschaft und Medien. Kiep hatte Zugang zu vielen US-Präsidenten.

Über die Parteispendenaffären der Union, in die er als Schatzmeister verwickelt war, gibt er sich dagegen schmallippig. Kein Wunder. Kiep sprach selbst einmal von der „größten Dummheit seines Lebens“, als er in der Schweiz eine Million in Cash als Spende für die CDU von Karlheinz Schreiber entgegen nahm. Doch von Weizsäcker springt ihm zur Seite: „Der Schatzmeister ist einflussreich, aber trägt Verantwortung in einem völlig verminten Gelände.“ Für die Verminung sei Kiep aber nicht verantwortlich gewesen, eher komme ihm die Rolle eben eines Winkelrieds zu. Kiep schweigt dazu.

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