„Warnstreiks sind ein negatives Signal“: Kannegiesser warnt vor Schäden durch Warnstreiks

„Warnstreiks sind ein negatives Signal“
Kannegiesser warnt vor Schäden durch Warnstreiks

Die Metallarbeitgeber haben die IG Metall davor gewarnt, mit ihren massiven Warnstreiks das Klima der Tarifverhandlungen zu beschädigen. „Warnstreiks haben aus meiner Sicht den Charakter einer Demonstration“, sagte Gesamtmetallchef Martin Kannegiesser dem Handelsblatt. „Aber sie sind zugleich ein sehr negatives Signal an Kunden und Investoren, deren Ausmaß an wirtschaftlichen Schäden wir noch nicht abschätzen können.“

BERLIN. Die Arbeitgeber wollten mit der Gewerkschaft einen zukunftsweisenden Tarifvertrag vereinbaren, um den Standort nach vorne zu bringen. „Sollte die IG Metall in Richtung einer Urabstimmung und eines länger dauernden Streiks gehen, dann verabschiedet sie sich aus den Bemühungen von Wirtschaft und Politik, Deutschland international wettbewerbsfähig halten zu wollen“, warnte Kannegiesser.

Die IG Metall will bei einem Vorstandstreffen am kommenden Dienstag über einen möglichen Arbeitskampf beraten. Einzelne gewichtige Stimmen in der Gewerkschaft befürworten einen regulären Streik. Angesichts der Forderung der Arbeitgeber, die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich zu verlängern, müsse sich die IG Metall gegen Erpressungsversuche wehren, heißt es zur Begründung.

Am Dienstag beteiligten sich erneut rund 43 000 Metaller an Warnstreiks in mehreren Bundesländern. Schwerpunkt war Nordrhein-Westfalen, dort traf es vor allem den Autobauer Ford. Auch bei Porsche und Daimler-Chrysler in Stuttgart kam es zu Aktionen. In ihrem Ausmaß ähneln die aktuellen Warnstreiks zunehmend den so genannten Flexistreiks während des letzten regulären Arbeitskampfs in der Metallindustrie im Frühjahr 2002. Damals hatte die IG Metall erstmals eine neue Taktik der Nadelstiche verfolgt. Die Unternehmen wurden kurzzeitig bestreikt, meist nur für einen Tag oder sogar nur für eine Schicht.

Kannegiesser äußerte sich überzeugt, dass die Arbeitgeber trotz der aktuellen Warnstreikwelle an ihrer Forderung nach betrieblichen Öffnungsklauseln bei der Arbeitszeit festhalten würden. Zurzeit sei nicht erkennbar, dass einzelne Unternehmen aus der Arbeitgeberfront ausscheren wollten. Möglich wäre dies durch den Abschluss eines Haustarifvertrags oder durch den Austritt aus dem Arbeitgeberverband mit Tarifbindung. Kannegiesser sagte, er beobachte in der Metall- und Elektroindustrie eine Geschlossenheit, wie es sie schon lange nicht mehr gegeben habe. Dies gelte unabhängig von der Größe der Betriebe, der Branche und der Region. „Für jeden von uns, auch für mein Unternehmen, wird die Situation immer enger“, warnte der Arbeitgeberchef. Angesichts eines enormen internationalen Wettbewerbsdrucks könne nicht mehr so wie bisher jedes Jahr einfach nur über eine Lohnerhöhung verhandelt werden. „Die Betriebsparteien brauchen ein Instrument, um bei der Arbeitszeit nicht nur nach unten, sondern auch nach oben abweichen zu können“. Gesamtmetall fordert dazu einen Arbeitszeitkorridor von 35 bis 40 Wochenstunden. Ob und in welchem Umfang die zusätzliche Arbeitszeit bezahlt wird, soll sich nach der wirtschaftlichen Lage der Unternehmen richten. Die IG Metall lehnt den Vorschlag vehement ab. Sie will nur über längere Arbeitszeitkonten verhandeln, was wiederum die Arbeitgeber als ungenügend zurückweisen.

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