Warnungen vor Rassismus
„No-Go-Areas“ im WM-Land

Noch 38 Tage bis zur Fußball-Weltmeisterschaft, dann will sich die Bundesrepublik von seiner besten Seite präsentieren, als weltoffenes und tolerantes Land. Doch die jüngsten Berichte über Überfälle auf Ausländer kratzen am Image des Gastgebers. Aktuelle internationale Reiseführer und Internet-Artikel warnen vor Rassismus und „No-Go-Areas".

co DÜSSELDORF. Das Echo war daher groß, als der Afrika-Rat kürzlich zur Fußball-Weltmeisterschaft einen Gefahrenkatalog für Berlin ankündigte. Dunkelhäutige Besucher sollten demnach ganze Stadtteile meiden, um sich vor Übergriffen zu schützen. „Die Welt zu Gast bei Freunden“ lautet das Motto der Weltmeisterschaft - und dann solche Warnungen auf massive Fremdenfeindlichkeit? Doch tatsächlich finden sich in aktuellen Reiseführern Hinweise darauf, dass es nicht überall in „Germany“ freundlich zugehen soll.

So schreibt der englische Reiseführer „Time out Berlin“, die Stadt sei sicher, setzt aber hinzu: „Vermeiden Sie die östlichen Vororte, wenn Sie homosexuell oder nicht-deutsch aussehen.“ Der „Lonely Planet“, der besonders bei Rucksackreisenden beliebt ist, zählt Berlin zu den sichersten und tolerantesten Städten Europas; rassistische Angriffe seien trotz einiger schlechter Presse recht selten. Aber in Lichtenberg oder Marzahn, die von hoher Arbeitslosigkeit und einer „Post-Wiedervereinigungs-Depression“ betroffen seien, könne es Vorurteile gegenüber Fremden und Homosexuellen geben.



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Auch im „The Rough Guide To Berlin“ wird zur Vorsicht in den beiden Ost-Vierteln geraten: „Als relative Hochburgen von Neo- Nazis und Skinheads gibt es ein echtes Risiko rassistischer Angriffe.“ Der Reiseführer „Let's Go Germany“ stellt etwas umständlich fest: „Auch wenn die Menschen in der ehemaligen DDR mittlerweile an die Gegenwart von Reisenden ziemlich gewöhnt sind, behalten rechte Gruppierungen ihre potenziell beunruhigende Präsenz in den benachteiligten Regionen Deutschlands.“

Vertreter von Verbände wie die Deutsche Zentrale für Tourismus (Frankfurt/Main) reagieren stirnrunzelnd auf diese Passagen. „Wir warnen nicht vor Fremdenfeindlichkeit“, unterstreicht Sprecherin Beate Kilian. Von Übergriffen oder Beleidigungen gegenüber ausländischen Reisegruppen habe sie noch nie gehört. Auch im Goethe-Institut in Berlin ist Ähnliches zu vernehmen, die Erfahrungen von fremd aussehenden Studenten reichten über „dumme Bemerkungen in der U-Bahn“ nicht hinaus. Der Tourismuschef von Berlin, Hanns Peter Nerger, hält den angekündigten Warnkatalog für „abwegig“. „Es gibt Gebiete, wo ich auch nicht hingehen würde - aber das ist in jeder Stadt so.“

Schwarzafrikaner, die in Berlin leben, sehen das anders. Einige von ihnen fühlen sich zunehmend handfest bedroht. Der Afrika-Rat in Berlin schritt daher selbst zur Tat: Der Dachverband afrikanischer Vereine und Initiativen in Berlin und Brandenburg erstellt jetzt einen Atlas von so genannten „No Go Areas" (absolut unsicheren Orten). Ein Plan, der in der Politik und auch bei der Polizei auf Kritik stößt.

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