Warum der Freistaat Sachsen bei der Ansiedlung von Konzernen immer wieder erfolgreich ist
Programmiertes Wunder Ost

Das Wunder von Sachsen kommt aus Dresden. In der Heimat August des Starken wird jetzt mit dem Bau der neuen AMD-Chipfabrik begonnen. Ein intaktes Netzwerk aus Elektronik-Unternehmen gibt es schon – und zwar seit DDR-Zeiten. Unternehmer loben Pioniergeist und kurze Genehmigungszeiten in Dresden.

DRESDEN. Egal, wann genau der Spaten heute in den sandigen Boden der großen Wiese in der Nähe des Dresdener Flughafens stechen wird: Die Bagger warten. Denn die Baugenehmigung ist schon unterschrieben. Und dann wird es nur noch ein paar Monate dauern, bis im Dresdener Norden die zweite große Chipfabrik des amerikanischen AMD-Konzerns startet. Und dann wird es sich auch im letzten Winkel dieses Landes herumgesprochen haben, dass die Stadt August des Starken, Dresden, der wichtigste Standort der Mikroelektronik in Europa geworden ist, wo mehr als 15 000 Menschen zwei Milliarden Euro Umsatz erarbeiten.

Oluf Alminde sieht aus, wie man sich einen Dänen vorstellt, groß, blauäugig, blond und so weiter. Er hat schon einige Stationen in der Chipindustrie hinter sich, jetzt ist er Marketing-Direktor der ZMD. Das ist eine Firma und eine Institution. Er erklärt den Standortvorteil Dresdens mit Daumen und Mittelfinger, schnippt. „Hier geht alles zack, zack.“ Und er meint nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch die Bauarbeiter. Dann schaut er aus dem Fenster auf den Neubau des Designzentrums seines Unternehmens. Noch vor Weihnachten ist Umzug, dann wird die ZMD ihr altes Gebäude, das aussieht und innendrin riecht, als regiere Erich Honecker noch, verlassen. Und dann soll auch die ZMD, die alte Dame der Dresdener Mikroelektronik, in eine neue Dimension wachsen.

„Regionale Cluster sind geographische Konzentrationen miteinander verbundener Firmen und Institutionen eines bestimmten Wirtschaftszweiges“, heißt es in der Netzwerktheorie. Dort heißt es auch, dass genau diese Cluster (Haufen, Schwarm) für die Hochtechnologie entscheidend sind. Denn Mikroelektronik, das ist die Steigerungsform des Kapitalismus: hohe Investitionen unter höchstem Zeitdruck, morgen schon kann die Konkurrenz noch besser sein. Schließlich gibt es Moores Gesetz, das ungefähr besagt, dass Chips Jahr für Jahr exponenziell schneller werden.

Der Zeit- und Investitionsdruck ist also enorm, umso enger müssen die Unternehmen kooperieren. Beispiel Reinraum: Die teuren Chipmaschinen laufen ununterbrochen, Zulieferer und Dienstleister müssen jederzeit verfügbar sein. Und jetzt folgt die List in dieser Geschichte: DDR-Tradition. Dresden war immer schon ein regionaler Cluster, hier war die elektronische Forschung und Entwicklung konzentriert, hier haben zwei Generationen von Forschern gegen den Mangel und oft auch gegen die SED getüftelt und probiert.

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