Was Deutschlands Patienten nun in Apotheken und Praxen erleben
Inkasso im Wartezimmer

Gisela Hirsch-Bürgstein ist Hals-Nasen-Ohren-Ärztin. Draußen herrscht typisches Erkältungswetter: wie geschaffen fürs Geschäft. „Wenn ich sonst nach Weihnachten die Praxis wieder aufmachte, es nass und kalt war, dann standen die Patienten Schlange.

Halsschmerzen, Mittelohrentzündung, Bronchitis – das ganze Programm“, erzählt sie, deutet in Richtung Wartezimmer und fügt an: „Heute Morgen ist noch kaum jemand gekommen.“ Den Grund dafür nennt sie gleich mit: „Die Leute sparen sich die Praxisgebühr und versuchen sich selbst zu behandeln.“

Herzlich willkommen im neuen Gesundheitswesen. Praxisgebühren, Überweisungen, Medikamentenzuzahlungen – für Patienten, Ärzte und Apotheker in diesem Land ist seit dem 1. Januar vieles neu und anders. Das deutsche Gesundheitssystem soll bezahlbar bleiben und gleichzeitig nichts von seiner Qualität einbüßen. Ob das gelingen kann? Ein Blick in Praxen und Apotheken am ersten echten Arbeitstag nach der Weihnachtspause.

Ärztin Hirsch-Bürgstein lehnt am Empfangstresen ihrer Praxis am Rande der Siegburger Innenstadt. Hinter ihr hängt an einer Wand, sorgsam gerahmt, der hippokratische Eid. „Hier“, sagt sie, „habe ich in der vergangenen Woche, an einem Tag, als die Praxis geschlossen war, meine Angestellten versammelt, und mit einem Rollentausch haben wir die Änderungen durchgespielt“. Zuerst gab die Ärztin den Patienten, der an der neuen Praxisgebühr herummäkelte und der deshalb nicht zahlen wollte; dann spielte sie einen, der vorgab, kein Geld dabeizuhaben, und schließlich einen, der von all den Neuheiten noch nichts gehört hatte und erst aufgeklärt werden musste.

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