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22.11.2007 
Kabinett

Was hat Merkel, was ihre Vorgänger nicht hatten?

von Maximilian Steinbeis

Man mag die Große Koalition lieben oder hassen, eins muss man ihr lassen: Länger als Angela Merkel hat noch kein neu ins Amt gewählter Kanzler ohne Kabinettsumbildung regiert – weder Adenauer, noch Schmidt oder Kohl, und ganz bestimmt nicht Gerhard Schröder.

Franz Müntefering geht, Olaf Scholz kommt. Der Wechsel im Arbeitsministerium ist der erste Ministerwechsel unter Angela Merkel. Foto: dpaLupe

Franz Müntefering geht, Olaf Scholz kommt. Der Wechsel im Arbeitsministerium ist der erste Ministerwechsel unter Angela Merkel. Foto: dpa

BERLIN. Am 22. November 2005 wurden die 16 schwarz-roten Bundesminister vereidigt. Alle sind sie noch im Amt, bis auf Sozialminister Franz Müntefering, der gestern seine Entlassungsurkunde empfing – ein Tag nur, und die zwei Jahre wären voll gewesen. Aber auch so gilt: Rekord ist Rekord.

Die ersten zwei Jahre von Merkels Vorgänger Schröder waren da ganz anderer Natur: Schon nach vier Monaten kam ihm über Nacht der Finanzminister abhanden – und der SPD ihr Parteichef. Er hieß Oskar Lafontaine und ist heute bekanntlich anderen Orts wieder sehr aktiv. Bis zur Legislaturhalbzeit kamen noch drei weitere Ministerrücktritte hinzu, im Verkehrsressort gleich zwei hintereinander. Bis zum Ende der Legislaturperiode stieg die Zahl der Ministerrücktritte auf sieben: Auch das ein Rekord. Nach seiner Wiederwahl regierte Schröder dafür um so stabiler: Sein zweites Kabinett musste er überhaupt nicht mehr umbilden.

Noch jeder Kanzler hatte es in den ersten Jahren seiner Regierungszeit mit Kabinettsschwund zu tun: Konrad Adenauer musste sich 1950 schon nach einem guten Jahr einen neuen Innenminister suchen, als Gustav Heinemann aus Protest gegen die Wiederbewaffnung erst die Regierung, dann die CDU verließ, um später der erste SPD-Bundespräsident zu werden. Helmut Schmidt musste sich 1974 schon nach zwei Monaten von seinem Entwicklungshilfeminister trennen, dem frommen Friedensfreund Erhard Eppler, der ihm später beim Nato-Doppelbeschluss das Leben schwer machte.

Länger hielt das erste Kabinett von Willy Brandt: Nach eineinhalb Jahren warf 1971 dessen sparsamer Finanzminister Alex Möller frustriert das Handtuch. Die erste große Koalition unter Kurt-Georg Kiesinger blieb ebenfalls relativ lang stabil. Nach eineinhalb Jahren verlor sie 1968 ihren Innenminister Paul Lücke. Der CDU-Mann trat zurück, weil die Einführung des Mehrheitswahlrechts scheiterte – eine Niederlage, die mancher erst heute in ihrer ganzen Schmerzlichkeit empfindet.

Nur Helmut Kohls erstes Kabinett blieb vom ersten bis zum letzten Tag unverändert. Das heißt aber nicht viel: Es war insgesamt nur ein knappes halbes Jahr im Amt.

Was hat Angela Merkel, was ihre Vorgänger nicht hatten? Vielleicht hat sie tüchtigere Leute. Vielleicht hat sie aber auch einfach nur Glück: Die meisten Minister stürzen über schicksalhafte Vorfälle, wie etwa die Rinderseuche BSE, in deren Folge Schröder zwei Minister verlor. Ihr bisheriges Ausbleiben ist nicht Merkels Vedienst. Dazu kommt die Schwäche der Opposition: Ob etwa Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee noch im Amt wäre, wenn die Union seine Bahnreform mit aller Schärfe geißeln könnte, kann man bezweifeln.


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