Was Merkel nicht sagt

„Das alte Europa gibt es nicht mehr“

Die Kanzlerin hat vor dem CDU-Wirtschaftsrat mal wieder für strikte Finanzdisziplin in der Euro-Krise geworben. Wenn Angela Merkel Europa retten will, hätte sie etwas ganz anderes sagen sollen. Ein Redevorschlag.
17 Kommentare
Kanzlerin Merkel: Wir brauchen ein Europa, das die Menschen zu ihrem Europa machen. Quelle: dapd

Kanzlerin Merkel: Wir brauchen ein Europa, das die Menschen zu ihrem Europa machen.

(Foto: dapd)

BerlinSehr geehrte Damen und Herren, ich wende diesen rhetorischen Trick nur ungern an. Aber die Lage unseres Landes und Europas lässt es mir heute geboten erscheinen, dass ich das von meinen Mitarbeitern vorbereitete Manuskript weglege. Beide Seiten - Sie, die Vertreter der deutschen Wirtschaft, und ich als Kanzlerin - sollten sich Floskeln ersparen. Ich will die Gelegenheit nutzen, um Ihnen ein wahrhaftiges Bild der großen wirtschafts- und finanzpolitischen Herausforderungen unseres Landes und Europas zu zeichnen.

Auf die Idee dazu bin ich durch die Rede eines amerikanischen Lehrers gekommen, der bei der Abschlussfeier an der Wellesley High School eben nicht mit den üblichen Worten eine heile Welt beschrieben, sondern die junge Generation vor Selbstzufriedenheit und Unwahrhaftigkeit gewarnt hat.

Meine Damen und Herren,

in den vergangenen Wochen ist viel über ein Scheitern Europas gesprochen worden - doch nicht die europäische Idee ist gescheitert, sondern der Glaube, Nationen und Generationen können auf Kosten der anderen leben. Viel zu lange haben wir geglaubt, dass sich Aufschwung und Wachstum auf Dauer über Kredite finanzieren lassen, dass sich notwendige strukturelle Reformen verschieben lassen, dass Sparen immer nur im Aufschwung möglich wäre.

Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur und Büroleiter in Berlin.

Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur und Büroleiter in Berlin.

Die europäische Krise hat diesen Glauben zerstört. Doch mit dieser Krise haben wir jetzt die einmalige Chance, Fehler der Vergangenheit - eine Währungsunion ohne Transparenz, eine wirtschaftliche Zusammenarbeit ohne Aufgabe von Souveränität, eine Fiskalunion ohne wirksame Aufsicht, eine Erweiterung der EU ohne Vertiefung und immer mehr europäische Institutionen ohne wirklich demokratische Legitimation - zu korrigieren. Eines ist sicher: Die bisherige Art unserer Europapolitik, entweder von oben verordnet oder mit viel Pathos, aber wenig Substanz, ist an ihr Ende gekommen.

Wir brauchen weniger das Karls-Preis-Europa als ein Europa, das die Menschen zu ihrem Europa, ihrem Anliegen, ihrem Interesse machen. Und zwar als deutsche Europäer und nicht als europäische Europäer - weil wir immer ein Europa der Vaterländer sein werden.

Die unbequeme Wahrheit
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17 Kommentare zu "Was Merkel nicht sagt: „Das alte Europa gibt es nicht mehr“"

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  • Liest sich sehr geschmeidig. Aber auf die Gretchenfrage bleibt der Autor die Antwort schuldig:

    WIE KANN ES GELINGEN, DASS SICH DIE EURO-LÄNDER WIRKLICH AN VEREINBARUNGEN HALTEN?

    Bislang hat noch KEIN Euro-Staat alle vertraglich festgelegten Bedingungen der Währungsunion eingehalten (zur Erinnerung: Deutschland riß die 3%-Grenze). Und jetzt soll es ausgerechnet Griechenland sein, dem das als Erstem gelingt???

    Mag sein, daß wir schöne neue Verträge in der EURO-Zone bekommen. Doch jeder sollte sich fragen: Bin ICH bereit, mein gesamtes privates Vermögen darauf zu verwetten, daß diese Absprachen eingehalten werden? Falls die Antwort darauf "NEIN" ist, sollte der Betreffende auch nicht dafür plädieren, daß der Staat das deutsche Volksvermögen in diese Wette einbringt.

  • @Rheinschwimmer
    Richtig, danke für die Klarstellung.
    Ich meine natürlich einen Bundesstaat braucht niemand.
    Die jetztige EU-Bürokratie in Brüssel braucht aber auch keiner. Deren Aufgaben könnte man auf verschiedene internationale Organisationen aufspalten. Geht ja auch mit NATO, WTO, IWF, IAEA etc.

  • Peter Schoz,
    das müssen Sie richtig verstehen.
    Merkel glaubt wirklich, sie habe Europa erfunden

  • Daß eine zentralisierte Gleichschaltung, auf Kosten der
    Steuerzahler, mit der Abgabe der Verantwortung der einzel-
    nen Staaten für ihre Haushalte und ihren Arbeitsmarkt
    nicht funktioniert, ist schon öfters bewiesen worden
    und bisher immer gründlich schief gelaufen.
    In einem kleinen Rahmen des ''Großdeutschen Reiches'' von
    1933 bis 1945 und etwas größer mit der Überdehnung mit
    dem Währungssystem des Rubels in der UdSSR, dramatisch
    beschrieben in George Orwells ''Animal Farm'' jetzt als
    Abklatsch des Zentralkomitees in Brüssel zu verstehen,
    welches die gleichen Fehrler macht aber es bedauerlicher-
    weise nicht einsehen will!!

  • Einen "Staatenbund" braucht niemand. (Zitat)
    Wir sollten uns zumindest einmal über eine angemessene Terminologie einig werden. Einen "Staatenbund" haben wir in der EU schon lange. Schäuble spricht sogar von einem "Staatenverbund". Etwas anderes ist ein zentralistischer "Bundesstaat" mit einer Brüssler übergeordneten "Regierung" wie er manchem vorschwebt.
    Zumindest auf der Ebene der Begrifflichkeiten sollte Klarheit herrschen.

  • Ich möchte wieder ein Europa, wie wir es viele Jahre hatten.
    Ein Europa der Vielfalt, ein Europa wo wir in Frieden und Freundschat mit unsren Nachbarn leben
    Es war doch immer irgendwie lustig, wenn wir unser Geld auf der Bank tauschten in die jeweiligen Währungen und dann in Frankreich oder sonstwo, wenn wir was kauften, in Gedanken in DM umrechneten, um den Überblick zu behalten
    Was haben wir die Gastfreundschaft der Griechen genossen
    das leichte Leben, die Sonne, das Essen der Italiener
    ebenso der Spanier usw.
    In Schweden und Dänemark die vielen Fischgerichte, die Liebenswürdigkeit und große Kinderfrendlichkeit der Schweden udn Dänen usw. usw.
    In Paris nach dem Besuch auf dem Eifelturm in einem Straßenkaffee sitzen und die Lebensart und das gute Essen der Franzosen genießen, ein frisches Baguette kaufen
    Meinen Sohn in die Sprachenschule nach England schicken können, wo er nette Menschen traf
    Wir brauchen keinen Euro, der das alles, wie wir jetzt erleben können, zerstört. Wo neue Aversionen gegen uns aufkommen
    Ich möchte das alte und wunderbare Europa zurück und ich möchte wieder in Frieden und Freundschaft mit den Nachbar leben können

  • Soll doch endlich jemand der Angie sagen, daß auch die Mauer weg ist und sie sich nur von der FDJ in die CDU verlaufen hat.
    Mit 20 Jahren Verspätung einem die Gegenwart zu erklären, ist schon eine Frechheit!

  • Ja, dise Einlassungen des Autors trage ich auch mit, aber vieles was er noch sagte, ist wirklich unterste Schublade

  • Erbäermlich
    Dem schleiße ich mich voll und ganz an
    Was ist das denn für ein Mitarbeiter vom HB? Ein ganz Merkel-Höriger?
    Sein Beitrag, sein Redvorschlag sind ja schon abartig und stellen letztendlich die Volksvernichtung dar
    "2. Der Grundsatz aller weiteren Hilfen der Deutschen lautet: Geld gegen Souveränitätsverzicht"
    Unerhört dieser Satz

  • Der Redevorschlag deckt sich mit meiner Meinung. Aber Brüssel wird da nicht mitspielen. Brüssel wird wie jetzt in Spanien kritik- und auflagenlos weiter großzügig Geld verteilen und der deutsche Steuerzahler muss dafür geradestehen. Aber eine solche EU-Führung ist nun mal nicht mehr lange überlebensfähig. Denn bald wird auch Deutschland abgewertet.

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