Was nützt die Liebe in der Politik? – Deutschland
Spießig, aber oho

Können Sie sich Horst Seehofer vorstellen, wie er auf einer Vespa durch München zu seiner Geliebten knattert? Nein? Kein Wunder. Denn die deutschen Politiker sind weniger fantasievoll als die Franzosen, aber nicht braver.
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DüsseldorfFrankreichs Präsident Francois Hollande ist bei weitem nicht der erste oder einzige Staatsmann, der sich eine Liebelei leistet. Es ist auch nicht die erste Affäre, die in der Öffentlichkeit breitgetreten wird. Und doch gehen die Nationen ganz unterschiedlich mit dem Verhalten ihrer Premiers und Präsidenten und deren Seitensprüngen und Freundinnen um. In einer täglichen, kleinen Serie erzählen unsere Korrespondenten aus China, Italien, Japan, Amerika, Südafrika, Japan und Deutschland von den Liebes-Gepflogenheiten der Politiker in ihrem Land.

Die Geschichte ist so alt wie die Begierde: Älterer Mann liebt jüngere Schauspielerin, Model, Sängerin. Naja, ob er sie liebt – wer weiß das schon. Klar ist jedenfalls: Er begehrt sie. Sie wiederum…Tja, was hat sie davon? Vielleicht ist es die Macht, die sie anzieht, die Möglichkeit, in der Öffentlichkeit zu stehen. Wie auch immer – die Neuauflage der alten Geschichte kommt die aus Paris, der Stadt der Liebe. In Deutschland ist so etwas natürlich undenkbar.

Von wegen. Man muss seinen Blick nur mal nach Bayern richten, in das Land mit den adretten Kleidern und den kurzen Lederhosen. Dort steht der Verfechter der „Herdprämie“, der Innbegriff des Konservativen, der Spießer schlechthin, der heutige Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande in Nichts nach. Ja, seine Ämter sind nicht ganz mit denen des französischen Staatschefs vergleichbar. Und Seehofer, auf einer Vespa, durch München knatternd, auf dem Weg zu seiner Geliebten? Nein, da endet die Vorstellungskraft.

Auch wenn das deutsche Rundum viel weniger glamourös und fantasievoll ist als das französische Pendant: So verschieden sind die beiden Geschichten gar nicht, sie enden nur unterschiedlich. Während Hollande verkündete, er werde zum Besuch in der kommenden Woche bei US-Präsidenten Barack Obama seine privaten Verhältnisse geklärt haben und sich für eine Trennung von seiner Frau entschied, machte es Seehofer andersherum. Die CSU machte Druck und forderte ihn auf, sich zu bekennen. Tat er – zu seiner Frau. Und teilte den Entschluss erst den Medien, dann seiner Geliebten Anette Fröhlich mit. Immerhin bekam Fröhlich den Job als Leiterin der Pressestelle der Bundesnetzagentur – und ein gemeinsames Kind mit Horst Seehofer.

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