WASG-Spitzenkandidat Lafontaine
Von großen Lügen und leeren Worten

Wie Lafontaine die Linkspartei in den Bundestag führen und die "Wachstumskräfte in unserem Volk" wecken will.

Spricht er es aus, das böse Wort? Aber sicher spricht der Kandidat es aus: "Frrremdarbeiter", hallt es durch die Halle der Kasseler Universitätsmensa, wo an diesem Sonntag die WASG Parteitag hält. Oskar Lafontaine hat da überhaupt kein Problem mit dem Wort, das ihm in den letzten Wochen so oft als Beleg rechtspopulistischer Stimmenfischerei um die Ohren gehauen wurde. Dass das Nazi-Vokabular sei, müsse man erst einmal beweisen. Er jedenfalls verwende es nur, weil er "Hemmungen" habe, "Menschen, die hier für Hungerlöhne arbeiten, als Gastarbeiter zu bezeichnen".

Sie sind sehr entschlossen, sich ihren Enthusiasmus nicht trüben zu lassen, all die Gewerkschafter, die abtrünnigen Sozialdemokraten, enttäuschten Grünen und Splitter-Linken, die erst vor Monaten ihre neue Partei unter dem Namen "Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit" gegründet haben. Zum Greifen nahe scheint das Bündnis mit der PDS. Lafontaine, der einstige SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat, ist Spitzenkandidat in NRW und Direktkandidat in Saarbrücken. Bis zu elf Prozent erreicht die neue "Linkspartei" in aktuellen Umfragen - drittstärkste Partei! Kaum ein politischer Gemeinplatz wird in Kassel so häufig bemüht wie der von der "historischen Chance".

Diese historische Chance sei "nicht nur ein leeres Wort", hämmert Lafontaine: Im Bundestag, den er als "Irrenhaus" bezeichnet, sei eine riesige Verschwörung am Werk. "Das Volk ist dort nicht vertreten", was man daran sehen könne, dass die Programme aller dort vertretenen Parteien samt und sonders von den Wirtschaftsverbänden diktiert worden seien.

Die Altparteien seien "zu dumm und zu unfähig, die Wachstumskräfte in unserem Volk zu wecken". Nur die Linkspartei könne den "neoliberalen" Konsens, wonach der Sozialstaat nicht länger finanzierbar sei, als "große Lüge" enttarnen, krächzt Lafontaine zunehmend heiser ins Mikrofon. "Hätten wir die Steuer- und Abgabenquote unserer europäischen Nachbarn, keine einzige soziale Schweinerei wäre nötig gewesen." Lafontaine schließt seine Rede mit einem Zitat von Victor Hugo: "Nichts ist wirkungsmächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist!" Da jubelt der Saal.

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