_

Wechsel in die Wirtschaft: SPD-Wirtschaftsexperte wird Post-Cheflobbyist

Die Deutsche Post AG vertraut bei ihrer Lobbyarbeit weiterhin altgedienten Sozialdemokraten. Nach Monika Wulf-Mathies, der früheren EU-Kommissarin und Ex-Vorsitzenden der Gewerkschaft ÖTV, tritt jetzt der langjährige wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend, als Chef-Lobbyist in den Dienst des Logistik-Konzerns.

Wechselt aus dem Bundestag zur Post: Rainer Wend. Foto: PR
Wechselt aus dem Bundestag zur Post: Rainer Wend. Foto: PR

BERLIN. Wulf-Mathies geht Ende des Jahres mit 66 Jahren in den Ruhestand. Wend wird sein Amt als Leiter des Zentralbereichs Politik und Nachhaltigkeit am 1. April 2009 beginnen. In dieser Position ist er direkt Vorstandschef Frank Appel zugeordnet.

Anzeige

Der 54jährige SPD-Politiker Wend hatte schon vor Monaten angekündigt, dass er den Bundestag mit Ablauf der Legislaturperiode verlassen werde. Anstatt seinen gelernten Beruf als Rechtsanwalt wieder aufzunehmen, habe er bewusst eine neue Tätigkeit in der Wirtschaft gesucht, sagt der promovierte Jurist. Er freue sich auf den Job und sei froh, dass er nach einer langen Zeit als Berufspolitiker jetzt eine neue Herausforderung in einem großen, global agierenden Unternehmen annehmen könne.

Im Mittelpunkt seiner Tätigkeit wird die Verteidigung des Post-Mindestlohns ebenso stehen wie der jüngste Streit um eine Reduzierung der Postzustellung von sechs auf fünf Tage die Woche (siehe Seite 16). Auch Regulierungsfragen rund um den Wettbewerb bei Postdienstleistungen, die Verpflichtung des Ex-Monopolisten zu einer flächendeckenden Zustellung in ganz Deutschland (Universaldienst) sowie die damit zusammenhängende Verteidigung des Brief-Monopols werden Wend in seiner neuen Aufgabe beschäftigen.

In dem Bonner Unternehmen wurde die Auswahl des Sozialdemokraten mit Überraschung aufgenommen. Es sei eigentlich nicht damit zu rechnen, dass die SPD nach der Bundestagswahl stärkste Fraktion im Bundestag werde, meinte ein hochrangiger Mitarbeiter. Andererseits gilt Wend, der dem rechten Flügel der SPD zugerechnet wird, als ausgesprochen wirtschaftsfreundlich und über die Parteigrenzen hinaus als anerkannt. Manchen in der Sozialdemokratie ging sein Verständnis für die Belange der Unternehmen sogar schon zu weit. Die häufige innerparteiliche Kritik an seinen Positionen, die oft quer zur SPD-Parteilinie lagen, waren wohl mit ein Grund, warum Wend nach einer neuen beruflichen Perspektive suchte.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.