Wegen Kinderporno-Verdacht
Südwest-SPD will Tauss loswerden

Wenige Tage vor einer weiteren Vernehmung wächst der Druck auf den baden-württembergischen SPD-Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss, sein Mandat wegen des Kinderporno-Verdachts niederzulegen. In der Landespartei und der Stuttgarter Landtagsfraktion mehren sich Stimmen, die den 55-Jährigen wegen der Affäre im Superwahljahr für untragbar halten.

HB KARLSRUHE/STUTTGART. Tauss steht auf der Landesliste für die Bundestagswahl auf dem aussichtsreichen Platz 7. „Er ist eine Belastung für sich und die Partei“, hieß es am Freitag in Stuttgart aus Parteikreisen, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Tauss soll Anfang kommender Woche erneut von der Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen vernommen werden.

Nach Ansicht des rechtspolitischen Sprechers der SPD- Landtagsfraktion, Rainer Stickelberger, sollte Tauss „möglichst schnell“ sein Bundestagsmandat niederlegen. Die vom Landesvorstand gesetzte Frist bis Ostern sei zu lang, hatte er erklärt. Dagegen hatte SPD-Landeschefin Ute Vogt darauf bestanden, dass Tauss zunächst den Termin bei der Staatsanwaltschaft wahrnehmen solle. Nach Angaben seines Anwalt Jan Mönikes wird sich Tauss bei seiner Vernehmung in Karlsruhe „ausführlich und im Detail äußern“. Beim ersten Gespräch mit der Staatsanwaltschaft habe er erst am Vorabend erstmals Gelegenheit zur Akteneinsicht bekommen und deshalb geschwiegen.

Tauss hatte in der vergangenen Woche Fehler eingeräumt, seine Unschuld allerdings beteuert. In seiner Berliner Wohnung hatten die Ermittler Kinderporno-Bildmaterial gefunden. Daraufhin war er von seinen Parteiämtern zurückgetreten, hatte sein Mandat aber behalten. Nach Aussage von Tauss hat er die Bilder bei einer Recherche über einen Kinderporno-Ring erhalten und aufbewahrt. Die Staatsanwaltschaft bekräftigt jedoch, die beschlagnahmten Fundstücke hätten nichts mit seiner Arbeit als Abgeordneter zu tun.

Der Vorsitzende des Immunitätsausschusses im Bundestag, Thomas Strobl, wies unterdessen zusammen mit der Karlsruher Staatsanwaltschaft Indiskretionen im Fall Tauss zurück. In einer gemeinsamen Erklärung widersprechen beide Seiten der Darstellung, dass vorzeitig an Medienvertreter Informationen aus dem Immunitätsausschuss weitergegeben worden seien.

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