Wegen Merkels Papst-Kritik
Ex-Ministerpräsident verlässt die CDU

Aus Ärger über die Papst-Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der frühere sachsen-anhaltinische Ministerpräsident Werner Münch die CDU verlassen. Hauptgrund für seinen Austritt sei der politische Kurs Merkels.

HB FRANKFURT/MAIN. „Die Partei ist nicht mehr die, in die ich vor 37 Jahren eingetreten bin“, sagte der 68-Jährige der „Magdeburger Volksstimme“. „Das Fass zum Überlaufen gebracht hat die Art und Weise, wie die Parteivorsitzende das Oberhaupt unserer katholischen Kirche, den deutschen Papst Benedikt XVI. öffentlich diskreditiert und gedemütigt hat, obwohl es dafür keine Veranlassung gab“, sagte Münch laut Vorabmeldung der Zeitung vom Mittwoch. Merkel hatte den Papst nach der Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson öffentlich zu einer Klarstellung aufgefordert.

„Die öffentliche Zurechtweisung des Papstes war unglaublich“, sagte Münch der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“. Die Haltung Benedikts zum Holocausts und den Juden sei über jeden Zweifel erhaben.

Zudem vermisse er ein klares Bekenntnis der CDU „zum Schutz und Erhalt des menschlichen Lebens“, kritisierte der frühere Politiker: „Wer mit Alice Schwarzer, der Vorkämpferin für die Freigabe der Abtreibung, in der Öffentlichkeit auftritt und darüber hinaus durch ihre Intervention auf einem CDU-Parteitag eine Mehrheit für einen Parteitagsbeschluss zur sogenannten Liberalisierung der verbrauchenden embryonalen Stammzellenforschung erreichen wollte und erreicht hat“, verletze die christlichen Grundwerte der Union. Merkel und Schwarzer waren Ende Januar bei einer Festveranstaltung zu 90 Jahren Frauenwahlrecht im Kanzleramt zusammen aufgetreten.

Münch betonte, sein Schritt sei „keine Spontanreaktion, sondern reiflich überlegt“ gewesen. Er hat den Austritt den Angaben zufolge am Montag schriftlich seinem Kreisverbandsvorsitzenden im badischen Freiburg schriftlich mitgeteilt, wo er jetzt wohnt.

Der gebürtige Westfale war von 1991 bis 1993 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Im November 1993 trat er wegen der sogenannten Gehälteraffäre zurück. Ihm und einigen Ministern war vorgeworfen worden, mit unbegründeten Angaben über ihre früheren Bruttogehälter ein zu hohes Ministergehalt bekommen zu haben. Ein Verfahren gegen Münch endete auf Antrag der Staatsanwaltschaft 1996 mit einem Freispruch. Später arbeitete er für die Deutsche Bahn in Brüssel.

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