Wegen Schneechaos
Koalition will Nachtflug-Verbot kippen

Vor allem Probleme mit Schnee und Eis auf anderen europäischen Flughäfen haben den Flugplan in Frankfurt/Main beeinträchtigt. In dieser Situation prescht Bundesverkehrsminister Ramsauer vor und fordert eine Teil-Aufhebung des Nachtflugverbots, damit Passagiere schneller an ihre Ziele gebracht werden können. Die FDP hat er damit auf seiner Seite.
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HB BERLIN. Angesichts der zahlreichen gestrandeten Fluggäste plädiert Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) für eine Lockerung des Nachtflugverbots. In Situationen wie dem gegenwärtigen Schneechaos, wo viele Flugzeuge am Boden blieben, müsse ermöglicht werden, den Stau abzubauen, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Eine Schneekettenpflicht für Lastwagen oder eine verschärfte Winterreifenpflicht soll es hingegen nicht geben. Trotz zahlreicher liegengebliebener Lastwagen sieht das Ministerium keinen Nachbesserungsbedarf.

Um den Stau an den Flughäfen zu beseitigen, appellierte Ramsauer an die Bundesländer, „situationsbezogen Ausnahmegenehmigungen“ vom Nachflugverbot zu erteilen. „Gerade jetzt in der Weihnachtszeit müssen insbesondere gestrandete Reisende, die etwa zu ihren Familien unterwegs sind, schnellstmöglich an ihr Ziel gebracht werden“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

Die FDP unterstützt die Forderung Ramsauers. "Zur Weihnachtszeit sollte, wenn es nur irgend geht, gewährleistet sein, dass die Menschen auch nach Hause kommen", sagte der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Döring, Handelsblatt Online. "Ich würde es begrüßen, wenn die Länder dazu von ihren Möglichkeiten Gebrauch machen würden, für Personenmaschinen Ausnahmen von den geltenden Nachtflugverboten zu ermöglichen."

Eine flächendeckende Schneekettenpflicht für Lastwagen hält das Ministerium dagegen für „nicht praktikabel“. Schneeketten seien nur bei geschlossener Schneedecke sinnvoll, ansonsten seien Schäden an den Fahrbahnen zu befürchten. In den vergangenen Tagen waren immer wieder Lastwagen auf verschneiten oder vereisten Straßen nicht mehr weitergekommen. Politiker von SPD und Grünen forderten deshalb eine Schneekettenpflicht für Lkw.

Ramsauer ist zwar gegen eine verpflichtende Regelung, rät den Lastwagenfahrern aber trotzdem zu Schneeketten. Sie seien „wenn möglich“ zu benutzen - etwa bei steilen Anstiegen, die trotz Winterbereifung und genügend Profiltiefe nicht zu bewältigen seien. Auch eine verschärfte Winterreifenpflicht für Lastwagen lehnt Ramsauer ab. Ein Ministeriumssprecher verteidigte die derzeitige Regelung, wonach Winterreifen bei Lastwagen nur auf den Antriebsachsen vorgeschrieben sind. Die Reifen auf den übrigen Achsen hätten eine andere Beschaffenheit als die Sommerreifen für Autos. Durch ihren hohen Kautschuk-Anteil seien sie für den Ganzjahres- Einsatz geeignet.

Schnee und Eis werfen seit Tagen die Flugpläne in ganz Europa durcheinander. Zehntausende Passagiere sind deswegen gestrandet. In Deutschland sind besonders der Frankfurter Flughafen und die Lufthansa betroffen, die in Frankfurt ein Drehkreuz betreibt. Stark betroffen war am Montag auch Berlin, wo bis zum Mittag mehr als 100 Flüge annulliert wurden. Vor allem Probleme mit Schnee und Eis auf anderen europäischen Flughäfen haben den Flugplan in Frankfurt/Main beeinträchtigt. Etwa 340 der geplanten 1340 Starts und Landungen wurden am Montag gestrichen. Hauptgrund waren Ausfälle an anderen Flughäfen, die im stark vernetzten Luftverkehr auch immer Frankfurt treffen, teilte der Flughafen Fraport mit.

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  • @ Peter
    Die Verhinderung von Sperenberg als Grossflughafen haben wir dem ehemaligen Regierenden bürgermeister Diepgen ( wie auch die hohen Schulden) zu verdanken.
    Hätte man kurz nach der Wiedervereinigung Sperenberg in Angriff genommen, hätte sich berlin wirtschaftlich ganz anders entwickelt und die Lufthansa hätte sich gezwungen gesehen ein ultramodernes Terminal in berlin und nicht in München zu bauen. Schönefeld ist eine miese Notlösung. Allerdings finde ich die temporäre Lockerung des Nachtflugverbotes gut, da ich selber viele Jahre in Fernost gearbeitet habe und zu Weihnachten immer in die Heimat zurückgekehrt bin. Anstatt schnell heim zu kommen tagelang an Flughäfen wie Frankfurt Rhein-Main dahinzuvegetieren ist mit Sicherheit kein Spass, dann doch lieber temporärer Fluglärm in der Nacht.

  • Eine Aufhebung des Nachtflugverbots wäre absoluter Schwachsinn, passt aber in die Methodik der Politik und zum Teil auch der Wirtschaft. Man versucht das eigene Versagen durch die Notwendigkeit einer Gesetzesänderung zu kaschieren. Man erkennt die Absicht und ist verstimmt. Trickserei auf dem Niveau eines Provinzvereins.

  • Hier darf ich einmal an den aktuellen Streit um den Großflughafen berlin-brandenburg-international (bbi) in Schönefeld erinnern. Zum Zwecke der maximalen Auslastung sollen Flugrouten abgeknickt und das gerichtlich erstrittene Nachtflugverbot aufgeweicht werden. Eine ungeheure belastung von -zigtausenden Einwohnern, denen zuvor versprochen worden war, dass sie vom Fluglärm nicht tangiert würden. Dabei hätten wir hier in brandenburg den Platz für einen deutschen interkontinental-Flughafen, der diesen Namen wirklich verdient. Nur muss man dazu eben ein bisschen mehr Geld in die Hand nehmen als für den bau des bbi mit nur zwei Start- und Landebahnen, die der Wirtschaftlichkeit wegen im unabhängigen Parallelbetrieb mit jeder Menge Fluglärm über dicht besiedeltem Gebiet betrieben werden sollen. Ein echtes Drehkreuz für den deutschen und europäischen Flugverkehr auf einem bbi Schönefeld (auf der basis der Flugrouten des Planfeststellungsverfahrens und mit einem konsequenten Nachtflugverbot) u n d für den interkontinentalverkehr auf einem nur 30 km weiter südlich gelegenen bbi Sperenberg mit 24h-betrieb und Frachtverkehr rund um die Uhr wären für berlin sicher eine feine Sache. Sperenberg liegt in einer wirklich dünn besiedelten Gegend und trotzdem nah bei berlin. beide Flughafenteile müssten natürlich ordentliche iCE- und Autobahnanbindung bekommen, was hier nicht das Problem sein dürfte. Eine direkte iCE-Verbindung berlin-bbi-Ffm-Flughafen Frankfurt könnte im Falle solch chaotischer Zustände wie jetzt auch Fluggäste zwischen den Airports verteilen. Natürlich müssten Sperenberg und Schönefeld mit einem schnellen Shuttle für Umsteiger verbunden werden, wobei nichts dagegen spräche, den Shuttlezug bis zum Hauptbahnhof weiterfahren zu lassen.

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