Wegen unsicherer Lage: CDU-Haushälter empfiehlt Italien Lira-Rückkehr

Wegen unsicherer Lage
CDU-Haushälter empfiehlt Italien Lira-Rückkehr

exklusivStellt Italien eine Gefahr für die Euro-Zone dar? Nach dem Wahlchaos könnte man das meinen. Der Präsident des Landes widerspricht, doch in Berlin kursieren auch andere Einschätzungen – und Empfehlungen für Rom.
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BerlinAngesichts der unsicheren politischen Lage in Italien hat sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch für einen Austritt des Landes aus der Währungsunion ausgesprochen. „Wenn es nicht gelingt, die Mehrheit der Bevölkerung eines Landes davon zu überzeugen, dass sie selbst eingegangene Verpflichtungen bezüglich der Funktionsweise der gemeinsamen Währung auch einhalten muss, kann man nicht von außen nach Neuwahlen rufen, sondern muss das Land zur eigenen Währung zurückkehren lassen“, sagte Willsch Handelsblatt Online.

Der Euroraum müsse offen sein für Veränderungen, sagte Willsch weiter. „Wenn wir zu einem friedlichen und respektvollen Miteinander in Europa zurückkehren und das Selbstbestimmungsrecht der Völker ernst nehmen wollen, müssen wir die Euro-Europa-Ideologie aufgeben“, betonte er. „Eine Währungsunion wird nur überleben, wenn sie all ihren Gliedern nützt.“

Der Präsident Giorgio Napolitano trat indes Befürchtungen entgegengetreten, von seinem Land könnte wegen der schwierigen Regierungsbildung eine Gefahr für die Euro-Zone ausgehen. Es gebe kein Ansteckungsrisiko, sagte das italienische Staatsoberhaupt am Donnerstag in Berlin. "Denn wenn man ansteckend sein will, muss man ja zuerst einmal krank werden." Italien sei aber nicht krank. Allerdings räumte Napolitano ein, dass ein schwieriges Wahlergebnis vorliege. Trotzdem versicherte er: "Ich bin sicher, dass in den nächsten Wochen eine italienische Regierung gebildet werden wird." In Italien wurden derweil neue Ermittlungen gegen Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi bekannt.

Neben Napolitano übten sich auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso in Zuversicht. Wenn die gewählten italienischen Politiker ihrer Verantwortung nachkommen würden, werde das Land in der Einschätzung der Märkte wieder den Platz einnehmen, den es unmittelbar vor den Wahlen innehatte, sagte Schäuble zu Reuters. Die rasche Bildung einer stabilen Regierung werde sich für Italien auszahlen. Auch Barroso zeigte sich zuversichtlich, dass die neue italienische Regierung das Vertrauen in die Euro-Zone insgesamt nicht erschüttern werde. Er sei überzeugt, dass Italien seine Verpflichtungen erfüllen werde. US-Außenminister John Kerry erklärte in Rom, Italien werde seine Probleme bewältigen.

Der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, plädierte dagegen auch für einen Austritt Italiens aus der Euro-Zone, sollte das Land seinen Reformkurs nicht fortsetzen. „Will der Euro überleben, muss er zu einer atmenden Währung werden. Mitglieder, die es ökonomisch nicht schaffen oder es nicht wollen, müssen aus dem Währungsclub austreten können“, sagte Schäffler Handelsblatt Online. „Als ultima ratio muss es auch möglich sein, Sünder auszuschließen, wenn sie dauerhaft die Solidarität aller missbrauchen.“

Kommentare zu " Wegen unsicherer Lage: CDU-Haushälter empfiehlt Italien Lira-Rückkehr"

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  • das Finanzsystem hat Ebula. herumgedockert wird mit plazebos, ihr Pfeifen.

  • "CDU-Haushälter empfiehlt Italien Lira-Rückkehr"
    Als ob der Mann nicht wusste dass ohne Vertragsänderungen dies gar nicht möglich ist. Ein Land darf die Währungsunion nur verlassen wenn es aus der EU austritt, das wird Italien bestimmt nicht machen!
    Wie sollte dann Italien außerhalb der EU, allein in Europa, überleben?
    Immer wieder Populismus, als ob manche Politier der Meinung ist dass die Deutsche sowieso doof sind.

  • Warum sollten plötzlich Verträge gelten? Weil es nicht beliebt, daß Italien austritt, beruft man sich auf Verträge? Auf einmal?

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