Wegen Verdi-Warnstreik
Lufthansa streicht ihren Flugplan zusammen

Flugreisende brauchen jetzt Nerven: Die größte deutsche Airline streicht wegen eines Warnstreiks von Verdi heute fast alle Verbindungen innerhalb Deutschlands und Europas. Auch mehrere Langstreckenflüge fallen aus.
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Frankfurt/BerlinAn den großen deutschen Flughäfen fallen zu Wochenbeginn fast alle Flüge der Lufthansa aus. Wegen des angekündigten Warnstreiks des Bodenpersonals streicht die Fluggesellschaft ihren Flugplan bis auf wenige Ausnahmen fast vollständig zusammen. Die Flugreisenden dürften daher Kofferberge und lange Schlangen vor den Check-In-Schaltern erwarten.

Von den insgesamt vorgesehen mehr als 1700 Flügen können heute nur etwa 30 angeboten werden, wie die Fluggesellschaft am Wochenende mitteilte. So sollen von den über 1.650 Kurzstreckenverbindungen gemäß dem Sonderflugplan lediglich etwa 20 stattfinden. "Nur einzelne Kurzstreckenflüge werden am Montag starten können, beispielsweise ab Berlin, wo der Warnstreik bereits um 14.30 Uhr enden soll", hieß es. Die Lufthansa-Tochter Germanwings teilte dagegen mit, nach dem derzeitigen Stand der Informationen fänden alle ihre Flüge statt.

Auch bei den Langstreckenflügen kommt es zu zahlreichen Ausfällen. In Frankfurt werden von 50 geplanten Interkontinentalflügen voraussichtlich sechs starten, in München bleiben von 17 geplanten Verbindungen nur drei im Sonderflugplan erhalten. In Düsseldorf können dagegen alle drei geplanten Langstreckenflüge wie vorgesehen verkehren, wie die Lufthansa erklärte. Die Fluggesellschaft empfahl allen Reisenden, sich frühzeitig vor Reiseantritt im Internet unter www.lufthansa.com und dort unter „Aktuelle Fluginformationen“ und unter „Meine Buchungen“ über den Status ihres Fluges zu informieren. Oder unter der Telefonnummer 0800 850 60 70. Deutschlands größte Fluggesellschaft rechnet mit Millionenkosten durch den großflächigen Ausstand.

Die Gewerkschaft Verdi hatte ihre Mitglieder bei der Airline für Montag zu ganztägigen Arbeitsniederlegungen ab Betriebsbeginn aufgerufen. Gestreikt werden soll an den Flughäfen Frankfurt, Hamburg, München, Stuttgart, Hannover, Düsseldorf, Köln und Norderstedt. In Berlin soll es nach dem Willen von Verdi bis 14.30 Uhr Arbeitsniederlegungen geben, in Nürnberg ist der Ausstand in den Morgenstunden geplant.

Damit verschärfte Verdi nochmals die Gangart in dem Tarifstreit, nachdem es im März bereits erste Warnstreiks gegeben hatte. In dem Konflikt hatte Lufthansa am Mittwoch erstmals ein Angebot vorgelegt, das Verdi aber als nicht verhandlungsfähig ablehnt. Das Lufthansa-Angebot bedeute einen deutlichen Reallohnverlust für die Beschäftigten und sei keinesfalls hinnehmbar, hatte Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle erklärt. In dem Tarifstreit geht es um die Gehälter von rund 33.000 Beschäftigten bei Lufthansa Cargo, Lufthansa Technik, Lufthansa Systems sowie der Lufthansa-Mitarbeiter am Boden und in der Kabine. Zwei weitere Verhandlungstermine sind bereits für den 29./30. April sowie für den 2./3. Juni angesetzt.

Die Lufthansa bietet nach eigenen Angaben jetzt an, die Löhne ab 1. Oktober 2013 bei Lufthansa Technik um insgesamt 2,3 Prozent, bei Lufthansa Cargo und Lufthansa Systems um insgesamt 2,1 Prozent und bei der Lufthansa AG um insgesamt 1,7 Prozent anzuheben. Sie wertete ihre Offerte als "ein differenziertes, an der jeweiligen wirtschaftlichen Situation des Geschäftsfeldes orientiertes Angebot." Zudem sollten die Beschäftigten für Februar bis September 2013 weitere 400 Euro als Einmalbetrag erhalten, Auszubildende 200 Euro. Bislang hatte die Lufthansa angesichts sinkender Gewinne, Stellenabbau und Standortschließungen eine Nullrunde angestrebt. Verdi fordert für die Lufthansa-Beschäftigten unter anderem Zusagen für sichere Jobs sowie 5,2 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Bei den ersten Warnstreiks im März waren 700 von 1800 Flüge ausgefallen, darunter so gut wie alle Flüge innerhalb Deutschlands und ins europäische Ausland. Am härtesten traf der Ausstand Frankfurt, wo die Kranichlinie ihre Heimatbasis hat. Dort starten und landen täglich die meisten Lufthansa-Flüge. Die Bahn rechnet unterdessen für Montag wegen des Streiks mit vollen Zügen. Sie empfahl Reisenden, ihren Sitzplatz zu reservieren.

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Bahn reagiert mit zusätzlichen Zügen

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