Wehrbeauftragter
Auslandseinsätze überlasten deutsche Soldaten

Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus prangert die Überlastung der Bundeswehrsoldaten an. Viele Auslandseinsätze mit schlechter Ausrüstung und zu wenig Ruhepausen seien Schuld - nicht aber die Verteidigungsministerin.
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BerlinDer Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus hat eine weitgehende Überlastung der Bundeswehrsoldaten durch zu häufige Einsätze und schlechte Ausrüstung beklagt.

Dass die Karenzzeit von 20 Monaten zwischen zwei Einsätzen nicht eingehalten werde, sei in vielen Bereichen inzwischen zur Regel geworden, sagte er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Es sind vor allem die Fähigkeiten, die wir immer als erstes anbieten, weil es in der Öffentlichkeit leichter zu vermitteln ist - zum Beispiel Lufttransport, Logistik und Sanität.“

Solche Beiträge zu internationalen Einsätzen seien der deutschen Öffentlichkeit leichter zu vermitteln als etwa die Entsendung von Kampftruppen. „Wenn man das weiterhin so handhaben will, dann muss man eben dort die Truppe anders aufstellen und verstärken“, sagte Königshaus.

In dieser Woche war bekanntgeworden, dass bei 28 Prozent der deutschen Raketenabwehrsoldaten in der Türkei die Karenzzeiten nicht eingehalten werden. Ein Auslandseinsatz dauert in der Regel vier bis sechs Monate. Dann soll den Soldaten eine 20-monatige Pause gewährt werden.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags beklagte auch, dass die Soldaten den schlechten Zustand der Ausrüstung ausbaden müssten: „Ich habe das Gefühl, dass das Problem mehr oder weniger auf dem Rücken derjenigen ausgetragen wird, die damit arbeiten. Die müssen Mehrbelastungen hinnehmen, die teilweise wirklich nur noch schwer vertretbar sind.“

Bei den Marinehubschraubern seien früher für eine Flugstunde 50 Arbeitsstunden notwendig gewesen. Heute sei man wegen der Überalterung der Maschinen und der aufwendigen Ersatzteilgewinnung aus ausgemusterten Helikoptern bei 120 Arbeitsstunden.

„Irgendwann ist einfach mal Schluss“, sagte Königshaus. „Technisches Gerät versagt irgendwann. Aber der Soldat versagt nicht. Der versucht das immer wieder mit eigener Kraft zu leisten. Aber irgendwann ist auch er überfordert. Und ich glaube, vor dieser Situation stehen wir bald.“

Die Ursachen für die jetzigen Probleme sieht Königshaus in den vorangegangen Legislaturperioden. Er beschwerte sich, dass seine Kritik an der Ausrüstung nicht gehört worden sei. „Es ist oft geantwortet worden, das sei eine maßlose Übertreibung, was der Wehrbeauftragte da in seinen Jahresberichten schreibt. Wie sich nun herausstellt, war es weder maßlos noch überhaupt eine Übertreibung.“

Bei Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht er aber keine Schuld für die Probleme. „Im Grunde genommen macht die Ministerin genau das richtige. Sie sagt: Ich stelle die Dinge auf den Prüfstand.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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