Wehrbeauftragter im Interview
„Die Truppe wundert sich kaum über eine Frau“

Die Truppe ist bereit für eine Frau an der Spitze, findet der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus. Im Interview spricht der FDP-Politiker über das drängendste Problem der Bundeswehr – geeignetes Personal zu finden.
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Handelsblatt: Herr Königshaus, ist die Truppe reif für eine Frau an der Spitze?
Hellmut Königshaus: Natürlich. Selbst wenn sie es nicht wäre, wäre das ein guter Grund eine Frau zu berufen. Aber sie ist es. Frauen sind seit den 1970er-Jahren im Sanitätsdienst und seit 2001 in allen Verwendungen aktiv, viele Soldaten haben heute schon weibliche Vorgesetzte. In anderen Ländern sind weibliche Verteidigungsminister längst Normalität. Das einzig Besondere daran ist, dass darüber jetzt öffentlich diskutiert wird. Die Truppe wundert sich jedenfalls kaum darüber.

Bislang haben es aber nur wenige Frauen in die oberen Ränge der Bundeswehr geschafft.
Die Laufbahnen außerhalb des Sanitätsdienstes stehen Frauen ja erst seit 2001 offen. Die weiblichen Offiziere müssen nach und nach in die Führungspositionen hineinwachsen, auch Männer brauchen dafür eine gewisse Zeit. Das Beförderungstempo der Frauen unterscheidet sich insgesamt kaum von dem ihrer männlichen Kameraden.

Es ist also nur eine Frage der Zeit?
Einerseits ja. Andererseits gibt es einen gewissen Nachholbedarf bei der Vereinbarkeit von Familie und Dienst: Frauen haben wie in anderen Berufen auch gewisse Nachteile, wenn sie Elternzeit nehmen und solange etwa für die Beförderung notwendige Lehrgänge nicht wahrnehmen können.

Erwarten Sie von der neuen Ministerin dort besondere Impulse?
Es wird Aufgabe der Ministerin sein, die Vereinbarkeit voranzubringen – für Männer wie für Frauen. Sie hat ja auch persönlich viel Erfahrung damit, eine Familie mit einem nicht sonderlich verlässlichen Arbeitsalltag unter einen Hut zu bringen, wie es bei Soldaten auch oft der Fall ist. Dort ist die Bundeswehr noch nicht weit genug vorangekommen.

Was sollte sie konkret ändern?
Wenn zum Beispiel jemand ein Kleinkind erzieht und nicht einfach mit der Einheit in den Auslandseinsatz gehen kann, muss ein anderer einspringen können. Dafür brauchen wir Personalreserven, damit nicht die Kameraden einfach die Arbeit mitmachen müssen. Sonst werden die Soldaten in Elternzeit immer wieder unter starken moralischen Druck gesetzt.

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„Eigene Initiativen wichtiger als militärische Kompetenz“

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  • In krautistan wundert einem überhaupt nichts mehr.Nichts gegen Fr.v.d.Leyen.Was De misere und andere Größen konnten,kann sie sicher auch.

  • "die Truppe" wenn ich diesen Unsinn schon lese, kommt mir die Galle hoch. Es gibt keine Bundeswehr mehr! Es gibt nur noch das Etikett, mit entsprechenden Hoheitsabzeichen. Es ist eine hochbezahlte Söldnertruppe wie die legion etrangere sonst gar nichts. Denen wird auch weder Respekt noch Bewunderung gezollt. Die gesellschaftliche Klammer "Bundeswehr" wurde auf dem Müllhaufen der Geschichte von der CSU entsorgt (vom fränkischem Landadel). Die Abbruchbaustelle Deutschland schafft sich in vielen Schritten ab. Die Dame dürfte sich noch wundern mit welchem Publikum sie es zu tun hat.

  • denen kann man auch den papst vorsetzen--->...oder einen männlichen moslem in einer burka.
    ich glaube die würden sich nichtmal besonders wundern.
    Meine ich übrigen ziemlich ernst!

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