Weihnachtsgeschenk
Jahreswagenbesteuerung wird neu geregelt

Die Jahreswagenbesteuerung wird rückwirkend zum 1. Januar 2009 geändert. Davon profitieren Werksangehörige. Für sie ist die Neuregelung eine Art Weihnachtsgeschenk des Bundesfinanzministeriums. Ganz freiwillig wird es ihnen aber nicht gewährt.
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BERLIN. Künftig sollen die Finanzbehörden den geldwerten Vorteil von Jahreswagenkäufern nicht mehr anhand fiktiver Verrechnungspreise vornehmen, sondern den tatsächlichen Marktpreis als Berechnungsgrundlage heranziehen. Dies geht aus einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums an die Obersten Finanzbehörden der Länder vor, das dem Handelsblatt vorliegt. Die neue Regelung soll rückwirkend zum 1. Januar 2009 Anwendung finden, heißt es in dem Schreiben, das am 18. Dezember versandt wurde.

Das Finanzministerium reagiert mit der veränderten Bewertungspraxis auf ein Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) es vom August, das die bisherige Besteuerungspraxis in Teilen für nichtig erklärt hatte. Die Richter betonten damals, dass die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers keine geeignete Grundlage sei, um den zu versteuernden "geldwerten Vorteil" zu berechnen. Entscheidend sei, zu welchem Preis das Auto von Händlern angeboten wird. Erhielten alle Autokäufer den gleichen Rabatt, gäbe es keinen Preisnachlass aufgrund des Dienstverhältnisses und somit auch keine Steuerpflicht. Auch Politiker aus den stark von der Automobilindustrie geprägten Ländern Baden-Württemberg und Bayern hatten eine entsprechende Änderung der Regelungen schon länger gefordert.

Seit den 90er-Jahren müssen Werksangehörige die Rabatte, die ihnen ihr Unternehmen gewährt, als geldwerten Vorteil versteuern. Zur Ermittlung der Steuer wird dem Sonderpreis für Werksangehörige der Listenpreis für den Handel gegenübergestellt. Da im Handel die Autos tatsächlich jedoch oft zu einem viel niedrigen Preis zu erhalten waren, machte der Jahreswagenkauf für Werksangehörige zunehmend keinen Sinn mehr.

In der internen Verwaltungsanweisung setzt das Finanzministerium in Absprache mit den Bundesländern die Vorgaben der Richter nun um. Zwar sei grundsätzlich die unverbindliche Preisempfehlung (UEP) des Herstellers als Vergleichsmaßstab bei der Berechnung des geldwerten Vorteils heranzuziehen. Jedoch würden Kraftfahrzeuge "nach den Gepflogenheiten in der Automobilbranche im allgemeinen Geschäftsverkehr tatsächlich häufig zu einem Preis angeboten, der unter der UEP des Herstellers liegt. Deshalb kann der tatsächliche Angebotspreis anstelle des empfohlenen Preises angesetzt werden", so das Schreiben.

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  • Auch ich bin für eine Novelle der besteuerung von Firmen- und Dienstwagen. Der Mitarbeiter / Selbständige zahlt auf den Listenpreis 1% für eine Privatnutzung. Der Listenpreis wird aber so von keinem Käufer gezahlt, schon gar nicht bei "Flottenfahrzeugen". Auch hier MUSS zwingend etwas geändert werden! Diese "fiktive" besteuerung ist vordergründig ungerecht und nicht nachvollziehbar!

  • wieder so ein halbherziges einlenken des finanzministeriums aufgrund eines bfh-urteils.
    nach wie vor zu hoch besteuert werden selbständige und angestellte für dienstwagen, bei denen weiterhin der unrealistische herstellerlistenpreis massgeblich ist, den niemand bezahlt!

  • An statt dass man dem vorsätzlichen betrug der Autohersteller mit überhöhten angeblichen Listenpreisen ein Ende macht, legitimiert man sie noch in dem man verhindert daß sie sich damit ins eigene Fleisch schneiden.

    bakschischrepublik Deutschland.

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