0 Bewertungen
25.12.2006 
Gewerkschaften kritisieren soziale Auswirkungen

Weise freut sich über Erfolge der Hartz-Reformen

Während die Bundesagentur für Arbeit zum Jahresende eine positive Bilanz der Hartz-Reformen zieht gibt es Kritik von den Gewerkschaften. IG-BCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt fordert zudem einen Kombilohn für einfache Tätigkeiten.

HB FRANKFURT. Vier Jahre nach Inkrafttreten der ersten Hartz-Gesetze hat die Bundesagentur eine positive Bilanz der umstrittenen Arbeitsmarktreformen gezogen. Die Arbeitslosigkeit sinke, und der interne Umbau der Bundesagentur hin zu einem kundenorientierten Dienstleistungsunternehmen schreite voran, sagte der Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise der Nachrichtenagentur AP.

Weise sagte, er freue sich über erste Erfolge der Reformen. Die Bundesagentur sei die erste deutsche Sozialversicherung, die das Geld nicht verbrannt, sondern sogar in Form eines Rekordüberschusses abgeliefert habe. Gleichzeitig sehe er aber noch Mängel: So würden manche Arbeitslose nicht schnell genug, nicht fachgerecht und auch nicht freundlich genug bedient.

Der Vorstandsvorsitzende sprach sich auch für einen weiteren Abbau der Bürokratie in den Agenturen aus. Vor der Reform standen den Mitarbeitern wegen aufwendiger Papierbearbeitung lediglich acht Minuten und damit maximal 40 Prozent ihrer Arbeitszeit für ein einzelnes Beratungsgespräch zur Verfügung. Inzwischen seien es zwar 60 Prozent, aber auch das sei noch zu wenig. „Die Beratung hilft oft mehr als der Geldeinsatz“, sagte Weise.

Mit Blick auf den Rückgang der Arbeitslosigkeit im laufenden Jahr von über fünf auf zuletzt 3,99 Mill. sagte Weise: „Wir haben seit Hartz I und II die Möglichkeit, betriebsnähere, kürzere Trainingsmaßnahmen anzubieten, und wir nutzen diese Instrumente zielgerichteter.“ Für die Zukunft wünsche er sich daher keine neuen Maßnahmen, sondern eine Fortsetzung der bewährten. Manche Instrumente wie etwa der Eingliederungszuschuss sollten jedoch vereinfacht werden.

Von Gewerkschaftsseite kam indes scharfe Kritik an den sozialen Auswirkungen der zuletzt in Kraft getretenen Reform Hartz IV.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wiesehügel für Lockerung der Zumutbarkeitskriterien

Wiesehügel für Lockerung der Zumutbarkeitskriterien

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU), Klaus Wiesehügel, kritisierte die am 1. Januar 2005 in Kraft getretene Arbeitsmarktreform Hartz IV als ungerecht. Insbesondere die Zumutbarkeitsregeln für die Annahme eines neuen Jobs müssten dringend gelockert werden, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende der AP. Bislang könnten Arbeitslose auf jeden Job vermittelt werden, völlig unabhängig von ihrer Vorbildung und Persönlichkeit. Der IG-BAU-Vorsitzende kritisierte zugleich das Ausmaß der Vermögensanrechnung bei Langzeitarbeitslosen. Die Freibeträge müssten erhöht werden, ansonsten drohten „katastrophale Auswirkungen“.

Der IG-BCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt forderte die Bundesregierung zur Schaffung von Arbeitsplätzen im Niedriglohnsektor auf. Mit einem Kombilohn für einfache Tätigkeiten könnten zahlreiche Jobs geschaffen werden, sagte der Chef der IG Bergbau, Chemie, Energie der AP. Die Politik müsse sich von der Vorstellung verabschieden, dass allein ein Konjunkturaufschwung die in Deutschland fehlenden Arbeitsplätze schaffen werde.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff forderte, die Arbeitsmarktreformen durch die bundesweite Einführung von Kombilöhnen fortzusetzen, um die Integration in den ersten Arbeitsmarkt zu fördern. Mit dem niedersächsischen Kombilohnmodell seien überraschenderweise überwiegend unbefristete Vollzeitarbeitsverhältnisse geschaffen worden, sagte der stellvertretende CDU-Vorsitzende der AP.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Konjunkturbeschleuniger verzweifelt g...

    Konjunkturbeschleuniger verzweifelt gesucht

    Wie soll die schwächelnde Konjunktur wieder angekurbelt werden? Im Umfeld der Bundesregierung kursieren die unterschiedlichsten Modelle. Den Stein der Weisen hat aber noch keiner gefunden. Fakt ist: Dem bereits geschnürten ersten Wachstumspaket soll ein zweites folgen....Bildergalerie 

  • Die Säulen der thailändischen Gesells...

    Die Säulen der thailändischen Gesellschaft

    Nation, Monarchie und Religion sind die drei Eckpfeiler, die den Rahmen der thailändischen Gesellschaft bilden. Die Stärke und Tragkraft der thailändischen Gesellschaft resultiert aus der Tragkraft dieser drei Säulen. Es ist der einzige Staat der dem Kolonialismus trot...Bildergalerie 

  • Thailands Flughäfen geräumt

    Thailands Flughäfen geräumt

    Aufatmen für Hunderttausende Touristen: Die thailändischen Regierungsgegner haben die Blockade der internationalen Flughäfen beendet. Bilder vom - zumindest vorübergehenden - Ende einer Krise.Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Den Nullzins vor Augen  Artikel in Merkliste

05.12.2008, 07:05 Uhr von Nobert Häring

Wenn die Welt in die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit abgleitet, muss die Wirtschaftspolitik Gewohnheiten aus normalen Zeiten hinterfragen. Das gilt auch für die Geldpolitik. Innerhalb weniger Wochen haben sich die Perspektiven für Inflation und Wachstum dramatisch verändert. Da ist das übliche Finetuning der Zinsen in kleinen Schritten nicht mehr sinnvoll. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Letztes Aufgebot  Artikel in Merkliste

05.12.2008, 05:19 Uhr von Helmut Hauschild

Vor allzu viel deutscher Euphorie sei tgewarnt. Die aktuelle Personalrochade könnte ein kurzes Hurra für die Bundesregierung sein. Kommentar