Weise will mit Accenture über Auftrag sprechen
BA-Chef: Ausstieg aus Jobbörse kaum möglich

Der Chef der Bundesagentur, Weise, sieht für einen Ausstieg aus dem Virtuellen Arbeitsmarkt kaum Chancen. Die BA dementierte, dass die Kostenexplosion bei der Online-Jobbörse schon im Sommer 2003 bekannt gewesen sei.

HB BERLIN. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat nach Einschätzung ihres Chefs Frank-Jürgen Weise kaum Möglichkeiten, aus den umstrittenen Verträgen zum Virtuellen Arbeitsmarkt auszusteigen. «Eine Entwicklung, die so weit voran geschritten ist, kann von keinem anderen übernommen werden», sagte Weise dem Nachrichtenmagazin «Focus». «Die Frage kann nur sein, wie man dieses Projekt zu Ende bringt und worauf man dabei verzichtet.»

Der «Virtuelle Arbeitsmarkt» der Bundesagentur war in den vergangenen Tagen wegen der Kostenexplosion in die Kritik geraten. Das Projekt droht bis zu 165 Millionen Euro teuer zu werden, ursprünglich waren 65 Millionen Euro angesetzt. Weise sagte, die BA sei verantraglich an Leistungen von 115 Millionen Euro gebunden, 44 Millionen seien schon bezahlt. Über Mängelrügen könne man «vielleicht noch ein bisschen diskutieren», so Weise.

Der BA-Chef bekräftigte den Verdacht, dass Aufträge unter der Hand vergeben worden seien. Deren Volumen taxierte der BA-Chef auf etwa 15 Millionen Euro. «Diese Aufträge sind anscheinend von der Projektleitung ohne die Vergabestelle an den Auftragnehmer Accenture gegangen.» Es werde jetzt Gespräche mit dem Unternehmen geben, auch wenn die BA derzeit nicht erkenne, «dass wir Accenture irgendwelche Vorwürfe machen können».

Accenture hatte am Freitag Vorwürfe zurückgewiesen, mit unlauteren Methoden den BA-Auftrag erhalten zu haben. Dem «Tagesspiegel» sagte der zuständige Geschäftsführer Holger Bill, beim Abschluss des Vertrages habe das Auftragsvolumen 65 Millionen Euro betragen. Damals seien allerdings die Auswirkungen der Harz-Reformen nicht absehbar gewesen. Laut Bill war von Anfang an klar, dass 65 Millionen Euro nicht ausreichen würden.

Dass die Kosten bei der Online-Jobbörse deutlich steigen würden, wusste BA-Vorstand Heinrich Alt angeblich schon im Sommer vergangenen Jahres. «Im August 2003 wurde bekannt, dass die Jobbörse 114,6 Millionen Euro kosten würde», zitierte die «Welt» am Samstag einen hochrangigen BA-Mitarbeitern. «Seit dem 27. August 2003 ist aktenkundig, wer alles davon wusste. Dazu zählt nicht nur Herr Alt.» Er sage aber nicht, dass Weise diese Zahlen bekannt waren, ergänzte der BA-Mitarbeiter.

Die Bundesagentur dementierte den Bericht. Der Behörde sei erst im Dezember die Kostensteigerung von 65 Millionen auf 77 Millionen Euro für die Stellenbörse sowie die Neuausrichtung des BA-internen IT-Systems für Vermittlung und Beratung bekannt geworden, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Die seit zwei Wochen vorliegende Risiko-Kostenanalyse beziffere den Finanzbedarf auf bis zu 125 Millionen Euro, zuzüglich 40 Millionen Euro für das Datennetz der BA.

Wie die «Welt» weiter berichtete, war nach Angaben des Informanten «von vornherein» bekannt, dass die 65 Millionen Euro «nur die Karosserie» seien. «Die Räder, das Lenkrad, die Sitze, das muss alles noch rangebaut werden. Das sollte aber alles erst im Feinkonzept entstehen.» Accenture-Geschäftsführer Bill sagte ergänzend, für alles, was Accenture angeboten und geliefert habe, seien die Preise bekannt gewesen. Die nächste Stufe der Internetplattform solle wie geplant im Mai starten.

Die Verwaltungsratschefin der BA, Ursula Engelen-Kefer, kündigte Aufklärung an und sicherte Weise zugleich Rückendeckung zu. Gegenüber der «Berliner Zeitung» stellte Engelen-Kefer indes den Ausbau der Online-Jobbörse in Frage. Ob die zweite Stufe, die flächendeckende Vernetzung mit den herkömmlichen Angeboten der Arbeitsämter, wie geplant umgesetzt werde, hänge auch von den Kosten ab.

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