Weiter Warnstreiks
Metall-Tarifgespräche bleiben ohne Ergebnis

Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie sind die Verhandlungen im Pilotbezirk Baden-Württemberg am Donnerstag ohne Ergebnis vertagt worden. Als neuer Termin wurde der 11. Februar vereinbart. An den erneuten Warnstreiks in ganz Deutschland beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft am Donnerstag rund 90.000 Metaller.

HB BÖBLINGEN. „Wir kauen nach wie vor an unseren Problemen“, sagte der Arbeitgeber-Verhandlungsführer Otmar Zwiebelhofer nach der fünften Tarifrunde am Donnerstagabend in Böblingen. Der IG-Metall-Bezirksvorsitzende Jörg Hofmann erklärte, die Gewerkschaft habe erwartet, dass sich die Arbeitgeber hin zu einer Verhandlungslösung bewegen. „Diese Erwartungen wurden enttäuscht - sowohl bei der Frage des Lohns als auch bei der Struktur.“ Weiterverhandelt werden solle nun am 11. Februar. Für den 12. Februar sei bereits die Große Tarifkommission der Gewerkschaft einberufen worden. Diese könnte dann über die Einleitung einer Urabstimmung für einen Streik entscheiden.

Die Warnstreiks sollen in den kommenden Tagen ausgeweitet werden. Damit sollen die Forderungen der Gewerkschaft für die rund 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche unterstützt werden. Die Tarifpartner hätten sich am Donnerstag nur mit der Ausweitung der Arbeitszeit auf 40 Stunden bei vollem Lohnausgleich befasst, sagte Zwiebelhofer. „Wir haben noch nicht über Geld gesprochen. (...) Trotzdem müssen wir versuchen, am Verhandlungstisch eine Lösung zu finden und nicht auf der Straße.“

Der stellvertretende IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte zuvor erklärt, bis Ende Februar müsse es Klarheit geben. „Entweder wir haben bis dahin einen Tarifabschluss, oder wir müssen tatsächlich einen Arbeitskampf vorbereiten“, sagte er der „Berliner Zeitung“.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall bietet eine zweistufige Lohnerhöhung um je 1,2 Prozent, knüpft dies aber an Öffnungsklauseln, die auch unbezahlte Mehrarbeit von bis zu fünf Stunden je Woche ohne die Mitsprache der Gewerkschaft erlaubt.

Die IG Metall lehnt längere Arbeitszeiten rundweg ab, hat aber Gespräche zur Flexibilisierung der Arbeitszeit angeboten. Sie will zudem vier Prozent mehr Lohn durchsetzen. Für die IG Metall geht es es auch darum, nach den im Sommer 2003 gescheiterten Streiks in Ostdeutschland ihre Kampfkraft zu beweisen.

Seit dem Ablauf der Friedenspflicht vor einer Woche haben sich nach Angaben der Gewerkschaft rund 260.000 Metaller an den zumeist kurzen Arbeitsniederlegungen und Kundgebungen während der Arbeitszeit beteiligt. Am Freitag sollen die Warnstreiks massiv ausgeweitet werden. Die Gewerkschaft will dann vor allem mittelständische Firmen treffen. Der Druck werde täglich erhöht.

„Die Arbeitgeber testen jetzt, ob wir angezählt sind oder ob wir kämpfen können“, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer bei einer Kundgebung in Ingolstadt.

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