Weitere Enthüllung im Abhörskandal Was die NSA von Merkel wissen wollte

Insgesamt 69 Telefonnummern stehen auf der Überwachungsliste, die die Plattform Wikileaks nun veröffentlicht hat. Die Besitzer sind hochkarätig – nicht nur Angela Merkel, auch Regierungsmitglieder und Ministerien.
Update: 01.07.2015 - 20:56 Uhr 10 Kommentare
Neben Angela Merkel wurden auch andere Regierungsmitglieder sowie Ministerien durch den US-Geheimdienst NSA ausspioniert. Auch ein britischer Geheimdienst soll beteiligt sein. Quelle: ap
NSA-Affäre weitet sich auch

Neben Angela Merkel wurden auch andere Regierungsmitglieder sowie Ministerien durch den US-Geheimdienst NSA ausspioniert. Auch ein britischer Geheimdienst soll beteiligt sein.

(Foto: ap)

BerlinDer US-Geheimdienst NSA hat nach Informationen der Enthüllungsplattform Wikileaks nicht nur Kanzlerin Angela Merkel (CDU), sondern weite Teile der Bundesregierung ausgespäht. Aus den Unterlagen, die der „Süddeutschen Zeitung“ sowie NDR und WDR zugänglich gemacht wurden, gehe hervor, das sich die NSA vor allem für die deutsche Währungs- und Handelspolitik interessierte. Die am Mittwoch veröffentlichten neuen Dokumente enthielten auch ein Abhörprotokoll eines Telefongesprächs, in dem sich Merkel am 11. Oktober 2011 zu den damaligen Entwicklungen in Griechenland äußerte.

„Die deutsche Kanzlerin Merkel erklärte, sie sei ratlos“, heißt es den Berichten zufolge in den Protokoll. Merkel sagte demnach, sie befürchte, dass selbst ein zusätzlicher Schuldenschnitt die Probleme nicht lösen könnte, da Athen nicht in der Lage sei, mit den verbleibenden Schulden zurechtzukommen.

Ein Sprecher der Bundesregierung erklärte laut „Süddeutscher Zeitung“: „Ohne nähere Kenntnis des zugrundeliegenden Sachverhalts ist der Bundesregierung eine Bewertung derzeit nicht möglich.“

Zu den Spionagezielen der National Security Agency (NSA) in Deutschland gehörten demnach nicht nur das Wirtschafts-, sondern auch das Finanz- sowie das Landwirtschaftsministerium. In den Unterlagen findet sich den Berichten zufolge eine Überwachungsliste mit insgesamt 69 Telefonnummern. Dabei soll es sich um in der Vergangenheit überwachte Anschlüsse wie auch um aktuelle Anschlüsse handeln. Die Überwachung reiche mindestens bis in die 90er Jahre zurück.

Aus den Unterlagen gehe hervor, dass sowohl der Berliner Telefonanschluss des Bundeswirtschaftsministers als auch seine Fax-Nummer auf der NSA-Überwachungsliste stehen, zudem der Anschluss seines Büroleiters. Diese Liste stamme offenbar aus der Zeit von 2010 bis 2012.

NSA bleibt draußen - ausspähsichere Assoziativcomputer

Der heutige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) war damals noch in der Opposition. Es sei aber anzunehmen, dass auch Gabriel abgehört wurde oder wird. Die Überwachung durch die NSA ist den Berichten zufolge in der Regel an Funktionen und nicht an Personen gebunden.

Vorige Woche hatte Wikileaks Unterlagen über NSA-Lauschangriffe auf drei französische Staatspräsidenten veröffentlicht. Diese Dokumente stammen, wie auch die Deutschland betreffenden Unterlagen, offenkundig nicht von dem früheren NSA-Mitarbeiter Edward Snowden, sondern von einer anderen, bislang nicht identifizierten NSA-Quelle, heißt es in den Berichten.

  • rtr
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10 Kommentare zu "Weitere Enthüllung im Abhörskandal: Was die NSA von Merkel wissen wollte"

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  • Mich interessieren ebenfalls die "gut informierten Medien", die das zu berichten wissen.

  • "Was die NSA von Merkel wissen wollte"

    Betzrachtet man die Aktionen von Frau Merkel, dann ist es nicht von der Hand zu weisen, dass man davon ausgehen muss, dass die NSA und letztlich die USA von Frau Merkel mehr weiß. Es ist jetzt nicht mehr auszuschließen, dass die Frau erpresst wird.

  • Frau Merkel kann gar nichts entscheiden. Sie muß immer erst Obama fragen.
    Es wird Zeit, dass diese Ostfrau vom Hof gejagt wird

  • @Wulff baer, bitte wo kann ich das nachlesen mit der Ranch in Paraguay, würde schon Sinn machen, bedenkt man mal das wir dann mit der "Bereicherung" hier sitzen bleiben, während es ja in Südamerika sogut wie keine Muselmänner gibt.

  • ... und das sind unsere Freunde ...

    Soweit man in der Geschichte zurückblicken kann, war ein aktiver Geheimdienst immer der letzte Rettungsanker einer untergehenden Groß-Organisation.

  • Bekannt ist: Alles, was möglich ist, wird zur Überwachung von Bürgern und Organisationen eingesetzt - unabhängig von Gesetz und Moral. Der NSA-Untersuchungsausschuß kann dazu nichts mehr Substanzielles beitragen. Auch der Sonderermittler Graulich wird bei der Analyse der sogenannten Selektorenliste-Listen keine Überraschungen mehr zu Tage fördern: alles, was in der deutschen Wirtschaft und Politik Rang und Namen hat, wird sich dort wiederfinden.
    Insofern ist auch ein neu aufgedeckter Skandal" nichts Neues. Und die Frage, wer hat wann die Unwahrheit gesagt, wusste wann Bescheid, lenkt genauso ab wie das im Notfall gefundene "Bauernopfer" - etwa die Kanzlerin?
    Wovon wird abgelenkt?
    Schlimmer als die anhaltende Unterlassung von Gegenmaßnahmen ist das Fehlen von transparenten und verbindlichen gesetzlichen und moralischen Regeln, die den Menschen- und Freiheitsrechten wieder absoluten Vorrang einräumen und den sicherheitsbedingten Maßnahmen enge, richterlich und parlamentarisch überwachte Grenzen setzen.
    Arbeiten etwa
    - unsere politisch/wirtschaftliche/kulturelle/intellektuelle/theologische Elite
    - unsere Leitmedien
    an diesen Grundsatzfragen unserer Demokratie?
    Fehlanzeige! Hier sollte sich mal die Union lautstark zu Wort melden!
    Auch Herr Graulich hat bereits in einem Spiegelinterview darauf hingewiesen, dass die unzureichenden gesetzlichen Grundlagen ein großes Defizit darstellen. Also, worauf wartet die Politik noch?
    Solche Überlegungen scheinen unserer NSA-Versteherin Merkel fremd zu sein. Dazu kommt ihr unnachahmliches Talent, Dinge auszusitzen, Wein - sprich: Aufklärung - zu predigen und Wasser - sprich: Vertuschung - zu praktizieren.

    Verkehrte Welt?
    http://youtu.be/QqoSPmtOYc8

    "Wir werden nicht abgehört, die NSA achtet Recht und Gesetz"!
    http://youtu.be/_a_hz2Uw34Y

    "Stellt Euch vor, wir lauschen gerne: Goethe, Kant und auch Beethoven"!
    http://youtu.be/pcc6MbYyoM4

  • könnten wir das mit der NSA abkürzen? Die NSA hört grundsätzlich *alle* ab, schöne Artikel wäre jetzt die über die Ausnahmen und warum?

    /K

  • In gut informierten Medien wurde berichtet, dass aufgrund der NSA-Spitzeleien herauskam, dass das Ehepaar Merkel sich in Paraguay eine 15-Hektar große Hazienda gekauft hat.

    Sie befindet sich in direkter Nachbarschaft zu Ex-Präsident Bush und anderen Volksschädlingen.

    Könnte es sein, dass die Ratte das sinkende EU-Schiff verlässt und ihr geprelltes Volk lebenslang mit den Folgen ihrer katastrophalen Politik alleine läßt?

  • "Und die Terroristen sitzen eben im Bundestag und den Ministerien."

    Richtig; und sie (die Terroristen) wurden von uns gewählt (???), werden von uns Steuerzahlern bezahlt und vertreten unsere Interessen - sprich- "regieren" zu unserem Wohle...

  • Deine Freude von der NSA
    -------------------
    Sie spionieren uns aus und hören uns ab.
    Dabei erhalten sie auch Hilfe vom BND und GCHQ.
    Aber sie betreiben natürlich KEINE Wirtschaftsspionage.
    Es geht NUR um Terrorbekämpfung!Und die Terroristen sitzen eben im Bundestag und den Ministerien.

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