Weitere Enthüllung im Abhörskandal
Zu viel Zynismus

Achselzucken allerlanden: Niemand – auch die meisten Minister nicht – würde für mehr Sicherheit konkrete Einschränkungen des Surfverhaltens hinnehmen. Gespäht werde ja ohnehin. Doch diese Haltung ist gefährlich.
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BerlinNiemanden, absolut niemanden werden die jüngsten Wikileaks-Enthüllungen noch überraschen. Die NSA hörte nicht nur das Kanzlerinnen-Handy ab, sondern gleich die halbe Bundesregierung? Na klar, wer etwas anderes erwartet hatte, ist doch hoffnungslos naiv!

Das politische Berlin wie das ganze Land reagiert heute, gut zwei Jahre nachdem Edward Snowden die Dimensionen der NSA-Spionage offenzulegen begann, mit der Abgeklärtheit des Zynikers.
Jeder, der in einem Ministerium, im Bundestag oder auch in den Lobbyabteilungen der Unternehmen mit halbwegs sensitivem Material hantiert, geht inzwischen davon aus, dass ihn irgendein Geheimdienst unter Wind hat.

Ob amerikanisch, britisch, russisch, chinesisch oder auch französisch. Man schützt sich, so gut man kann und solange es nicht allzu viele Umstände macht. Das Gros der Abgeordneten, ein paar ausgebuffte Sicherheitspolitiker vielleicht ausgenommen, rechtfertigt den eigenen Leichtsinn vor sich selbst mit dem Argument, gegen die Dienste sei doch ohnehin kein Kraut gewachsen.

Das Parlament ist auch hier nur ein Abbild des Volkes: Welcher Internetnutzer ist schon bereit, für die abstrakte Gefahr des Überwachtwerdens – ob durch Google oder die NSA – konkrete Einschränkungen seines Surfverhaltens hinzunehmen?

Die meisten Bürger zucken ohnehin nur mit den Achseln: Spione spionieren nunmal, dafür sind sie da. Und Freunde gibt es im Privaten, nicht aber in der internationalen Politik. Allenfalls Partner.
Zuviel abgeklärter Zynismus aber ist auf Dauer schädlich. Wir dürfen uns nicht einfach daran gewöhnen, dass unsere Regierenden von engen Partnern im großen Stil abgehört werden. Das ist und bleibt eine Sauerei.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

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