Weitere Förderung
Betriebsrente steht vor einem Boom

Zuletzt hatten deutlich weniger Beschäftigte eine Betriebsrente abgeschlossen. Der Grund: das drohende Auslaufen der Förderung. Nach der Entscheidung des Bundeskabinetts, die Betriebsrenten weiter zu fördern, wird sich das ändern, sagen Experten. Die zweite Säule der Altersvorsorge steht vor einem Boom.

BERLIN. Nach der Entscheidung des Bundeskabinetts für die weitere Förderung von Betriebsrenten wird die zweite Säule der Altersvorsorge nach Meinung von Experten kräftig an Bedeutung gewinnen. „Die Regierung hat eine schwere Hypothek von uns genommen“, sagte Heribert Karch, der Geschäftsführer des Versorgungswerks Metallrente, dem Handelsblatt: „Jetzt wird die betriebliche Altersvorsorge ihre ureigene Stärke zeigen.“ Volksfürsorge-Vorstand Hans Melchiors sagte einen „starken Zuwachs“ der betrieblichen Vorsorge voraus.

Auf Vorschlag von Sozialminister Franz Müntefering (SPD) hatte das Kabinett gestern beschlossen, die eigentlich 2009 auslaufende Sozialabgabenbefreiung der Entgeltumwandlung trotz drohender Milliardeneinbußen für die Sozialversicherungen unbefristet fortzusetzen. Wenn der Bundestag erwartungsgemäß zustimmt, können Arbeitnehmer weiter bis zu 2 520 Euro im Jahr von ihrem Bruttogehalt für eine Betriebsrente ansparen, ohne darauf Steuern und Sozialabgaben bezahlen zu müssen. Auch Vize-Regierungssprecher Thomas Steg zeigte sich überzeugt, dass nun „noch mehr Bürger die Notwendigkeit einer zusätzlichen Vorsorge fürs Alter erkennen“.

Bislang stecken rund drei Millionen Arbeitnehmer Teile ihres Gehalts in eine betriebliche Altersvorsorge. Wegen des drohenden Auslaufens der Förderung gingen die Neuabschlüsse nach Branchenangaben im ersten Halbjahr aber um 20 bis 30 Prozent zurück. Auch Steg räumte ein, die „Unsicherheit“ über den künftigen gesetzlichen Rahmen habe zuletzt den Ausbau der Betriebsrenten belastet.

Entsprechend positiv fielen gestern die meisten Reaktionen auf den Kabinettsbeschluss aus. „Damit kann der Zug weiter in Richtung Zuwachs der betrieblichen Altersvorsorge rollen“, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach lobte die Entgeltumwandlung als „Erfolgskonzept“ gerade in Branchen, in denen sich – wie beispielsweise in der Chemieindustrie – die Arbeitgeber an den Aufwendungen beteiligen.

Mit einem gemeinsamen Brief vom 12. Juni hatten Arbeitgeberpräsident Hundt und DGB-Chef Michael Sommer letztlich den Ausschlag für die Fortsetzung der Förderung gegeben. Bis dahin hatte die Bundesregierung stets mit Hinweis auf die ansonsten drohenden Beitragsausfälle für die Sozialversicherungen auf die Gesetzeslage verwiesen. Nach der Intervention der Sozialpartner vollzog Müntefering eine Kehrtwende und kündigte die Fortsetzung der Abgabenbefreiung an.

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