Weiteren Schaden abwenden
Regierung fordert Welteke zum Rücktritt auf

Die Bundesregierung hat den wegen der Hotelkosten-Affäre in die Kritik geratenen Bundesbank-Präsidenten Ernst Welteke zum Rücktritt aufgefordert.

HB FRANKFURT/MAIN/BERLIN. Berlin verlangte am Mittwochabend weitergehende Konsequenzen aus der Luxushotel-Affäre Weltekes. Ein bloßes Ruhenlassen der Amtsgeschäfte, wie dies Welteke auf Empfehlung des Bundesbank-Vorstandes am Mittwoch zusagte, reiche nicht aus, machte das Finanzministerium am Abend deutlich. Nach Auffassung von Beobachtern wird sich Welteke kaum länger halten können, zumal der Bundesbankchef nicht aus den Schlagzeilen kommen dürfte.

Der Bundesbank-Vorstand hatte am Mittwoch mehr als sieben Stunden über die Zukunft Weltekes beraten und hatte ihm schließlich wegen der laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen empfohlen, seine Amtsgeschäfte ruhen zu lassen. Einen hinreichenden Grund für eine Abberufung gebe es jedoch nicht, teilte das Gremium mit. Entlassen werden könne der Präsident einer nationalen Notenbank nur, wenn er eine „schwere Verfehlung“ begangen habe, entschieden Weltekes sieben Vorstandskollegen. Bundesbank-Vize Jürgen Stark (55) solle Welteke im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) vertreten.

Berlin kritisierte, der Beschluss des Bundesbank-Vorstandes trage dem Ziel nicht Rechnung, das hohe Ansehen der Institution zu bewahren. Die Bundesregierung gehe davon aus, dass der Bundesbank- Präsident „in seiner Verantwortung vor dem Amt und der Institution Bundesbank die notwendigen Konsequenzen ziehen wird“, teilte das Ministerium mit. Amt wie Institution müssten vor weiterem Schaden bewahrt werden. Das gebiete ihre Stellung gegenüber den Finanzmärkten als auch die Mitgliedschaft im Rat der EZB.

Die Bundesregierung hatte sich am Mittwoch bereits auf die Berufung eines Nachfolgers eingestellt und dafür den Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Caio Koch-Weser (59), in Betracht gezogen. Berlin hat bei einer Neubesetzung des Postens das Vorschlagsrecht.

Welteke hatte sich und seiner Familie die Kosten von 7 660 € für die Unterbringung im Berliner Luxushotel Adlon zur Jahreswende der Euro-Bargeldeinführung 2001/2002 von der Dresdner Bank bezahlen lassen. Am Montag beglich der 61-Jährige die Rechnung nachträglich zum Teil selbst, für den „dienstlichen Teil“ kam sein Arbeitgeber auf.

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