Weiterhin dringender Tatverdacht
Hamburger Terroristenprozess: Angeklagter bleibt in Haft

Der im Hamburger El-Kaida-Prozess angeklagte Marokkaner Abdelghani Mzoudi kommt nicht auf freien Fuß.

HB HAMBURG. Der Vorsitzende Richter des Hanseatischen Oberlandesgerichts, Klaus Rühle, lehnte am Mittwoch einen Antrag der Verteidigung des Angeklagten ab, Mzoudi aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Rühle sagte zur Begründung, Mzoudi sei weiterhin dringend verdächtig, Mitglied in einer terroristischen Vereinigung gewesen zu sein und die Vorbereitung der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA unterstützt zu haben, bei denen fast 3 000 Menschen starben.

Die Verteidigung Mzoudis hatte die Haftentlassung nach der Zeugenaussage von Verfassungsschutz-Chef Heinz Fromm am vergangenen Freitag beantragt. Fromm hatte gesagt, die Anschläge seien nicht in Hamburg von der Gruppe um den mutmaßlichen Flugzeugentführer Mohammed Atta geplant worden, sondern von der El-Kaida-Organisation des Moslemextremisten Osama bin Laden in Afghanistan. Die Verteidigung bewertete die Aussage als klare Entlastung ihres Mandanten. Rühle sagte dagegen nun, die Aussage Fromms stehe der Anklage nicht entgegen.

Die Bundesanwaltschaft hatte bereits am Freitag dem Antrag der verteidigung widersprochen. Die rechtliche und tatsächliche Bewertung der bisherigen Hauptverhandlung habe ergeben, dass hier „eine Gruppe war, die konkrete Anschläge plante“, zu denen Mzoudi Beihilfe geleistet habe, bekräftigte Bundesanwalt Walter Hemberger am Mittwoch. Das sei auch durch die Aussage von Fromm nicht in Frage gestellt. In der Aussage Fromms sähen die Anwälte zu Unrecht eine Entlastung.

Zuvor hatte der im Düsseldorfer El-Tawid-Verfahren angeklagte Shadi Abdalla am Mittwoch vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht berichtet, dass er im Frühjahr 2000 Mzoudi in einem afghanischen El- Kaida-Lager getroffen habe. Mit dieser Aussage wurde im Prozess erstmals konkret der Vorwurf der Anklage bestätigt, dass Mzoudi zu diesem Zeitpunkt in Kandahar war. Der 27-jährige Zeuge steht in einem Zeugenschutzprogramm, war mit Perücke und Brille maskiert und im Gerichtsgebäude ständig von Polizisten in Zivil begleitet.

Während seiner militärischen Grundausbildung bei Kandahar habe er Osama Bin Laden gehört, der zu den Menschen im Camp sagte: „Betet für Eure Brüder, es wird einen Anschlag geben“, sagte Abdalla. Wo, wann, und was für eine Art von Anschlag stattfinden sollte, sei nicht gesagt worden. Im Camp habe der Zeuge auch den „Bin Laden-Vertrauten“ Ramzi Binalshibh getroffen. Dieser habe bei den Sicherheitsleuten Bin Ladens gelebt. Auch den Angeklagten Mzoudi und den bereits als Terrorhelfer in Hamburg zu 15 Jahren Haft verurteilten Mounir El Motassadeq habe er bei Kandahar gesehen, allerdings nur unter Tarnnamen gekannt. Was Mzoudi in dem Lager getan habe, könne er nicht sagen, da er den Angeklagten nur kurz getroffen habe. Der Prozess wird am 6. November mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.

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