Weiterhin positiv bewertet
Finanzministerium steht zu REITs

Obwohl Steuerexperten aus Bund und Ländern gravierende Bedenken haben ist das Bundesfinanzministerium weiterhin offen für den Plan, zu Beginn des kommenden Jahres einen Markt für handelbare Immobilienwerte (REITs) in Deutschland zu schaffen. Kapitalmarktexperten warnten angesichts ähnlicher Pläne in Großbritannien, vor einer zu großen Verzögerung.

HB BERLIN/FRANKFURT. „Das Ministerium steht dem Vorhaben weiter grundsätzlich positiv gegenüber“, sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Berlin. In Regierungskreisen hieß es, ein Gutachten der Arbeitsgruppe von Steuerexperten aus Bund und Ländern werde in die Entscheidungsfindung einbezogen, stelle aber nicht das alleinige Beurteilungskriterium dar. In Kreisen der Arbeitsgruppe waren zuvor Zeitungsberichte bestätigt worden, wonach die Experten zum Teil auf gravierende Probleme hingewiesen hätten, die durch eine Einführung von REITs entstehen könnten. Die Versicherungswirtschaft forderte Bundesfinanzminister Hans Eichel auf, in der ersten Jahreshälfte einen Gesetzesentwurf vorzulegen, um einen Markt für REITs zu schaffen.

Real Estate Investment Trusts (REITs) sind etwa in den USA und den Niederlanden seit langem bewährte Anlageinstrumente. In Japan gibt es sie seit 2000, in Frankreich seit 2003. Dort hat der Markt trotz seines kurzen Bestehens ein beachtliches Volumen erreicht. REITs nach ausländischem Vorbild sind eine Mischform aus einer börsennotierten Aktiengesellschaft, die sich überwiegend mit der Verwaltung von Immobilien befasst, und einem Investmentfonds. Die Gewinne der Unternehmen werden zu 90 % an ihre Anleger ausgeschüttet. Dort fallen auch die Steuern an.

Kapitalmarktexperten befürchten nun, dass REITs in Deutschland nicht wie geplant Anfang 2006 eingeführt werden können und so ein Nachteil für den Finanzplatz Deutschland entstehen könnte. „Die Politik muss sich darüber im Klaren sein, dass sie möglicherweise eine einmalige Chance verspielt wenn sie zu lange zögert“, sagte Martin Praum, Immobilien-Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim. „Wer sich als erster bewegt, hat da sicherlich die Möglichkeit, den Markt für sich zu gestalten“, sagte Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) mit Blick auf Pläne der britischen Regierung, im Sommer 2006 ebenfalls REITS einzuführen. „Wenn London da einen zeitlichen Vorsprung hätte, wäre das sicherlich nicht gut für den Finanzplatz Deutschland.“ Große US-Investoren, die ihr Portfolio um außeramerikanische Immobilien erweitern wollten, würden dann zunächst sicher in Großbritannien anlegen.

Das entscheidende Problem zur Schaffung der REITs ist nach Angaben aus den Kreisen der Arbeitsgruppe die Besteuerung von ausländischen Anteilseignern. So verwiesen die Experten auf die Beispiele Schweiz und Norwegen. Zwischen der Bundesrepublik und diesen Ländern bestünden Doppelsteuerabkommen. In denen sei vorgesehen, dass bei einem Anteilspaket von mehr als zehn Prozent faktisch ein Steuersatz von Null auf Dividenden fällig werde. Mit anderen Ländern gebe es Abkommen, die ebenfalls zu einem niedrigen Steuersatz von lediglich fünf Prozent führen könnten. Die Experten fürchteten deshalb, dass sich durch die Regelungen mit dem Ausland Steuerschlupflöcher ergäben, die zu Mindereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden führten.

Der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Bernhard Schareck, sagte, falls es gelinge, bei der Einführung von REITs anlegerfreundliche Regelungen zu schaffen, bestünden gute Chancen für ein neues erfolgreiches Anlageinstrument. Die Versicherer gehören traditionell zu den größten Immobilienanlegern: „Derzeit hat die Assekuranz rund 60 Mrd. € in Immobilien investiert“, sagte Schareck.

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