Welle des Unmuts
Gehälter der Gesundheitslobby im Visier

Seit Tagen überbieten sich Vertreter aller politischer Parteien mit ihrer Kritik an den zum Teil zweistelligen Gehaltserhöhungen, die die Verwaltungsräte etlicher Krankenkassen ihren Vorständen vergangenes Jahr genehmigt haben. Nun droht die Welle des Unmuts auch die ähnlich gut bezahlten Chefs der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) zu erreichen.

BERLIN. Der Gesundheitsökonom Karl Lauterbach und der Vorsitzende des Marburger Bunds, Frank Ulrich Montgomery, entdeckten die bereits im Februar veröffentlichen Gehälter der Ärztefürsten als erste. Deren Einkommen, machte Lauterbach seinem Unmut Luft, seien sogar noch skandalöser, da es sich bei den KVen anders als bei den Kassen nur um Bürokratien zur Abrechnung der Arzthonorare handele. Sie trügen anders als die Kassen keinerlei wirtschaftliches Risiko und behinderten den Wettbewerb im Gesundheitswesen statt ihn zu fördern. Montgomery sprach von „astronomischen“ und „überdimensionierten“ Bezügen. Bundeskanzler Gerhard Schröder betonte am Abend, Ziel der Gesundheitsreform sei die Entlastung der Krankenkassen gewesen. „Gedacht war diese für Beitragssenkungen und nicht für Gehaltserhöhungen.“

Tatsächlich können sich die KV-Chefs mit den Managern der Kassen messen. Mit 162 000 Euro plus den Einnahmen aus einer zeitlich allerdings begrenzten Nebentätigkeit als Arzt rangiert die Chefin der KV Berlin, Angelika Prehn, am unteren Ende der Skala. An der Spitze liegt Niedersachsens KV-Chef Eberhard Gramsch mit 250 000 Euro. Der Mediziner muss sich allerdings die Einkünfte aus seiner Praxistätigkeit aufs Gehalt anrechnen lassen.´

Andreas Köhler, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, muss auf jede ärztliche Nebentätigkeit verzichten. Mit 260 000 Euro führt der für die Interessenvertretung von 140 000 Ärzten zuständige oberste Ärztefunktionär naturgemäß die Gehaltsliste an. Zum Vergleich: Bei den Kassenmanagern reicht die Spanne von bescheidenen 88 000 Euro, wie sie der Chef der IKK-Südwest verdient, bis zur Jahresbezügen von mehr als 200 000 Euro.

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