Weltklimakonferenz
Mehr Ehrgeiz gefordert

In Berlin ringen derzeit Union, FDP und Grüne um einen Kompromiss bei den Themen Energie und Klima. Währenddessen diskutiert die Welt in Bonn zwei Wochen lang darüber, wie der Klimawandel gebremst werden kann.
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BerlinDie 23. Weltklimakonferenz ist eröffnet. Ab heute ringen in Bonn die Vertreter von 195 Staaten zwei Wochen lang über Mittel und Wege, die Erderwärmung aufzuhalten. Die Präsidentschaft obliegt dem pazifischen Inselstaat Fidschi. Deutschland agiert als gastgebende Nation, da auf Fidschi kaum genug Platz für die etwa 1000 Teilnehmer an der Konferenz ist. Zum Auftakt kündigte die Bundesregierung an, Entwicklungsländer mit weiteren 100 Millionen Euro bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Damit, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), wolle Deutschland „einen guten ersten Impuls für eine konstruktive Verhandlungsatmosphäre setzen“.

Frank Bainimarama, Ministerpräsident der Republik Fidschi, sprach von einer Mission. „Wir dürfen nicht versagen“, mahnte er bei der Eröffnung der jährlich einmal stattfindenden Konferenz. „Lassen Sie uns die harten Entscheidungen treffen, die wir treffen müssen.“ Konkret geht es um die Umsetzung des Klimaabkommens, das vor zwei Jahren in Paris verabschiedet worden war. Damals einigte sich die Weltgemeinschaft darauf, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im vorindustriellen Vergleich zu begrenzen, möglichst auf 1,5 Grad. Um das aber umzusetzen, müssen die Staaten beim Klimaschutz nachlegen. Im Moment steuert die Welt Klimaforschern zufolge eher auf eine Erwärmung von drei Grad zu.

Die meteorologische Abteilung der Vereinten Nationen (WMO) berichtete, dass das Jahr 2017 zu einem der drei wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden könnte. Die Temperaturen von Januar bis September lagen um durchschnittlich 1,1 Grad über dem vorindustriellen Niveau. „Zerstörerische Stürme, verlängerte Trockenzeiten, heftiger Starkregen: Die Folgen der rasanten Erderhitzung sind weltweit nicht zu übersehen“, kommentierte Karsten Smid, Klimaexperte der Umweltorganisation Greenpeace. Doch die Staaten ignorierten die nötigen Konsequenzen und senkten ihren CO2-Ausstoß nicht so schnell, wie sie es in Paris versprochen haben. „Dieser Teufelskreis muss in Bonn durchbrochen werden“, sagte Smid. „Die Zeit rennt uns davon.“

Es muss also nachgesteuert werden. Die Länder müssen ambitionierter werden und vor allem braucht es Richtlinien, um die Klimaschutzpläne der einzelnen Länder überhaupt messbar und vergleichbar zu machen. Auch sind Regeln erforderlich, wie Fortschritte gemessen und dokumentiert werden sollen. Im Fokus in Bonn steht darum die Vorbereitung eines Regelbuchs, das im nächsten Jahr bei der Klimakonferenz in Polen verabschiedet werden kann.

„Wir müssen erhebliche Fortschritte machen, das Pariser Abkommen umzusetzen und uns dabei von dem großen Bild leiten lassen“, sagte Umweltministerin Hendricks in ihrer auf Englisch gehaltenen Eröffnungsrede. Erstens, der Klimawandel sei wissenschaftlich erwiesen, die Auswirkungen heute schon spürbar. Zweitens, das Pariser Klimaabkommen sei unumkehrbar. Man müsse alles tun, um es umzusetzen. Und drittens, jeder Dollar, der heute investiert werde, zahle sich aus: in besserer Luft, besserer Gesundheit und neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten.

Klimaschutz sei eine Überlebensfrage der Menschheit, sagte auch Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Gelinge es nicht, die Erderwärmung signifikant zu begrenzen, werde ein Leben auf der Erde, wie wir es heute kennen würden, nicht mehr möglich sein. „Jede Zeitverzögerung treibt die Kosten in die Höhe. Wer glaubt, wir können uns den Klimaschutz nicht leisten, der macht eine falsche Rechnung auf.“

Kommentare zu " Weltklimakonferenz: Mehr Ehrgeiz gefordert"

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  • Europa schießt sich in seiner Euphorie die Welt zu retten, selbst seine Knie kaputt, und die Welt läuft lachend an uns vorbei.

  • "Klimaschutz sei eine Überlebensfrage der Menschheit, sagte auch Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU)."

    - Wenn es wirklich eine "Überlebensfrage" wäre, hätte man wohl kaum Probleme Atomkraftwerke einzusetzen, die bekanntlich keine nennenswerten Emissionen haben (außer Wolken). Und selbst die extremsten grüne Untergangspropheten müssen zugeben, daß weder Tschernobyl noch Fukushima die Menschheit (oder Tierarten, oder Pfanzen) nahe zum Aussterben gebracht hätten.
    Die Tatsache daß man eine perfekte Klimalösung wie die Atomkraft einfach so nebenbei abweist, zeigt ganz klar, daß es eben n i c h t um eine Überlebensfrage geht. Das Klima ist eine weltpolitische Kampagne zur Schwächung der Industrienationen und Stärkung der Entwicklungsländer.

  • Und was sonst noch so los ist:

    http://www.politikversagen.net/

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