Wen-Besuch: „China bleibt Stütze deutscher Exporte“

Wen-Besuch
„China bleibt Stütze deutscher Exporte“

Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao hat seinen Deutschland-Besuch am Donnerstag mit einem Frühstück bei Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt begonnen. Die deutsche Wirtschaft sieht China trotz der Wirtschaftskrise als immer wichtigeren Partner - warnt aber vor protektionistischen Tendenzen.

BERLIN. "Der Einbruch des Wirtschaftswachstums weltweit gemeinsame Lösungen notweniger denn je", sagte Jürgen Hambrecht, Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschuss des deutschen Wirtschaft (APA) zum Auftakt des Deutschland-Besuches des chinesischen Ministerpräsident Wen Jiabao, dem Handelsblatt. "China kommt eine wachsende Bedeutung zu, denn es gehört zu den wenigen Handelspartner, bei denen auch 2009 mit Exportzuwächsen zu rechnen ist", betonte auch Axel Nitschke, Außenwirtschaftschef des DIHK. "Damit wird China eine Stütze für den deutschen Export sein, der momentan mit starken Einbrüchen zu kämpfen hat."

2008 stiegen die deutschen Exporte von Januar bis Ende November um 14,3 Prozent auf 31,3 Mrd. Euro an, die Importe aus China im selben Zeitraum um 5,6 Prozent auf 54,3 Mrd. Euro. China ist damit zum drittwichtigsten Importland Deutschlands geworden und zugleich zum größten asiatischen Handelspartner.

Sowohl der APA als auch der DIHK warnen nun vor protektionistischen Tendenzen. "Alleingänge und Abschottung sind die falschen Rezepte - in der EU wie in China", mahnte BASF-Chef Hambrecht. "Nationale Konjunkturprogramme dürfen keine protektionistische Hürde sein, weil sonst das Vertrauen in die Zusammenarbeit Schaden nimmt." DIHK-Experte Nitschke sagte, man erwarte nun "ein Signal für den Freihandel".

Das Motto des Wen-Besuches sollte lauten: "Enge Partnerschaft mit China in Zeiten der Krise - jetzt erst Recht!" Ganz unproblematisch sind Beziehungen trotz der wachsenden Handelszahlen aber nicht. So beklagen deutsche Firmen weiter illegale Produktnachbauten in China. "Von der chinesischen Regierung wünschen wir deshalb uns mehr Entgegenkommen bei der Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte, der Freiwilligkeit des Technologietransfers und der Vereinheitlichung von Normen und Standards", sagte Hambrecht.

Gerade mit Blick auf das riesige Konjunkturprogramm von umgerechnet 470 Mrd. Euro mahnt der APA aber auch Wettbewerbsgleichheit an. "Deutsche Firmen, die in China investiert haben und dort produzieren, sollten sich schon bald mit Tochterfirmen und Joint Ventures auch an öffentlichen Aufträgen etwa im Kraftwerksbau beteiligen dürfen.", forderte Hambrecht. Tatsächlich klagen Firmen immer wieder, dass selbst Joint Venture von Ausschreibungen mit dem Hinweis ausgeschlossen werden, sie seien "ausländische Firmen".

Dennoch sieht die Industrie das chinesische Konjunkturprogramm als Chance an. "Vor allem beim Ausbau von Infrastruktur und Umwelttechnologien erwarten wir zusätzliche Impulse für die deutsche Wirtschaft", sagte DIHK-Experte Nitschke. Auch von der geplanten Stärkung der Binnennachfrage in China könnte Deutschland profitieren. "Schließlich ist Deutschland mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent Chinas wichtigster Technologielieferant."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%