Weniger Mitglieder, steigende Kosten SPD buhlt um PKV-Kunden

Den privaten Krankenversicherern in Deutschland gehen die Mitglieder aus. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht das Modell der PKV vor einer düsteren Zukunft – und prognostiziert: „Keine Überlebenschance.“
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Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, sagt: „Die PKV hat ein Demografierisiko.“ Quelle: dpa
SPD-Gesundheitsexperte

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, sagt: „Die PKV hat ein Demografierisiko.“

(Foto: dpa)

BerlinNachdem neue Zahlen bekannt wurden, denen zufolge die privaten Krankenversicherungen in Deutschland bereits seit fünf Jahren mehr Mitglieder verlieren, als sie neu von den gesetzlichen Krankenkassen abwerben, läutet die SPD das Totenglöckchen für die rund 40 privaten Krankenversicherungsunternehmen. „Die Zahlen zeigen deutlich, dass die PKV keine Überlebenschance mehr hat“, so der stellvertretenden Fraktionsvorsitzender der SPD Karl Lauterbach.

Die PKV müsse verschwinden und das nicht nur, weil sie verantwortlich dafür sei, dass es in Deutschland eine Zwei-Klassen-Medizin gebe. Das Problem sei vielmehr, dass sich dieses Geschäftsmodell nicht mehr lange halten könne. „Die PKV hat ein doppeltes Demografieproblem“ erläuterte Lauterbach. Zum einen hat sie anders als die gesetzliche Krankenversicherung keinerlei Stellschrauben, um die Behandlungskosten ihrer Versicherten zu steuern. „Sie sieht sich daher mit einem ungebremsten Kostenanstieg konfrontiert, der in Zukunft wegen der Alterung der Gesellschaft stark zunehmen wird.“

Diese Alterung war für die privaten Krankenversicherungen lange kein Problem, weil Versicherte die Möglichkeit hatten, in vorgerücktem Alter in die gesetzliche Krankenkasse zurückzukehren. So konnten sie durch vorübergehende Senkung der Arbeitszeit ihr Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze drücken, um so versicherungspflichtig in der gesetzlichen Kasse zu werden. Dieser Weg ist den Älteren jedoch seit 2001 versperrt. Seither haben Menschen, die das 55. Lebensjahr erreicht haben, keine Möglichkeit mehr, in die gesetzliche Versicherung zurückzukehren. „Daher hat die PKV heute auch ein Demografierisiko“, sagt Lauterbach.

Von einem doppelten Risiko spricht der SPD-Gesundheitsexperte deshalb, weil die Lebenserwartung privat Versicherter um rund zehn Jahre höher sei als die der gesetzlich Versicherten. Damit werde die PKV in den kommenden Jahren immer mehr alte Versicherte unter ihren Mitgliedern haben, während der Nachwuchs an Jungen ausbleibt.

Nach den aktuellen Angaben der Bundesregierung gingen bereits in den vergangenen fünf Jahren den PKV-Unternehmen etwa 189.000 Vollversicherte verloren. Zwischen 2012 und 2015 wechselten demnach gut 609.000 Privatversicherte in eine gesetzliche Kasse. Den Weg vom gesetzlichen ins private System gingen nur noch knapp 520.000 Versicherte. Unter dem Strich wechselten also rund 90.000 Menschen mehr von der privaten in eine gesetzliche Kasse als umgekehrt.

Für Lauterbach ist klar, dass diese Entwicklung zu einem negativen Ausleseprozess führen wird, der die Tarife der privaten Versicherer immer stärker steigen ließe. Denn klar sei, dass die Über-55-Jährigen in der PKV bleiben müssen, so Lauterbach. Eine Rückkehr in die GKV kann es nach geltendem Recht nur für die Jüngeren geben. Dies aber werde die Kostendynamik zusätzlich verschärfen.

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13 Kommentare zu "Weniger Mitglieder, steigende Kosten: SPD buhlt um PKV-Kunden"

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  • @Hr. Schuhmann: Ich hatte es doch in meinem vorherigen Post erklärt, dass die PKV-Versicherten länger leben, ist weitestgehend ein statistischer Zusammenhang und bestenfalls zu seinem sehr geringfügigen Umfang auf die bessere ärztliche Behandlung der PKV-Patienten zurück zu führen. Es ist schlicht so, dass in die PKV nur gesunde Gutverdiener reinkommen, die länger leben, weil sie gesunde Gutverdiener sind. Und dann nochmal ein paar Tage länger, weil es sich für die Krankenhäuser jeden Tag 3,5 mal lohnt, die lebenserhaltenden Maschinen einen Tag länger laufen zu lassen.

    Ihr Vorschlag ist finanziell völliger Unfug, die PKV hat in jedem einzelnen Teilbereich - sei es Akquise, Verwaltungskosten, Marketing, Behandlungskosten, egal was - höhere Ausgaben als die GKVn. Und dazu das im Artikel beschriebene massive Demographie- und Zinsproblem. Privatisierung hat historisch betrachtet erstaunlich wenige Erfolge vorzuweisen und stellt sie insbesondere bei der grundlegenden "Infrastruktur" einer Gemeinschaft auch vor ein massives moralisches Problem - das, wenn Sie es ignorieren, durch "soziale Unruhen" auch schnell sehr unmoralisch werden dürfte.

    Sie haben natürlich brav verinnerlicht, dass die Kapitaldeckung die Wunderlösung für alles ist - leider ist das absoluter Unfug. Tatsächlich ist das Umlagesystem sehr viel sicherer, weil es nur echte Werte verteilt, das, was tatsächlich da ist. Und nicht Fantasiepuffer aus hochspekulierten Aktien-und Anleihewerten.

    Daher nochmal: Was Bismark in Sinn hatte, von wegen Bedürftige etc., ist schlicht überholt - man darf ja auch nicht vergessen, in welcher Zeit der Mann gelebt hat, das war noch ne echte Klassengesellschaft.

    Deswegen nochmal: Erstmal solidarischer Beitrag von allen in ein einheitliches System. Meinetwegen mit 10 Krankenkassen, das macht ausreichend "Wettbewerb". Und dann Zusatzversicherungen für alle, die das wollen.

    Aber man darf (sollte, aus Eigennnutz) dem Markt nicht die Grundpfeiler des Systems überlassen.

  • Herr Lauterbach beklagt dass gesetzlich Versicherte zehn Jahre weniger leben als Privatversicherte und um das zu ändern möchte er die private Krankenversicherung abschaffen das alle gleichlang lebe. Bei einem Menschen mit gesundem Menschenverstand wirkt dieser sogenannte Experte bestenfalls erheiternd. Die gesetzliche Krankenkasse wurde für bedürftige entwickelt und nicht für alle.Deshalb sollte sie auch nur für bedürftige da sein. Alle anderen sollte man zu Privatpatienten machen und für Familien sollte es spezielle Familientarife geben, die aus Steuermitteln finanziert werden. So werden auch Kinderlose und Kinderlose Paare solidarisch beteiligt. Der Kassenarzt gehört abgeschafft. Eine Zwangs AOK a la Lauterbach ist ein ideologischer Popanz .

  • @Hr. Glatzel: Was Herr Bismark vor 150 Jahren im Sinn hatte, ist doch heute herzlich egal. Und Solidarität ist immer Umverteilung, was soll es denn sonst sein? Übrigens auch aus purem Eigennutz, denn wenn Sie nennenswerte Teile der Bevölkerung nicht am Reichtum einer Gesellschaft teilhaben oder sogar unter ein (gefühltes/relatives/individuelles) Existenzminimum fallen lassen, dann haben Sie eben ganz schnell die Revolution an der Backe oder als Vorstufe stark ansteigende Kriminalität. Alle Systeme streben immer nach Ausgleich. Eine gewisse "kapitalistische" Spannung ist sicher förderlich, wenn Sie den Bogen überspannen, kostet es Sie am Ende deutlich mehr, als wenn Sie ein bißchen was abgegeben hätten.

    Ob das über Steuern oder Sozialbeiträge geschieht, macht doch nun wirklich keinen Unterschied, linke Tasche, rechte Tasche. Entscheidender ist, wen man wie stark zur Finanzierung einbezieht und welche Kosten man "human" einsparen kann.
    Aber dafür, dass das System "nicht funktioniert", funktioniert es eigentlich seit vielen Jahrzehnten doch relativ gut. Mal abgesehen davon, dass die Versorgung der Älteren immer teurer wird. Aber das liegt ja eher an Ärzten und Pharmaunternehmen, deswegen leidet ja auch die PKV drunter.

    Wo Sie Ihre Zahlen dann hernehmen, weiß ich nicht - habe mal kurz beim Bundesgesundheitsministerium auf der Homepage nachgeschaut, da stehen andere.
    Wenn es Sie interessiert, hier - http://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Gesundheit/Broschueren/161019_BMG_DdGW.pdf - auf den Seiten 135 und 136 geht's um die GKV, PKV kommt in den späteren Kapiteln.

    War also wieder Unsinn, was Sie geschrieben haben. Das war einfach. Soll ich Ihnen jetzt noch sagen, wo Sie (meiner bescheidenen Meinung nach) eigentlich nichts verloren haben ;-)?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • @Herr F. Gessw.: Solidarität, wie von Bismarck gemeint, hat einen Namen - deutsche Sozialversicherung für Bedürftige. Solidarität, wie Sie es verstehen, hat eine Staatsform: Soziale Marktwirtschaft - und die Solidarität, die Sie einfordern, wird durch die Steuer erhoben, sei es Einkommenssteuer, MwSt. oder Sonstiges - aber dafür 85% der Bevölkerung in ein nicht funktionierendes Kassensystem zu zwingen, und die darin tätigen Leistungserbringer zu erpressen, dafür bedarf es schon einige Schönfärberei, um an diese von Ihnen beschriebene Solidarität zu glauben. Hier geht es um Umverteilung - jährlich 176 Milliarden Euro - und davon landen nur ca. 69 Milliarden Euro in der Krankenversorgung, der Rest sind mehr oder weniger Wahlgeschenke.
    Apropos - sind Sie bedürftig? - wenn nein, dann haben Sie in der GKV eigentlich nichts verloren...

  • Sozialisten haben halt keine Ruhe, bis das letzte bisschen an Eigenvorsorge, welche irgendein Bundesbürger irgendwann mal betrieben hat, Eingang in das sozialistische Kollektiv gefunden hat, vor diesem Hintergrund ist die Private Krankenversicherung mittel- bis langfristig genauso in ihrer Exisdtenz bedroht wie das Privateigentum. Eigenvorsorge und Eigenverantwortlichkeit sind halt Fremdworte in jedem kommunistischen Ssystem, denn so eine Einstellung ist politisch genauso unerwünscht wie Privateigentum. Bestes Beispiel ist der Zugriff des Staates bei der Auszahlung der Direktversicherung.Danke Ulla Schmidt! Mal sehen wie sich das noch steigern lässt.
    Und Herr Lauterbach sollte denn mal so ehrlich sein und auch die Nachteile des Gesetzlichen Krankenversicherung benennen, die beispielsweise in einem organisioerten Abrechnungsbetrug (Siehe Vorfälle in Bayern) oder der beitragsfreien Versicherung komplett beitragsfreier Ausländer zu identifiezieren sind. Die dann mit Zuzahlungen, steiegenden Arbeitnehmerbeiträgen und dem systematischen Streichen von Leistungen sowie dem flächendeckenden Rückzug von Ärzten im Zuge der Budgetierung zu identifizieren sind.

    Sozialversicherungsbeiträge sind in meinen Augen vor allem eines: Steuern, über die man nach Gutsherrenart verfügen kann.

  • @Herr Glatzel: Es fällt mir sehr schwer, das jetzt neutral und auch noch höflich zu formulieren - verdient hätten sie es mit so einem Beitrag ja nicht - denn was Sie mit so schön in INSM-Sprech verpacken, lautet ja im Klartext: "Solidarität schön und gut, aber das heißt ja, dass die Gesunden für die Kranken zahlen. Wenn man die einfach selbst ihre Krankheiten zahlen lassen bzw. halt einfach verrecken lassen würde, könnte ich mir mehr Kaviar kaufen. Das wäre besser!"

    Denken Sie doch nochmal drüber nach.

  • Wir sprechen von einem Zwangssystem der "Gesundheitssteuer" Krankenkassenbeitrag vs. einem Versicherungssystem auf der Basis einer Risikobewertung.
    Solange sich eine sozialpolitische Machtelite vorbehält, mehr als 85% der Bevölkerung in Geiselhaft für sozialpolitische Träumereien zu nehmen, wird da nichts draus mit einer wirtschaftlichen und leistungs- oder risikoadaptiven Krankenversicherung,
    Und wir dürfen Herrn Lauterbach und die Befürworter einer Zwangsmitgliedschaft in diesem Gesetzliche Krankenkasse System daran erinnern, dass nur durch die über 700 Seiten Sozialgesetzbuch 5 mit einer Regelungswut und Zwangsmaßnahmen ausserhalb grundgesetzrechtlicher Ansprüche dieses der Linkspopulisten hochgelobte System noch funktioniert. Man lasse sich das nur einmal auf der Zunge zergehen..."Patienten Rechte Stärkungsgesetz"....auf deutsch: "Ihr bekommt etwas, was wir den anderen per Gesetz ohne Bezahlung rausgepresst haben - wie die Lebberwurscht - und das geht so lange eben, bis sie platzt oder leer ist" - des Kaisers neue Kleider....

  • @Herr Dohse: Sie verbreiten den Unsinn. Der PKV-Versicherte spart sich diverse Arztgänge, weil es über Selbstbehalte und Beitragsrückerstattungen incentiviert bzw. teilweise sogar erzwungen wird.
    Die Ausgaben pro Kopf sind natürlich geringer, da hier nur das gutverdienende - und schon wegen dadurch bedingt besserer Lebensumstände gesündere - und natürlich handverleseen gesundheitsgeprüfte Klientel versichert ist.

    Die private Krankenvollversicherung ist eine asoziale Verarschung der Gemeinschaft, eine weitere Rosinenpickerei der Gutverdiener und natürlich für Beamte - denn das sind die Abgeordneten ja, die es beschlossen und sich dabei eingeschlossen haben. Wenn die PKV einen Sozialausgleich zu den Geringverdienern, den Flüchtlingen, den Arbeitslosen und den von Kind an chronisch Kranken leisten müsste, wäre sie schon längst kaputt.

    Die GKV hat geringe Verwaltungskosten, geringere Akquisekosten, geringere Ausgaben für Werbung etc., und natürlich, dazu braucht es ja wirklich kein Mathestudium, auch geringere Ausgaben für die Kranken, denn sie zahlt natürlich einfach viel weniger für jede Behandlung - aber hat eben auch solidarisch alle die "Risiken" (Versicherersprech) im Bestand, die die PKV bei der ersten Gelegenheit los wird oder gar nicht erst reinlässt - die chronisch Kranken etc.
    Ja, viele GKVn, speziell die AOKn, mögen viele nutzlose Politiker in den Aufsichtsräten sitzen haben, das könnte und sollte man ändern, auch bei Sparkassen etc. Aber trotzdem laufen die Sparkassen immer noch stabiler und vor allem skandalfreier als die Großbanken und die AOKn besser als die meisten PKVn.

    @Hr Loeffler, ich hab's ja oben schon erwähnt, dass PKV-Versicherte länger leben, hat weniger mit der GKV zu tun als mit dem statistischen Zusammenhang, dass dort die Gutverdiener versichert sind.

    Jeder sollte sich erstmal am Solidarsystem beteiligen, mit ALLEN Einnahmen. Und wer mehr will, soll sich privat zusatz-versichern können. Das wäre soziale Marktwirtschaft.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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