Weniger Überschuldung
Deutsches Jobwunder lässt Zahl der Privatpleiten sinken

Mit den Arbeitslosenzahlen sinkt auch die Zahl der Privatpleiten in Deutschland. Die Zahl der überschuldeten Bundesbürger ist auf 6,9 Millionen gefallen - 470 000 weniger als im Vorjahr. Doch Experten warnen: Der Rückgang könnte nur eine Momentaufnahme sein.

DÜSSELDORF. Die kräftig gesunkenen Arbeitslosenzahlen haben die Überschuldung privater Haushalte auf den tiefsten Stand seit 2004 gedrückt. Nach Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform gelten heute 10,1 Prozent der Erwachsenen als überschuldet. 6,9 Millionen Bundesbürger – und damit 470 000 Menschen weniger als vor einem Jahr – könnten ihre Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen, erläuterte Creditreform-Chef Helmut Rödl bei der Vorstellung seines Schuldneratlas. Die günstigste Schuldnerquote weist Bayern auf: Dort sind nur gut sieben Prozent der Haushalte überschuldet. Zum Vergleich: In Bremen beträgt die Quote 15, in Berlin 14 Prozent.

Doch genauso rasch, wie die Daten gesunken sind, könnte die Zahl der überschuldeten Haushalte bald wieder steigen. Denn der Arbeitsmarkt reagiert erst mit Verzögerung auf eine Konjunkturkrise – und wiederum mit Verzögerung steigt die Zahl der überschuldeten Haushalte, warnt Creditreform. „Der Rückgang könnte nur eine Momentaufnahme sein“, sagte Rödl. Möglicherweise rolle auf Deutschland gerade eine neue „Überschuldungswelle“ zu.

Neben den „klassischen“ Verschuldungsrisiken wie Arbeitslosigkeit, Scheidung oder übertriebenem Konsum gewinnen inzwischen andere Faktoren eine immer größere Bedeutung auf dem Weg in die Schuldenfalle. Hierzu gehörten auch die drastisch gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise. Gerade Geringverdiener litten überproportional unter der hohen Inflation, sagte Rödl. Klar feststellbar sei darüber hinaus ein Süd-Nord-Gefälle.

Dabei steht Deutschland im internationale Vergleich noch günstig dar: Rund 35 Millionen US-Amerikaner sind derzeit überschuldet. Das ist jeder siebte – Tendenz steigend. Der konjunkturelle Abschwung werde zu einem deutlichen Anstieg der Kreditkartenausfälle und damit zu einem „drastischen Anstieg“ der Schuldnerquoten führen. Und das hätte fatale Folgen für den gesamtwirtschaftlichen Konsum. Denn Amerikaner finanzieren rund ein Viertel ihrer Ausgaben auf Pump. Drehen die Banken den Kredithahn wegen Überschuldung zu, bricht der Konsum ein – dagegen finanzieren die Deutschen ihre Lebensgewohnheiten nur zu 15 Prozent mit Krediten.

Die Konsequenz: Das Volumen der Konsumentenkredite ist in den USA mit 3,3 Billionen Euro fünfzehn Mal so groß wie in Deutschland. Die hohen Ausfallquoten von über sechs Prozent sorgen in den USA für Verluste durch ausgefallene Konsumentenkredite von fast 200 Mrd. Euro. Zum Vergleich: In Deutschland dürften nur etwa sieben Mrd. Euro Verbraucherkredite ausfallen, schätzt Creditreform.

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