Werner Gatzer
Herr über die Finanzspritze

Werner Gatzer gehört nicht zu den bekanntesten Köpfen im Berliner Regierungsviertel. Trotzdem hat der SPD-Politiker einen wichtigen Job. Als Oberaufseher der Staatshilfen verwaltet der Staatssekretär im Finanzministerium die Konjunkturmillionen. Auch in der Krise zeichnet sich der Rheinländer durch seine Gelassenheit aus.

Werner Gatzer bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Selbst in schwierigsten Situation bleibt der Staatssekretär von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) überdurchschnittlich gelassen. Probleme sind für den Spitzenbeamten da, um gelöst zu werden. Sprüche wie „Et kütt wie et kütt“ gehören auch im Berliner Regierungszirkus zu den Lieblingsweisheiten des 50-jährigen Rheinländers, der im Finanzministerium für die undankbare Haushaltspolitik zuständig ist. „Wie soll man das sonst aushalten?“, fragt der studierte Jurist. Es ist halt nicht immer Karneval.

In diesen Tagen hat SPD-Mitglied Gatzer wieder einmal wenig Grund zu lachen. Schuld sind nicht die miesen Umfragewerte der eigenen Partei, sondern öffentliche Kritik am bisher geringen Geldfluss aus dem Investitionsfonds des Bundes. Von den zehn Mrd. Euro, die der Bund für die Sanierung von Schulen, Straßen und Krankenhäusern als Konjunkturprogramm zur Verfügung gestellt hat, sind bisher erst ein paar klägliche Millionen abgeflossen. Ist das Herzstück des Konjunkturpakets ein Flop?

Gatzer, der als Staatssekretär die Oberaufsicht über die Investitionsmittel hat, lässt sich von solcher Kritik nicht irritieren. „Das sind Wasserstandsmeldungen, die überhaupt nicht den aktuellen Entwicklungen entsprechen“, sagt er. Tatsächlich seien nämlich schon mehrere Tausend Projektvorhaben angemeldet worden. Bis allerdings die Länder die Rechnungen beim Bund einreichen, vergehen oft Wochen.

Druck auf die Bundesländer und Kommunen will der Haushaltsstaatssekretär nicht ausüben. Er habe auf unzähligen Diskussionsveranstaltungen im ganzen Land für die Investitionsmilliarden geworben. Mehr könne der Bund nicht machen. Jetzt seien die Kommunen am Zug. Ewig steht das Angebot des Bundes aber nicht: „Geld gibt es nur bis Ende 2011“, sagt Gatzer. Ob der Staatssekretär dann noch für die Konjunkturmittel zuständig ist, entscheidet sich nach der Bundestagswahl.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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