Werner Schnappauf
BDI holt umstrittenen Politiker ins Haus

Der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf soll künftig die Geschäfte des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) führen. Der CSU-Politiker gilt als Apparatschik; wegen einiger Skandale wurde über seinen Rücktritt spekuliert. Erste Reaktionen aus der Wirtschaft zeigen, dass die Unternehmer nicht gerade entzückt sind von der Entscheidung der BDI-Spitze.

MÜNCHEN/BERLIN. In Industriekreisen wurde die Personalie Schnappauf am Dienstag bestätigt. Verbandspräsident Jürgen Thumann werde Schnappauf am 24. September Präsidium und Vorstand präsentieren. Mit der Personalie will Thumann eine monatelange Hängepartie beenden, die ihm auch in den eigenen Reihen Kritik eingetragen hat. In Wirtschaftskreisen stieß die Entscheidung Thumanns auf ein zurückhaltendes Echo. Schnappauf hat derzeit in Bayern mit Problemen zu kämpfen.

Thumann war vergangenes Jahr mit dem Versuch gescheitert, den CDU-Politiker Norbert Röttgen für die Nachfolge des langjährigen BDI-Hauptgeschäftsführers Ludolf von Wartenberg zu gewinnen. Nachdem von Wartenberg zum Jahreswechsel aus Altersgründen ausgeschieden war, blieb der Posten des Hauptgeschäftsführers verwaist. Zurzeit bekleidet Klaus Bräunig kommissarisch das Amt des Sprechers der Hauptgeschäftsführung.

Thumann hatte stets betont, er wolle einen Mann mit politischem Background für die Aufgabe gewinnen. Zuletzt hatte Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach als Favorit gegolten. In Wirtschaftskreisen hieß es am Dienstag, die Entscheidung für Schnappauf überrasche. Es sei nicht zu erkennen, dass der CSU-Politiker mit dem Berliner Politikbetrieb auch nur im Ansatz vertraut sei. Die politische Lobby-Arbeit am Regierungssitz zählt jedoch zu den zentralen Aufgaben des Verbandes. „Wer die Politik von den Argumenten der Wirtschaft überzeugen will, sollte die Entscheidungsträger kennen“, hieß es.

Ein Sprecher der bayerischen Staatskanzlei sagte, Schnappauf kandidiere für eine „herausragende Aufgabe“. Der Chef der bayerischen SPD-Landtagsfraktion, Franz Maget, meinte dagegen, der CSU-Politiker komme vermutlich seinem Rücktritt zuvor. Schnappauf steht derzeit wegen der Fleischskandale in Bayern in der Kritik. Kein anderes Kabinettsmitglied im Freistaat musste sich in jüngster Vergangenheit häufiger mit Rücktrittsforderungen auseinander setzen als der 54-jährige promovierte Jurist. Auch in den eigenen Reihen hat er mitunter einen schweren Stand.

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