Westerwelle und Merz im Hochsauerland
„Unschuldiges Wandern“ mit Politprominenz

Eine ganz "unschuldige Wanderung" sei das, sagt FDP-Chef Guido Westerwelle, als er am Samstag mit dem ehemaligen CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz im Hochsauerland zu einer gemeinsamen Wanderung aufbricht. Was angeblich ein freundschaftlicher Ausflug ist, lässt Raum für Spekulationen.

HB WINTERBERG. Beide sind braun gebrannt, bester Laune und mit gutem Schuhwerk ausgestattet. Ein Detail ist interpretationswürdig: Westerwelles Schuhe haben zwar keine 18 mehr unten auf der Sohle wie früher. Aber sie sind schwarz und haben gelbe Schnürsenkel. Der FDP-Chef analysiert: "Das Gelbe hält sie zusammen." Der Wanderfreund spielt derweil die Bedeutung des Treffens herunter. "Wir kennen uns schon seit Studentenzeiten. Aber mehr ist es nicht", sagt Merz zu Berichten, er liebäugele wegen seiner wirtschaftsliberalen Ansichten mit einem Wechsel zur FDP. Zumal er nach dem gemeinsamen Wandern in Merz' Wahlkreis demnächst auch noch demnächst auf einer Klausur der FDP-Bundestagsfraktion spricht.

Westerwelle sagt dazu: "Ich wandere mit einer Stulle in der Tasche, nicht mit einem Aufnahmeantrag für die FDP." An die lange Tradition an Politiker-Wanderungen, bei denen wichtige Themen besprochen wurden, erinnern sich sich die beiden Männer in ihren roten und Regenjacken dennoch. Westerwelle, der demnächst zum Tegernsee will, erhält von Merz als Tipp, er müsse sich dort unbedingt den Tisch anschauen, an dem die einstigen Vorsitzenden von CDU und CSU, Helmut Kohl und Franz Josef Strauß, zusammensaßen. Offiziell geht es bei der Drei-Stunden-Wanderung in 800 Metern Höhe am Samstag um das Thema "Deutschland und die Globalisierung".

Da kann sich Merz als Mahner der Union zeigen. Vor der Landtagswahl in Bayern Ende September stellt er fest, dass die CSU "noch nah an der Mitte der Gesellschaft" sei. Deren Forderung nach Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale könne zu einer Entlastung der Bürger führen. Schließlich habe sich die Bundesregierung zu einer großen Steuerreform nicht durchringen können. Selbst wenn er 2009 definitiv nicht nochmals für den Bundestag kandidiere, sagt Merz, sei für die CDU "meine dringende Empfehlung, dass dies eine Richtungsentscheidung wird und keine Entscheidung über den Kanzler".

Bei der naheliegenden Frage nach seiner Meinung über Bundeskanzlerin Angela Merkel - die ihn 2002 als Fraktionsvorsitzende abgelöst hatte - lobt der CDU-Mann im karierten Hemd deren Außenpolitik als "hervorragend". Die Kritik überlässt er dem FDP - Kollegen, der dann auch noch einige freundliche Komplimente an Merz verteilt. Der Rechtsanwalt habe einen "klaren inneren Kompass", was er bei der CDU heute häufig vermisse. Köpfe wie Merz seien in der CDU/CSU-Fraktion nur selten zu finden.

Die rund 200 Sauerländer aus Merz' Wahlkreis, in dem bei der vorigen Wahl mit absoluter Mehrheit für ihn gestimmt wurde, applaudieren dem Liberalen wie dem Unionspolitiker gleichermaßen. Und auch wenn Westerwelle mit der Nähe zu seinem "alten Freund" etwas mehr kokettiert als Merz selbst - als sich den beiden bei der Wanderung ein Schlagbaum in den Weg stellt, packen sie gemeinsam an.

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