Westerwelle: Wir sind für die Neuwahl bereit
Bei der FDP bleibt der große Jubel aus

Die Nachricht schlug im Thomas-Dehler-Haus wie eine Bombe ein. Parteichef Guido Westerwelle war unter dem Jubel der Liberalen auf das Podium geklettert und hatte gerade zwei, drei Minuten die mageren 6,4 Prozent seiner Partei als großen Sieg verkauft, als ihm ein Parteisprecher ein Handy reichte. Westerwelle stutzte, konnte es kaum glauben, was er da als SMS-Botschaft las.

BERLIN. Der FDP-Chef zögerte ein paar Sekunden. Unter den Liberalen breitete sich schlagartig schon etwas wie Angst mit der bangen Frage aus, ob das Wahlergebnis vielleicht doch nicht so ausgefallen sei. Doch dann setzte Westerwelle das ein, was er am besten kann: seine Redegabe. "Liebe Parteifreunde. Der SPD-Chef hat gerade Neuwahlen angekündigt. Die Liberalen sind jederzeit dazu bereit", tönte Westerwelle in Richtung Rot-Grün. Der Rest ging im frenetischen Applaus unter.

Dabei wollte kurz nach 18 Uhr mit der Prognose noch keine rechte Stimmung aufkommen. "Regierungswechsel, ein Riesenerfolg. Aber nur wegen einer sehr starken CDU", war die Analyse der Liberalen an den blau-gelben Tischen in der Parteizentrale. Beifall brandete vor allem dann auf, wenn bei jeder neuen Umfrage der dritte Platz vor den Grünen verteidigt wurde.

Mit den angekündigten Neuwahlen bereits im Herbst dieses Jahres dürfte auch die Diskussion um die Führungsrolle Westerwelles endgültig verschwunden sein. "Eine parteiinterne Debatte um Westerwelle wäre ein paar Monate vor der Wahl politischer Selbstmord", war die übereinstimmende Meinung. Eine Diskussion, die Westerwelle bei einer Niederlage durchaus hätte drohen können. Denn bis zum Schluss gab es immer wieder die Befürchtung, die Wahl könne wieder einmal durch ein schlechtes Ergebnis der FDP verloren gehen.

Westerwelles politischer Kurs war vor allem bei den Altvorderen auf Unverständnis gestoßen. Fraktionschef Wolfgang Gerhardt hatte jüngst ein Regierungsprogramm vorgelegt, das hauptsächlich er geschrieben hatte. Den Anlass für die interne Diskussion um die Ausrichtung der Partei hatte das Wahlergebnis des schleswig-holsteinischen Landesverbandes gegeben. Landeschef Wolfgang Kubicki scheiterte im Schlussspurt und verpasste mit lediglich 6,6 Prozent die Regierungsbeteiligung. Die Christdemokraten gingen mit der SPD eine große Koalition ein. Ein Szenario, das sich gestern bei der Wahlparty in Berlin noch keiner vorstellen wollte.

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