Westerwelles Indien-Reise
Multikulti-Debatte im Koffer

Merkels Aussage „der Ansatz für Multikulti" gescheitert, sorgt für Fragen. Fern der Heimat muss Guido Westerwelle Indern beantworten, was in Deutschland debattiert wird. Und der Außenminister gefällt sich in der Rolle des besonnen Staatsmanns, der den sprachlichen Fauxpas seiner Chefin ausbügelt.
  • 2

NEU-DELHI. Die Gedenkstätte für Mahatma Gandhi in Neu-Delhi ist ein Ort denkbar weit weg von der Berliner Innenpolitik. Aber auch hier, in dem weiß getünchten Kolonialbau mit den historischen Fotografien aus Gandhis Leben an den Wänden, holt die deutsche Integrationsdebatte Guido Westerwelle wieder ein. Ein Gespräch mit indischen Intellektuellen steht auf dem Programm. Sie sollen dem deutschen Außenminister auf Staatsbesuch die Politik und Gesellschaft ihres Landes erklären. Doch eigentlich sind es die Inder, die von Westerwelle eine Erklärung wollen: Was bedeutet die Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel, der „Ansatz für Multikulti“ in Deutschland sei gescheitert?

Die Frage hat Westerwelle während seines dreitägigen Staatsbesuchs schon mehrfach gestellt bekommen. Bei jedem seiner öffentlichen Auftritte ist sie gefallen: Auf der Pressekonferenz mit indischen Journalisten, beim Treffen mit Studenten und Professoren von Delhis Eliteuniversität Indian Institute of Technology und jetzt wieder in der illustren Intellektuellenrunde. Wie ein roter Faden durchzieht sie die erste Indienreise des Außenministers.

Westerwelle sonnt sich in seiner Rolle

Er hat sie stets mit den gleichen Argumenten pariert. Wer in Deutschland lebe, der müsse auch dessen Werte und Gesetze respektieren und bereit sein, die deutsche Sprache zu lernen. Nur so habe die Kanzlerin das gemeint. Deutschland sei eine tolerante, offene Gesellschaft und wolle das bleiben. Das Thema kommt Westerwelle sichtlich gelegen. Endlich einmal ist er nicht der glücklose FDP-Chef und Vizekanzler, der mit unbedachten Äußerungen Kanzlerin und Koalition in Schwierigkeiten bringt, sondern der Ausputzer. Westerwelle sonnt sich in der Rolle des besonnenen Staatsmannes, der Merkels Fauxpas auf der internationalen Bühne wieder ausbügeln muss. „Kommen Sie zu uns, und überzeugen Sie sich von Deutschlands Offenheit“, fordert er seine Gesprächspartner auf.

Seite 1:

Multikulti-Debatte im Koffer

Seite 2:

Kommentare zu " Westerwelles Indien-Reise: Multikulti-Debatte im Koffer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Multikulti ist nicht gescheitert, sondern der islam in Deutschland. Das werden die inder verstehen, die ebenfalls mit radikalen Muslimen ihren Ärger haben.
    Wir sollten aufhören alle anderen Völker bei uns
    neben die Muslime zu stellen, das ist nicht fair. Asiaten und ihre Kinder z.b sind Vorbildlich, hier von gescheiterten Multikulti zu reden ist dann rassistisch. Es sind und es bleiben die Muslime
    die wo immer sie auf der Welt sind, zu Großkotzigkeit und Herrschaftsansprüche neigen.
    Ohne Muslime in Deutschland hätten wir 70 % weniger Ärger im Haus.

  • Der christliche Glaube wird missbraucht, um konservative und rechte Stimmen zu sammeln. besonders am rechten Rand hält Alexander Görlach das für eine Gefahr: http://bit.ly/9keznm

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%