What's right?
Der CDU droht ein Debakel

Eigentlich wäre die anstehende Hamburg-Wahl nur örtlich von Bedeutung. Doch dieses Mal geht es um mehr. Die SPD wird wohl glanzlos gewinnen, die AfD wird punkten, sogar die FDP darf hoffen – und die CDU hat ein Problem.
  • 16

Die Bürgerschaftswahl in Hamburg wäre für die Geschicke Deutschlands normalerweise so wichtig wie eine Hafenrundfahrt des Rotary-Cubs Blankenese. Eine gediegene Sache von örtlicher Bedeutung, für die Republik aber reichlich egal. Doch diesmal ist das anders. Das Land ist nach EZB-Geldflut und Griechenextremismus, nach Pegida-Märschen und islamistischen Attentaten aufgewühlt, und es wird 2015 keine wichtigere Wahl mehr geben, denn nur Bremen darf noch an die Urnen.

Der 15. Februar ist also plötzlich wichtig geworden – als ein Gradmesser der politischen Temperatur im Land. Dabei bahnen sich Überraschungen an. Die SPD hatte gehofft, dass sie mit einem triumphalen Wahlsieg des beliebten Bürgermeisters Olaf Scholz die CDU endlich einmal rundherum düpieren und ihre bundespolitische Dauer-Verzwergung bei 25 Prozent Umfragewerten vergessen machen kann.

Doch ganz so triumphal wird der Wahlsieg wohl nicht ausfallen. Scholz drohen deutliche Verluste und die absolute Mehrheit vom vergangenen Mal dürfte ihm entgleiten. Im Rennen um die Kanzlerkandidatur 2017 wirft ihn das zurück, und Gabriel wird am Wahlabend wohl auch deshalb strahlen. Aber der Eindruck, dass die SPD insgesamt brav stagniert, vertieft sich.

Vor allem das wahrscheinlich solide Ergebnis der Linken und deren Wiedereinzug in ein Westparlament dürfte die SPD schmerzen. Denn die Linken schienen bereits auf dem Rückzug aus Westdeutschland; in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind sie aus den Landesparlamenten abgewählt worden.

Ähnliches wäre auch in Hamburg denkbar gewesen, doch Thüringen hat die SED-Nachfolgepartei wieder ins politische Spiel der Republik zurück gebracht. Strategen der SPD ahnen inzwischen, wie nachhaltig der Fehler gewesen ist als Juniorpartner in Erfurt den Linken das bundespolitische Überleben zu sichern.

Wirklich spannend aber wird die Hamburg-Wahl im bürgerlichen Lager. Gleich drei Signalüberraschungen könnte der Urnengang bringen. Erstens hat die schon mausetot geglaubte FDP eine echte Comeback-Chance. Das liegt nicht nur daran, dass Christian Lindner seiner schwer verwundeten Partei neue Farben und – deutlich wichtiger – ein gutes Stück Würde zurück verliehen hat. Auch die ungewöhnlich sichtbare und umtriebige Spitzenkandidatin Katja Suding spielt dabei eine Rolle.

Vor allem aber könnte die FDP davon profitieren, dass einige CDU-Wähler bei dieser Wahl taktisch FDP wählen, weil die CDU ohnedies nicht gewinnen kann, aber das Überleben der FDP für die politische Kultur für wichtig gehalten wird. Am Ende könnte dieser Leihstimmen-Trend sogar dazu führen, dass Olaf Scholz eine sozial-liberale Koalition bildet – was gut zu Hamburg passt.

Seite 1:

Der CDU droht ein Debakel

Seite 2:

Die CDU wirkt blutleer und ausgeschwemmt

Kommentare zu " What's right?: Der CDU droht ein Debakel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hamburg wird schwierig für die AfD! Es ist zu einem großen Teil ein Klientel aus linkschaotischen und anarchotypischen Wählern, und es war kein Zufall, daß gerade hier die Attentäter von 9/11 jahrelangvöllig unauffällig gelebt (und auf Kosten des Steuerzahlers) studiert haben. Tip: 6%+X (Bei KORREKTER Stimmenauszählung auch mehr).

  • die FDP darf hoffen? so ein Blödsinn! die kommen auf 0,9% wenn der Bürger wüßte dass die bereits die Gesetze zur zwangsenteignung aller Sparer schon haben schreiben lassen.

  • Herr Weimar unterschlägt mit seinem Loblied auf die FDP einiges. So mögen konservative Wähler sich mehr konservatives Profil bei der CDU wünschen.
    Nur: Dieses konservative Profil finden sie bei der internationalistisch angehauchten und Homoehe und Haschischfreigabe das Wort redenden FDP nun wahrlich noch viel weniger. Familienwerte symbolisiert die Spitzenkandidatin Suding, die von Ehemann und Kinder getrennt lebt, des Weiteren auch nicht. Die eitle Schaumschlägerei mit vermeintlich sexy Damenbeinen und Werbeplakaten wie "Herr" Katja Suding dürften im wertkonservativen bürgerlichen Milieu auch nicht verfangen. Und wenn die Hamburger FDP innerlich so toll ist, warum verlässt dann eingeweihtes Spitzenpersonal exodusartig die Partei. Hamburg ist in vielerlei Hinsicht eine eitel-nichtige Glitzerstadt. Eine manchmal substanzlose Stadt des schönen Scheins. Möglich, dass die eitel Glitterkandidatin Suding die FDP in einer solchen Stadt retten kann. Mit Substanz und ehrbar sozial-konservativen Werten hätte dies gegebenenfalls aber nun wirklich nichts zu tun. Möge diese FDP-Rettung deshalb nie stattfinden!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%