What's Right?
Schützt endlich unsere Grenzen

Die Migrationskrise weitet sich zum historischen Drama aus. Es kommen immer gewaltigere Massen an Zuwanderern. Am Wochenende soll ein EU-Sondergipfel Notmaßnahmen beraten. Es wird Zeit, die Grenzen wieder zu sichern.
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BerlinNun sind es mehr als 10.000 Migranten pro Tag. Der Massenansturm auf Mitteleuropa nimmt nicht bloß dramatische, er nimmt historische Dimensionen an. Griechenland, Mazedonien, Serbien, Slowenien, Kroatien, Ungarn, Österreich – ein Land nach dem anderen meldet katastrophale Zustände; man werde der Massen einfach nicht mehr Herr.

Die Wirklichkeit überholt alle Zahlen und Prognosen im Stunden-Rhythmus. Beim derzeitigen Ansturm werden eine Million Menschen in nur einem Quartal kommen. Und sie kommen längst nicht mehr nur aus Kriegsgebieten. In immer mehr Ländern Afrikas und Asiens machen sich Migranten mit der Aussicht auf ein besseres Leben in Deutschland auf den Weg. Es handelt sich nicht mehr um eine Flüchtlingsbewegung, sondern um eine Völkerwanderung.

In den Ländern Europas wachsen daher Ärger und Angst über Angela Merkels Politik radikal offener Grenzen. „Sie hat eigenmächtig eine Völkerwanderung befördert. Wir wurden nicht gefragt, aber wir alle müssen darunter leiden“, heißt es bei südosteuropäischen Diplomaten in Brüssel. Es würden hunderttausende, vorwiegend muslimische Männer in unkontrollierter Massenzuwanderung nach Europa drängen. Dafür gäbe es schlichtweg keine Akzeptanz in der Bevölkerung. Ein kontinentaler Rechtsruck und schwere innenpolitische Spannungen seien absehbar.

Auch in Deutschland fällt Merkels Beliebtheit wie nasses Herbstlaub. Die Umfragen signalisieren einen spektakulären Wetterumschlag in ihrer zehnjährigen Kanzlerschaft. Die Stimmung in Deutschland verdüstert sich und wird zusehends aggressiv – von Pegida-Demonstrationen bis zum Kölner Attentat auf die Politikerin Henriette Reker. Die Kommunen sind völlig überfordert, erschöpfte Hilfsdienste schlagen Alarm. Hunderte von Bürgermeistern und Landräten schreiben der Kanzlerin verzweifelte Briefe nach Berlin – man könne nicht noch mehr aufnehmen.

Hunderttausende von Flüchtlingen werden dieses Jahr in Deutschland Asyl beantragen. Was denken sie? Was wollen sie? Weil die Neuankömmlinge noch immer vielsprachig sprachlos sind, will das Handelsblatt ihnen eine Stimme geben: Auf 50 Seiten sprechen und schreiben Künstler und Unternehmer, Schriftsteller, Ärzte und Ingenieure, Männer und Frauen aus Afghanistan, Iran und und Irak, Syrien, Eritrea aber auch dem Kosovo über Merkel und Europa, Heidenau und das Schleppergeschäft – aber auch die Sorgen der Deutschen, mit denen sie nun konfrontiert werden. Das komplette Dossier als PDF zum Download.

In Berlin vertreten inzwischen auch die meisten Verantwortlichen in SPD und Union die Meinung, der unkontrollierte Massenansturm müsse dringend gedrosselt werden – nur wie?
Die politische Klasse ahnt, dass man in irgendeiner Form die Grenzen schützen, vielleicht sogar schließen muss, damit die Lage in Deutschland nicht aus den Fugen gerät.
Das allerdings bedeutet für Angela Merkel und die Willkommensaktivisten des Sommers eine völlige Kehrtwende ihrer Politik. Darum werden fieberhaft Grenzsicherungen gesucht, die nicht so aussehen wie Grenzsicherungen. Drei Varianten stehen zur Debatte.

1. Variante: Türkische Grenzpolizei

Angela Merkel versucht, mit viel Geld und allerlei diplomatischen Zugeständnissen die Türkei als Grenzpolizei für Europa zu engagieren. Das Kalkül: Man zahlt Ankara einige Milliarden dafür, dass die Türken ihre Grenzen nach Europa schließen, weil man das selber nicht machen möchte. Der Vorteil dieser Strategie - der Gesichtsverlust der Kanzlerin würde vermieden, man verlagert die Konflikte an ferne Grenzen und spart sich schwere Integrationsprobleme in Europa. Der Nachteil: Man schließt einen moralisch zweifelhaften Bund mit einem Despoten und Krieger. Erdogan kann damit Europa auf Jahre hinaus erpressen. Obendrein opfert man die Kurden und die Menschenrechte und die eigene Integrität.

Kommentare zu " What's Right?: Schützt endlich unsere Grenzen"

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  • Es sagte mal ein bekannter Rhetoriker: "die große Kunst guter Rede ist es, schwierige Sachverhalte kurz, klar und deutlich kundzutun. " Man nehme ... sich ein Beispiel.

  • Liebe Leser. Die Kommentarfunktion ist geschlossen. Leserbriefe und interessante Beiträge zur Debatte nehmen wir gerne unter debatte@handelsblatt.com entgegen. Beste Grüße aus der Redaktion.

  • "welche Drogen nehmen Sie denn? Geht das auch in einem vernünftigen Satz?"

    Leider nicht so kompakt. Dass es in dieser Form dann zugegeben "sperrig" wirkt und Ihre Auffasungsgabe sprengt, tut mir leid. Ich schätze in spätestens 2 Jahren wird es aber so offensichtlich sein, dass auch Sie die Zusammenhänge der chaotischen Zustände in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen erkennen. Lesen Sie dann noch mal drüber...

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