Flüchtlingspolitik bei What's right

Merkel kauft sich eine türkische Grenzpolizei

Die Bundeskanzlerin will die Fehler ihrer Offen-Tor-Politik nicht korrigieren und weigert sich, die eigenen Grenzen zu schützen. Sie setzt auf die Strategie, die Türkei mit Milliarden als Grenzpolizei zu engagieren.
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Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Angela Merkels Offentor-Politik ist grandios gescheitert. Es braucht weder Seehofers Alarmrufe noch Schröders Planlosigkeitsvorwurf noch Schäubles Lawinenmahnung noch De Maizières Verzweiflungsakte noch das Wort vom „Jahrhundertfehler“, das im Bundestag die Runde macht. Die Erdrutsch-Umfragen zeigen es ihr, jeder Hilferuf deutscher Bürgermeister und Landräte, die dramatischen Polizeimeldungen wie die ergebnislosen EU-Konferenzen. Angela Merkel weiß es selbst.

Die Bundeskanzlerin müsste eigentlich umkehren, sich revidieren, die Grenzen schützen, eine Moratoriums-Rede an die Welt halten und die Willkommenskultur um eine Wahrheitskultur ergänzen. Und diese Wahrheit lautet: Mit einer unkontrollierten, illegalen Masseneinwanderung kann es unmöglich weiter gehen. Anstatt dass wir das schaffen, schafft das uns.

Doch die Kanzlerin scheut den Gesichtsverlust, einen Fehler korrigieren zu müssen – und sei er in bester Absicht gemacht worden. Sie weigert sich mit dem Trotz einer norddeutschen Fundamentaltheologin umzukehren.

Ausgerechnet das kluge Chamäleon im Kanzleramt, das Politik seit Jahren als summierende, Farben wechselnde Nachhut-Veranstaltung organisiert, ausgerechnet die Meisterin der Geschmeidigkeit ist plötzlich stur. Man fühlt sich an Arthur Schnitzler erinnert: Der Trotz ist die Stärke der Schwachen - und eine Schwäche mehr.

Das Dilemma Angela Merkels besteht darin, dass sie die Grenzen in irgendeiner Form wieder schützen muss – aber zugleich genau das vermeiden will. Also verfällt sie auf die imperiale Idee, sich eine ferne Grenzpolizei zu kaufen, die den unangenehmen, aber unvermeidlichen Grenzschutz übernimmt, den man selber nicht machen will. Kurzum: Die Türkei soll Europas Grenzpolizei werden.

Da derzeit 90 Prozent der Migranten über die Türkei nach Europa einreisen, und die türkische Regierung einiges tut, die illegale Massenflucht nach Europa eher zu befördern als zu kontrollieren, liegt der Schlüssel zur Lösung der Migrationskrise tatsächlich in Ankara. Doch hat diese altrömisch-imperiale Strategie, Grenzvölker zur Schutzwallsicherung zu söldnern, gleich mehrere Probleme.

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70 Kommentare zu "Flüchtlingspolitik bei What's right : Merkel kauft sich eine türkische Grenzpolizei"

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  • .... einer ist keiner?

  • Mache doch die Anderen, strengt manchen auch zuviel an.

  • Europa hat zulange und zufett aus den Kreditöpfen gelebt und die Deutschen vorneweg. Leute, das ist die Quittung.

  • Na, dann wehr dich doch endlich und laber hier nicht rum!

  • Sie müssen Ihr Land schon selbst verteidigen, ansonsten werden Sie abgelöst oder besser geschrieben heimatlos.

  • "Sich in vollständige Abhängigkeit von Herrn Erdogan zu begeben, wie es Frau Merkel vorhat, ist eine absurde Politik."

    Und er kann alles von ihr verlangen, was er will.

    Die Grünen jubeln.

  • Versuche es mal im Bett!

    ....oder liegt da keiner?

  • Eigentlich braucht Deutschland ja noch mal soviele Einwanderer. Woher sollen die eigentlich kommen, wenn nicht vom Balkan und vorderen Orient?

  • Falls Erdogan wirklich dicht machen sollte, dann nehmen die Flüchtlinge eben den Weg über Russland und dann mit dem Fahrrad nach Finnland. Hab letztens in N-TV gesehen, dass ein Syrer sagte...er habe im Fernsehen gesehen, dass Finnland so schöne Städte habe, da hat er sich eben auf den Weg gemacht um dort zu studieren, außerdem sie diese Route nicht gefährlich...
    Die Finnen kommen garnicht hinterher die Fahrräder einzuschmelzen.
    Dank Smartphone und sozialer Netzwerke ist das doch alles kein Problem

  • Sich in vollständige Abhängigkeit von Herrn Erdogan zu begeben, wie es Frau Merkel vorhat, ist eine absurde Politik.

    Der Nachfolger von Frau Merkel muss eine europäische Grenzsicherung vornehmen, sowohl was die Aussengrenzen der EU angeht als auch innereuropäische Grenzsicherungen wie es Ungarn, Kroatien, Slowenien und jetzt auch Österreich mit einer physischen Grenzsicherung in Gestalt von Grenzzäunen praktizieren.

    Merkels Politik ist vollständig gescheitert ,sowohl was ihre europäische Quotierungspolitik angeht als auch in Hinblick auf ihre Willkommenspolitik mit offenen Grenzen ohne Grenzkontrollen.

    Die deutsche Regierung hat die Kontrolle umfassend verloren, was Herr Altmeier mit erstaunlicher, um nicht zu sagen infantiler Offenheit bereits zugegeben hat.

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