Politische Aufsteigerinnen – What's right?: Diese Frauen könnten die Politik aufmischen

Politische Aufsteigerinnen – What's right?
Diese Frauen könnten die Politik aufmischen

Deutschlands Politik stehen allerlei Veränderungen und wahrscheinlich ein Rechtsruck bevor. Dabei könnten vier Frauen die Szenerie neu prägen – unter anderem die Sahra Wagenknecht der Neo-Konservativen.

BerlinDeutschland ist politisch aufgewühlt wie seit Jahren nicht mehr. Die Migrationskrise droht die Parteienlandschaft umzupflügen. Umfragen sagen für 2016 einen spektakulären Aufstieg der rechtspopulistischen AfD voraus. Bei den anstehenden Landtagswahlen könnte damit die Achse der deutschen Politik insgesamt nach rechts verschoben werden. Denn die Union hält sich bei relativ hohen Werten, und der FDP scheint das Comeback in die Parlamente zu glücken. Selbst Sigmar Gabriel will die SPD mit Blick auf die Bundestagswahl 2017 bewusst zur Mitte hin verbürgerlichen. Bei all dieser Bewegung spielen vier Frauen die Schlüsselrollen. Sie habe gute Chancen, die politischen Aufsteiger des Jahres zu werden.

Julia Klöckner steht kurz davor, neue Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz zu werden. Sie könnte im März die seit 1991 bestehende Dauerregentschaft der SPD brechen und der CDU das Stammland von Helmut Kohl wieder zurück erobern. Der Wahlsieg in Mainz wäre für die Union eine strategisch wichtige Wende nach einer langen Serie von schlechten Ergebnissen bei Landtagswahlen. Die CDU machte lange Zeit den Eindruck nur mehr von der Beliebtheit der Kanzlerin zu leben.

Mit Julia Klöckner ist erstmals seit Jahren eine autonome Kraft aus der Provinz auf großer Bühne erfolgreich. Klöckner ist Partei-Vize der CDU, erreicht hohe, bundesweite Popularitätswerte und gilt als eine Frau, die in einigen Jahren Angela Merkel sogar beerben könnte. Sie verkörpert eine neue Generation von Unionisten, die Weltoffenheit und Liberalität lässig mit wertkonservativen Heimat-Tugenden paaren und das auch noch humorvoll kommunizieren können. Sie ist eine Mischung aus Bembelleutseligerin, Business-Angel und Burka-Verbieterin. Sollte Julia Klöckner ihre Wahl gewinnen, dann wäre sie der neue Superstar der CDU.

Frauke Petry wird zwar von allen Seiten attackiert, von Linken verfemt und von Ultrarechten wie Bernd Höcke auch aus der eigenen Partei angegriffen. Und doch könnte die Parteivorsitzende der AfD 2016 eine Republikveränderin werden. Sollte ihre Partei die zweistelligen Umfrageergebnisse in echte Wahlerfolge umsetzen und nun auch in große Landtage wie Baden-Württemberg in Fraktionsstärke einziehen, dann wäre die AfD im Parteienspektrum Deutschlands fest etabliert. Ihr käme sogar eine Schlüsselrolle zu, da damit bei den meisten Wahlen der Zukunft rot-grüne Mehrheiten strukturell gebrochen würden.

Mit dem Aufstieg der AfD würde sich die Architektur der Parteirepublik nach rechts hin verschieben. Zwar ist der Höhenflug Petrys nicht mit dem von Marine Le Pen in Frankreich vergleichbar. Doch sucht Petry sich bewusst die Anschlussfähigkeit ihrer Partei an CDU/CSU zumindest offen zu halten. Sie zwingt damit die Union, von der sie immer mehr Wähler ablockt, zur Gretchenfrage künftiger Koalitionen. In jedem Fall bekommt Deutschland ein Gegenstück zur Linkspartei, und Petry wird so etwas wie die Sahra Wagenknecht der Neo-Konservativen.

Kristina Barley soll die Wunden der verunsicherten SPD und ihres angeschlagenen Vorsitzenden Sigmar Gabriel heilen. Die neue SPD-Generalsekretärin scheint eine gute Wahl, weil sie nach der verkniffenen SPD-Gewerkschafts-Super-Nanny Yasmin Fahimi wie ein konzilianter Profi wirkt. Barley ist eine Frau mit Substanz, eine promovierte Juristin mit höflichem, kontrolliertem, unaufdringlichem Auftritt. Sie wirkt wie die perfekte Verkörperung des Versuchs von Sigmar Gabriel, die SPD eher in der Mitte als links zu verankern.

Barley wird es schwer haben, die Landtagswahlen im März, bei denen die Chancen für die SPD schlecht stehen, zu managen und halbwegs gut zu kommunizieren. Doch das bietet ihr die Chance zur Profilierung. Niemand wird ihr die drohenden Wahlniederlagen anlasten, viele aber von ihr eine Wegweisung aus der Krise erwarten. Und die könnte Barley zur Überraschung des Publikums vielleicht bieten – wie weiland eine CDU-Generalsekretärin namens Angela Merkel in deren Krise.

Nicola Beer ist Generalsekretärin der FDP und mit mit diesem Job, der so attraktiv schien wie Kühlschrankverkäuferin am Nordpol, erstaunlich erfolgreich. Die totgesagten Liberalen haben unter dem Charismatiker Christian Lindner, aber eben auch dank einer geschickten strategischen Parteiarbeit Beers ein solides Comeback hingelegt. Die Wahlerfolge der jüngsten Landtagswahlen mit weiblichem Spitzenpersonal in Hamburg und Bremen tragen auch die Handschrift Beers. Mit ihr hat sich die jahrelang als obermännlich daherkommende Partei konsequent auf Frauen zu bewegt. Die unprätentiöse Hessin könnte mit dem voraussichtlichen Einzug der FDP in die Parlamente in Stuttgart und Mainz ihre Erfolgsserie ausbauen und die Neugier auf die Frau wecken, die eine verkeilte Kerle-Truppe wieder mit auf die Spur gebracht hat.

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Wolfram Weimer
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