What's right?
China lügt sich in den Absturz

Chinas Börsenkrach erschüttert die Regierung. Die hat das Volk in den Aktienkauf getrieben und will nun Aufschwung befehlen. Währung, Kurse, Medien, selbst Konjunkturzahlen sind manipuliert. Das verschlimmert die Krise.
  • 13

Chinas Wirtschaft schwächelt nicht bloß. Sie erleidet regelrechte Einbrüche. Das Außenhandelsvolumen ist im ersten Halbjahr um 6,9 Prozent gesunken. Der chinesische Automarkt (immerhin der größte der Welt) verzeichnete im Juli mit 7,1 Prozent den stärkten Absatzrückgang seit zweieinhalb Jahren. Die Verkaufszahlen sind nun bereits den vierten Monat in Folge rückläufig. Immer mehr Branchen signalisieren eine scharfe Abkühlung der Konjunktur.

Selbst die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua spricht inzwischen von einem „Signal dafür, unter welch hohem Abwärtsdruck die Wirtschaft steht“. Wo immer man hinschaut – Industrieproduktion, Anlageinvestitionen, Einzelhandel – zeigen die offiziellen Angaben des Statistikamtes schlechtere Daten als erwartet. Und dabei sind die offiziellen Daten häufig geschönt.

Besonders eine Zahl steht ideologisch fest wie die chinesische Mauer: 7 Prozent. Diese Wachstums-Planvorgabe der Regierung wird auf wundersame Weise immer exakt erfüllt – Quartal für Quartal, obwohl jeder Chinese weiß, dass das nicht sein kann. Doch die Regierung scheut sich, die magische Marke aufzugeben – und befeuert damit bloß das Misstrauen in die wahre Lage Chinas.

Ein Blick in den Hamburger Hafen ist da schon erhellender. Denn dort sind die China-Umsätze im ersten Halbjahr bereits um 10,9 Prozent zurückgegangen.

Offenbar ist man in Peking der Meinung, dass die Wahrheit ein Feind der Partei sein und die Lage an den Märkten nur noch verschlimmern könnte. Seit Monaten durchleiden die Chinesen einen veritablen Börsenkrach. Der dürfte bald auf den Konsum, die Investitionsneigung und die Bankbilanzen durchschlagen. Um eine negative Kettenreaktion zu verhindern, hat die Regierung in den vergangenen Wochen mit immer verzweifelteren Reglementierungen versucht, den Crash aufzuhalten. Die Hälfte der Aktien sind zeitweise vom Handel ausgesetzt, Aktionären wurde verboten, ihre Anteile zu verkaufen, staatliche Institutionen wurden angewiesen, Papiere zu kaufen.

Doch je mehr die kommunistische Partei mit planwirtschaftlichen Befehlsmitteln die Märkte zum Erfolg zwingen will, desto mehr verlieren internationale Anleger das Vertrauen in China. „Die Zahlen werden manipuliert, die Börsen werden manipuliert, die Währung wird manipuliert, die Medien werden manipuliert“, klagt der Asien-Analyst einer Londoner Investmentbank. Inzwischen würden sogar Börsenreporter verhaftet und Onlineplattformen für Anleger geschlossen, nur weil sie über Wirtschaftsprobleme berichteten.

Die Ratingagentur Moody’s warnt daher offen vor einem weiteren Absturz der Aktien- und Immobilienmärkte in China. Eine „scharfe und lang anhaltende Korrektur der Vermögenspreise“ im bevölkerungsreichsten Land sei eine der größten Gefahren für die Weltwirtschaft, mahnen die Bonitätswächter aus London. Auch andere Analysten schlagen wegen schwerer struktureller Probleme Alarm: Eine Immobilienblase mit gewaltigen Kreditsummen drohe zu platzen, ein undurchsichtiges Schattenbankensystem gerate in Schieflage, die krachenden Aktienmärkte trieben Millionen in den Ruin.

Seite 1:

China lügt sich in den Absturz

Seite 2:

Es braut sich etwas zusammen

Kommentare zu " What's right?: China lügt sich in den Absturz"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Alles manipuliert? Da seht Ihr mal wie das ist.
    Was ist übrigens mit dem fälligen Artikel, daß die Mehrheit der Deutschen die vielen "Flüchtlinge" für verkraftbar hält. Ihr seid spät dran. Wird in vielen Journaillen schon gedruckt. Sputet Euch, sonst gibt's ein Häkchen.

  • Ein Börsencrash wird kommen.
    Dann kostet ein Brot wiede eine Billion.
    Ich sage doch schon lange, wir gehen in eine 2. Weimarer Republik
    Diese Gier, die hier jetzt seit ca. 20-25 Jahren ist, kann nicht auf Dauer funktionieren

  • Hallo Frau Seliger,

    ich glaube Sie meinen Billionen. Allerdings mit den Verschuldungszahlen hat der Autor schon an der richtigen Stelle gerührt. Mein erster Kommentar war auch, dass wir im Westen hier schon beliebig degeneriert sind. Und manchmal veröffentlichen wir dann auch gar nicht mehr (siehe M3 und die Fed).

    Aber unterm Strich ist es uns erlaubt hier oder woanders Zahlen von Herrn Draghi und Co in Zweifel zu ziehen und es gibt zumindest so etwas wie eine Diskussion darüber. Seien wir ehrlich, für unsere Teilnahme hier im Forum wären wir in China alle im Knast. Und die Banker eben nicht!

    Und das mit der Verschuldung Chinas, da möchte ich widersprechen. Auch im Westen gab es Länder, die in der Gelddruck-Phase praktisch nicht verschuldet waren (Spanien, Irland, ...). Das Problem war, dass sie davon lebten die Gelddruck-Maschine zu besteuern. Als die aber aufhörte, Stand der Staat auch an der Pleite. China hat nach eigenen Angaben ca. 3,4 Billionen US-$ Devisenreserven (Gegenwert, welche sie haben wird NICHT veröffentlicht). Die chinesische Wirtschaft (Staatsunternehmen) sind mit 28 Billionen verschuldet. Wenn das Geschäftsmodell gut ist... dann ist alles gut. Wenn das Geschäftsmodell Geld ausgeben, dass gedruckt wurde ist, dann gute Nacht!

    Noch so ein Beispiel: die zwei Banken, die vor ein paar Tage über 100 Mrd Dollar bekamen, das ist nichts anderes wie eine Bankenrettung. Die wären umgefallen!

    Ich weiss, es ist schwierig, wenn lang gepflegte Gewissheiten umkippen, aber die Wachstumstory China wollte die Welt einfach haben, dieses Mal nicht aus Gier, sondern weil man 2009 sich einfach was wünschte, was einem dem A... rettet!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%