What's right?
Das Manufactum der Demokratie

Die drohende Abspaltung Schottlands von London könnte eine Zeitenwende in Europa einläuten. Nach Jahrzehnten der Zentralisierung werden zentrifugale Kräfte stark – von Flamen bis Bayern. Deutschland droht eine Debatte.
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Alex Salmond ist eine Art Franz-Josef Strauß der Schotten. Der schottische Nationalistenführer ist klug, schlitzohrig und polternd zugleich. Ein beliebter Volkstribun, ein unangenehmer Regionalfürst und strategisch brillant. Salmond ärgert seine Zentralregierung so konsequent wie es weiland der donnernde bayerische Ministerpräsident in Deutschland tat. Anders als Strauß wagt Salmond freilich das Unerhörte: Er will Schottland in die Unabhängigkeit von Großbritannien führen, und er steht kurz vor einem historischen Triumph dazu. Kommende Woche könnte eine mehr als 300-jährige Ära enden: Schottland stimmt über die Loslösung ab.

Und schon jetzt hat Salmond gewonnen. Denn London sieht sich so oder so gezwungen, den Schotten deutlich größere Autonomien zu gewähren. Um die Wähler von dem völligen Austritt abzuhalten, werden allerlei Last-Minute-Versprechen zu mehr Selbstverwaltung und Steuerautonomie gegeben. Der Fraktionschef der Schottischen Nationalpartei im Unterhaus, Angus Robertson, bezeichnete die Offensive als „zynischen Bestechungsversuch“. Andere machen sich über die „nackte Verzweiflung“ lustig, die die Londoner Unionisten befallen habe.

Mittlerweile starrt ganz Europa wie gebannt auf die Schotten, denn die Sache hat das Zeug zum Präzedenzfall. In Nordirland und Wales fragen sich die Bürger bereits, warum nur den widerspenstigen Schotten plötzlich so viel Freiheit gewährt werde. Innerhalb Großbritanniens brandet eine Dezentralisierungsdebatte auf. Wenn Schottland demnächst über eine eigene Einkommensteuer entscheiden dürfe, müsse dies auch für Wales oder die englischen Midlands möglich sein, fordern erste Abgeordnete. Und das halbkatholische Nordirland belebt ebenfalls allerlei Abspaltungsideen.

Auch auf dem Kontinent fühlen sich Unabhängigkeitsbewegungen ermutigt. Ganze Nationen wie Spanien oder Belgien befürchten, dass ihr Staatsverband dadurch gefährdet wird. Die Regionalregierung von Katalonien in Spanien hatte schon ein Referendum für den 9. November angesetzt, doch die Regierung in Madrid erklärte es für illegal. Nun brodelt es rund um Barcelona. Mit der schottischen Initiative ist in Spanien eine heiße Verfassungsdebatte ausgebrochen, denn auch die Basken fordern mehr Unabhängigkeit. Spanien erkennt bis heute nicht einmal das Kosovo an, um die Unabhängigkeitsbestrebungen im eigenen Land nicht zu befeuern. Doch Schottland ist viel brisanter.

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„Bayern kann es auch alleine”

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  • Mehr als Stände-Staat muß ich nicht schreiben, der Vergleich mit Mussolini ist daher verfehlt.
    Dollfuß ist eine schwierige Gestalt, wenn Sie bedenken, daß der mit Artillerie Wohngebiete beschossen hat.
    Hitler ist eigenständig zu betrachten, er kann Österreich und schon gar nicht das Habsburger-Reich ertragen, deshalb geht er nach Deutschland.


  • zudem was regts euch über den Finanzausgleich der Länder auf.... freut euch lieber auf das was noch kommt... der ESM machts möglich..... man wird sich noch an diezeit zurücksehen in dennen man nur die "nrwler" wie sie sagen "stützen" muss... und JA seehofer und die CSU habn MITGEMACHT...^^ und wurden wieder gewählt... und das NACH der amgio sache....^^ also kanns ja trotz super bildungs nicht so weit her sein mit dem denken im Stadel..

    und gäbs hier ne bearbeiten Funktion und n größeres eingabe feld könnte man flüchtigkeits fehler besser ausbessern

  • @Herr Lui Kators die Rechtschreibung hat andere Gründe und trotz meines handicaps hab ich ne gute Ausbildung gemacht und war schon rund um die Welt im Einsatz....
    eine fehlerhaft gramatik ändert aber nichts am inhalt...

    zudem ne gute gramatik nichts über Allgemein bildung aussagt.... sie wahrt nur den schein...^^

    1 die allmosen könnte ihr gern behalten....
    2 war NRW lange lange geberland im "länderausgleich".... unsere Wirschaft wurde platt gemacht als die sache mit den atommmeilern aufkam.... ... und er stand da vorn dabei ?.... darum sollte das endlager auch in den Süden..
    seitdem habn wir "strukturwandel"....^^(und die bayner saßen ja direkt nach der niederlage den AMis schon auf dem schoß..

    2 sind wir bei umsatzsteuer und deviseren steuern immer noch netto zahler..... in den geminsamen topf... glaub allein umsatzsteur 2,7mrd
    3 zahlen zb anteil mässig gerade die NRWLer die Solaranlagen die sich eure bewohner aufs dach pappen....
    4 könnten eure "vorzeige wirtschaft" ohne die ausbildungs leistung in manchen berufen ohne die andern Bundesländer ihren bedarf garnicht decken....

    zudem viele betriebe nach dem Mauerbau erst nach Bayner ginge... ZB Siemens war mal in Berlin ansäßig.....

    Zu dem andern Herren..... in andern Bundesland wäre der AH anders verknackt worden.... zb wollte Berlin damals die zuständigkeit haben (er war zb wegen landstreicherrei vorbestraft und gehörte abgeschoben)...

    Statt desssen wurde ihm ne bühne geboten.....

    und Fuß gefasst hat die bewegung in München...fakt....
    wäre das verhindert worden wäre vieles ganz anders gelaufen....

    Streesemann muste als Kanzler ca 10 jahre davor die Rechten im süden und die Roten im Osten bekämpfen....

    NRW war zu der zeit ruhig..^^

    mir gings nur darum noch mal zu erinnern..... da manche ihrer Landsleute an Hochmut kaum zu toppen sind....als wenn s mit D nichts zutun hatten, dabei aber gern vergessen das es die bösen Preussen waren die euch erstmal die Schulpflicht brachten..... sonst gäb heute noch kein

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