What's right?
Der Franken ist ein Fluch

Die Schweiz zahlt für ihre Währungsautonomie einen hohen Preis. Von der Exportindustrie bis zum Tourismus stehen Einbrüche bevor. Unser Kolumnist meint: Es wäre klüger, sich dem Euro endlich anzuschließen.
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Wenn die Schweiz am Meer läge, wäre ihr Horizont größer – so lautet ein herrlich selbstkritisches Bonmot der Eidgenossen. Dieser Tage möchte man den lieben Nachbarn ein Stück Meeresstrand wünschen. Denn der enge Horizont der Währungsautonomie ist ein sündhaft teures Vergnügen. Wie teuer zeigt sich nach der Freigabe des Franken-Wechselkurses. Mit einem Schlag wird die ganze Industrie des Landes in schwere Wettbewerbsprobleme gestürzt. Der Franken wertet so stark auf, dass die Produkte vom Maschinenbauer über die Uhrenhersteller bis zur Pharmaindustrie auf den Weltmärkten unerträglich teuer werden. Kosten- und Lohnsenkungs-Programme stehen ebenso an wie Entlassungen, es wird Kummer und Kampf geben, die Gewerkschaften der Schweiz schlagen bereits Alarm.

Jeder Käse und jede Schokolade aus der Schweiz hat jetzt einen Luxusaufschlag für die exklusivste Währung der Welt. Jeder Skiurlaub im Engadin und jeder Tee in Davos wird für Auslandsgäste noch mal teurer – und also werden sie in Scharen ausbleiben. Der Aufwertungsdruck ist so groß, dass die kleine Schweiz sogar in eine Deflation gestürzt werden könnte.

Der Franken ist gewiss ein Stolz der Schweiz, zugleich aber auch ihr Fluch. Dass das freiheits- und autonomieliebende Bergvölkchen seine Eigenarten pflegt, macht die Schweizer seit jeher ebenso sonderbar wie sympathisch. Das ist so herrlich monumental – als trage jeder Schweizer seine Gletscher in sich. Nur hat das im globalisierten Finanzkapitalismus einen brutal hohen Preis.

Während einst nur ein paar Reiche Europas ihre Sondervermögen in der Schweiz parkten und man Währungseffekte ausgleichen  konnte, so schiebt heute jeder Spekulant aus Singapur, jeder Ölmulti aus Dubai und jeder Hedgefonds aus Texas seine Gelder in die goldenen Täler der Frankenaufwertung. Die helvetische Währung ist ein Fetisch der Sicherheit und der wird - in der Logik des Geldes – dauerhaft irrational hoch bewertet – am Ende aber zahlt die Bevölkerung der Schweiz in der Logik der Realität dafür den Preis.

Kommentare zu " What's right?: Der Franken ist ein Fluch"

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  • Hallo Herr Stock, hallo Herr Weimer.

    Bei Ihnen in der Redaktion muß ja gerade eine riesige Partie laufen. Da muß ja mit Glykol verseuchter italienischer Wein in Strömen geflossen sein. ;-)

    Anders kann ich mir den Artikel des Herrn Weimer nicht erklären.

    Haben Sie eigentlich gerade aktuell auf die Startseite von Handelsblatt.com geschaut?

    Ich zitiere mal.....:

    Überschrift: Der Franken ist ein Fluch.
    Unser Kolumnist meint: "Es wäre klüger sich den Euro endlich anzuschließen."

    Keine 100 Pixel weiter unten schreiben Sie zwei Headlines:

    Der Anlagestratege: Der Euro schmiert ab
    Presseschau: Der Euro auf Neun-Jahres-Tief

    ------

    Ich möchte in meinem weiteren Kommentar einen Satz von
    Denzel Washington aus seiner Rolle als Anwalt aus dem Film Philadelphia bemühen:

    KÖNNEN SIE MIR DEN ZUSAMMENHANG BITTE ERKLÄREN, ALS WENN ICH UND DIE WERTE LESERSCHAFT HÖCHSTENS FÜNF JAHRE ALT WÄREN.

    :DDDDDDD

  • Der Euro gerät nicht ins Trudeln, wird aber dank Draghi gegenüber dem Schweizer Franken weiter abwerten. So viel Geld ist der so finanzstarken, aber letztlich doch zu kleinen Schweiz gar nicht vorhanden, um so viele Euro aufzukaufen, dass das Umrechnungsverhältnis 1 : 1,2 aufrechterhalten werden könnte. Nur darum hat die Schweiz den Wechselkurs freigegeben, weil sie weiß, dass sie das wünschenswerte Niveau unmöglich halten kann. Man schießt sich halt doch ins Knie, wenn als einzige Alternative der Kopf bleibt. Für die Schweizer Exportwirtschaft sind die Folgen verheerend, und dass die Schweiz sich über kurz oder lang den Euro als eigene Währung ins Land holt, ist keineswegs auszuschließen. Selbst wenn dies unvorhersehbare Auswirkungen auf die Schweiz als Finanzplatz haben kann, ist es möglich, dass realwirtschaftliche Überlegungen gar keinen anderen Ausweg lassen.

  • Was wir beobachten können sind die üblichen Turbulenzen beim Übergang von einem Aggregatzustand in den anderen.
    Das war zu erwarten.

    Allerdings zu glauben, der Schweizer Notenbank weiß nicht was sie tut, ist blauäugig.

    Die Schweizer tun nicht das, was sie tun, um sich selber ins Knie zu schießen, sondern sie wissen, dass der Euro unhaltbar ins Trudeln gerät,
    deshalb "seilen" sie sich ab, um nicht mit "abzustürzen", wenn das Seil reißt.

    Schließlich sind die Schweizer Alpinisten und keine Flachlandtiroler.

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