What's right
Die FDP überlebt ihren Tod – die AfD kommt

Viele hatten die FDP schon abgeschrieben. Doch selbst die AfD konnte den politischen Tod der Liberalen nicht besiegeln. Nun bahnt sich ein Comeback in Hamburg an. Das ist erst der Anfang.
  • 30

Die FDP war so etwas wie die Bundfaltenhose unter den Parteien. Vollkommen aus der Mode. In der Öffentlichkeit wollte man sich damit kaum mehr zeigen, sie hatte Risse nicht gehaltener Wahlversprechen, lauter Flecken von den Spaßparteipartys und ausgebeult von allerlei Wahlniederlagen war sie auch. Nur in zeitgeist-resistenten Altherrensalons Baden-Badens oder Dahlems, da sah man sie noch vereinzelt.

Doch nun scheint die FDP zurückzukommen – wie ein Retro-Kultobjekt. In Hamburg bahnt sich bei der Bürgerschaftswahl am Sonntag ein überraschend gutes Ergebnis ab – und der zu Weihnachten noch für unmöglich gehaltene Sprung ins Parlament.

Forsa meldet dazu, die Partei hätte plötzlich auch deutschlandweit wieder spürbar besseres Ansehen, ja sogar die Chance auf einen Wiedereinzug in den Bundestag. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen die Liberalen in einer Sonntagsfrage also wieder über die Fünf-Prozent-Hürde.

Das Wiedererstarkten der FDP ist umso erstaunlicher, weil auch die neue rechtsliberale AfD-Konkurrenz bei den Wählern punktet. Bislang galt es als ausgemacht, dass die AfD der FDP nicht nur Wähler entzieht, sondern deren politischen Tod durch Erbschleicherei besiegeln könnte. Die neue, rabiatere Variante der liberalen Staatskritik schien der alten, moderaten den Schneid abzukaufen.

Entweder, oder – so hieß das politische Erwartungskalkül der Politologen. Nun zeigt sich, dass offenbar für beide Platz sein könnte in der deutschen Parteienlandschaft. Das aber würde eine Achsenverschiebung im politischen Gefüge Deutschlands bedeuten, denn schlagartig gäbe es drei linke und drei bürgerliche Parteien in den Parlamenten – wo es eben noch so schien als vereinsame die Union im bürgerlichen Lager.

Das Comeback der FDP hat drei Gründe. Zum einen führt die Sozialdemokratisierung der Union unter Angela Merkel dazu, dass viele bürgerliche Kernwähler neue politische Heimaten suchen. Insbesondere der Mittelstand und die Unternehmer sehnen sich – gepeinigt von Renten-mit-63, Mietpreisbremsen, Frauenquoten, Mindestlöhnen, Steuerrekorden, Bürokratie und einer gescheiterten Energiewende – nach einer wirtschaftsliberalen Kraft der Kompetenz für Deutschland. Sie denken dabei freilich zu weltoffen und pro-europäisch, um einfach der AfD zu folgen. Es gibt also eine politische Marktnische zwischen der linksgeneigten Union und den Rechtspopulisten. Und diese füllt die FDP.

Seite 1:

Die FDP überlebt ihren Tod – die AfD kommt

Seite 2:

Ein Korrektiv der Freiheitsfreunde

Kommentare zu " What's right : Die FDP überlebt ihren Tod – die AfD kommt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zitat" Insbesondere der Mittelstand und die Unternehmer sehnen sich – gepeinigt von Renten-mit-63, Mietpreisbremsen, Frauenquoten, Mindestlöhnen, Steuerrekorden, Bürokratie und einer gescheiterten Energiewende – nach einer wirtschaftsliberalen Kraft der Kompetenz für Deutschland. Sie denken dabei freilich zu weltoffen und pro-europäisch, um einfach der AfD zu folgen. Zitatende Die AFD ist eine Partei, die für Generationengerechtigkeit eintritt und über wirtschafts- und finanzpolitische Vernunft verfügt, welche sich an den Interessen der bürgerlichen Mitte orientiert, deren Arbeitseinkommen viel zu hoch besteuert wird und deren Kapitalanlagen und Rentenversicherungen von Inflation und niedrigen Zinsen bedroht sind. Ein Partei, die anders als die CDU nicht primär den Interessen von Großkonzernen, Banken, Versicherungen und internationalen Investoren dient, sondern anders als Teile der SPD die bürgerlichen Leistungsträger mit hervorragender Qualifikation und Arbeitsleistung honoriert, anstatt sie als Melkkuh der Nation zu schröpfen. Eine Partei, die statt auf Umverteilung und Bürokratie auf Wettbewerb, Leistung und Innovation setzt, ohne wie FDP einseitig ihre jeweilige Klientel zu privilegieren. Eine Partei, die zugleich für europäische Werte steht und deutsche Interessen selbstbewusst vertritt. Hier in Deutschland gilt es als rechts, wenn eine Partei deutsche Interessen vertritt. Im Rest Europas ist es eine Selbstverständlichkeit für die eigenen Interessen zustehen. Deutschland wird dank ihrer Politiker gehörig über den Tisch gezogen!

  • bei den Äusserungen der paar FDP Fans hier, muß man wohl von einer " Nachlassüberschuldung" ausgehen! Statt haftungsbeschränkender Maßnahmen wäre der AfD wohl die Erbaussschlagung anzuraten!

  • Vielleicht etwas zu früh, Herr Weimer ? Forsa ist kein Meinungsermittlungs- sondern ein Meinungsvermittlungsinstitut. Das SPD Parteimitglied Güllner ist Meinungsmacher und hat ein Interesse daran, die AfD klein zu halten und mit der FDP eine sozialliberale Alternative zu den Grünen zu erhalten. Die heute, am 13.2.15 veröffentlichte bundesweite Umfrage von Infratest, hat die angeblich im Come back befindliche FDP bei 3% ! Warten wir den Sonntag mal ab, ob sich Frau Suding nach dem Ergebnis sich nicht , wie in der antiken Tragödie - die Bluse vom Leib reißen muß!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%