What's right?
Die Kernenergie ist wieder da

Drei Jahre nach der Katastrophe von Fukushima meldet die Internationale Atomenergiebehörde einen globalen Boom an Atomkraft. Immer mehr Länder bauen Kernkraftwerke – Deutschland ist mit seinem Ausstieg ziemlich allein.
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Es ist genau drei Jahre her: Um 12.18 Uhr am Donnerstag, 30. Juni 2011, war es so weit: Bundestagspräsident Lammert bat die Abgeordneten zur Abstimmung per Handzeichen über die Novelle des Atomgesetzes und verkündete daraufhin: „Der Gesetzentwurf ist mit den Stimmen der vier Fraktionen CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen angenommen.“ Deutschland hatte den Atomausstieg beschlossen. Die politische Klasse in Berlin war sich sicher – die Welt werde diesem Beispiel folgen. Tatsächlich aber passiert genau das Gegenteil.

Vor allem das neue Großmächte-Quartett (Brasilien, Russland, Indien und China) setzt massiv auf Atomenergie. In China sind nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) derzeit 29 neue Kernkraftwerke im Bau. Russland hat mit der Errichtung von zehn neuen Atomkraftwerken begonnen, in Indien werden bald sechs neue Meiler installiert sein. Der frisch gewählte indische Premierminister Narendra Modi erklärt: „Kernkraft wird ein Eckstein der indischen Energieversorgung.“

Doch nicht nur die aufstrebenden Wirtschaftsgroßmächte investieren massiv, immer mehr Länder entscheiden sich für den Neu-Einstieg, darunter die Türkei, Bangladesch, Ägypten, Jordanien, Nigeria und Vietnam. Selbst die Vereinigten Arabischen Emirate haben mit dem Bau eines Atomkraftwerks begonnen, ebenso Weißrussland und Finnland. Und rechtzeitig zur Fußball-WM meldet auch Argentinien den Spatenstich für ein neues Kernkraftwerk. Brasilien baut zwischen den Metropolen Rio de Janeiro und Sao Paolo die Anlage „Angra dos Reis“ am Atlantik. Auch die großen Bestände in Frankreich und den USA werden ausgeweitet.

Der IAEA-Generaldirektor resümiert, die Kernenergie sei wieder ein globaler Wachstumsmarkt. Insgesamt seien weltweit 72 Kernkraftwerke neu im Bau; sie würden die bestehenden 435 Meiler massiv ergänzen.

Im Rahmen dieses weltweiten Comebacks der Kernenergie hat sich nun auch Japan für eine Rückkehr zur Atomkraft entschieden. Man werde alsbald die ersten, nach der Atomkatastrophe von Fukushima abgeschalteten Meiler wieder anfahren, erklärten Regierungsvertreter in Tokio. Das AKW Sendai (Präfektur Kagoshima) auf der Südinsel Kyushu werde nach der Sommerpause als erstes wieder ans Netz gehen. Japans Strompreise sind nach der Abschaltung sprunghaft gestiegen, und die hohen Importe von Öl und Flüssiggas hat die Handelsbilanz Japans schwer belastet. Im Jahresenergiebericht der Regierung wird zudem auf die steigenden und klimaschädlichen Kohlendioxidemissionen hingewiesen, die ohne die Kernkraft nun zu verzeichnen seien.

Premierminister Shinzo Abe ist daher der Ansicht: „Für die Grundlast der japanischen Energieversorgung brauchen wir die Kernkraft.“

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Verblüffend einsame Veranstaltung

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